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06.12.11

GN Netcom Jabra Halo2 im Test (2/2): Nicht perfekt, trotzdem gut

Jabra Halo2 - Verbindung über jede Art und Weise möglich (Bild: kaz)

Jabra hält mit dem Halo2 ein paar nette Überraschungen parat, die auf der Packung nicht angekündigt werden - wo dieses Understatement herrührt, will sich nicht erschliessen...

Der Jabra Halo2 stellte im Bluetooth-Betrieb unter Beweis, dass schöne Namen für Klangverbesserungen nicht zwangsläufig auch schönen Klang erzeugen. Die starke Betonung im unteren Bassbereich und das schwache Auftreten im Hochtonabschnitt könnten aber auch an der Verwendung der A2DP-Technologie liegen. GN Netcom macht den Direktvergleich möglich: Das microUSB-zu-Klinke-Kabel einstecken und schon kann auch ohne Strom und qualitätsmindernden Funk gehört werden. Nur wie gut klingt das?

Kabel wie zu Omis-Zeiten

Jabra setzt voll auf Standards: microUSB ist nun der vorherrschende Stecker zum Laden und 3,5 mm Klinke findet sich an jedem Tonausgang. Die GN-Netcoms-Annahme jedoch, man könne an einem Kabel je einen der beiden Stecker ans Ende packen, verleiht dem Kabel stattdessen Seltenheitswert - allzu arglos sollte man damit deshalb nicht umgehen.

Wie zu erwarten, verbessert sich der Klang merklich über die Kupferleitung. Das liegt nicht nur an der direkten, kompressionslosen Verbindung zur Tonquelle. Die ganzen schönen Namen wie AM3D Power Bass und Virtual Surround Sound lösen sich in Rauch auf, sobald das Kabel steckt und so geniesst man dann unveränderten Originalsound. Sagenhaft gut ist der Sound aber trotzdem nicht. Noch immer klingen die oberen Frequenzen dumpf und undifferenziert, wenngleich hörbar besser, als zuvor. Der Bass dagegen dröhnt weiter imposant und kräftig ohne zu verzerren - passende Musik vorausgesetzt macht der Kopfhörer richtig Laune. Die Komforttasten zur Mediaplayerbedienung sind bei Kabelbetrieb deaktivert. Sie kommunizieren nur über das AVRCP-Protokoll und setzen damit Bluetooth-Betrieb voraus, schade eigentlich.

Apropos «schade», wirklich schade, dass Jabra so bescheiden ist: Weder die Verpackung, noch die Bedienungsanleitung verraten die hervorragende Konnektivität des Halo2. Nicht nur Bluetooth und Klinkenstecker werden akzeptiert, per mitgeliefertem standard USB-Kabel an den PC angeschlossen wird der Hörer auch als USB-Soundkarte erkannt! Die installierte Firmware des Kopfhörers lautet bei meinem Testmuster 5.18.0 und ausser mir scheint das noch gar keiner bemerkt zu haben - nicht mal Jabra selbst... Die Klangcharakteristik über USB-Kabel scheint der über Bluetooth zu ähneln; die alten Bekannten, AM3D und VSS verschlimmbessern wieder kräftig. Sogar die Sensortasten reagieren – ich bin begeistert.

Langer Atem

Der leichte Kopfhörer besteht im Grunde genommen nur aus Bügel und Lautsprechern, viel Platz für einen Akku ist da nicht gewesen. Trotzdem quetscht GN Netcom stolze 7 h Akkulaufzeit im drahtlosen Betrieb aus dem Halo2 heraus. Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, ist dem Kopfhörer auch die kabelgebundene Betriebsweise nicht fremd. In diesem Modus lädt man nicht nur über USB-Port, sondern auch mit dem mitgelieferten Netzadapter - während die USB oder Bluetooth-Verbindung aufrecht erhalten wird; das ist selten bei Headsets. Einen kleinen Wermutstropfen hat die ganze Sache dann doch: Zwar könnte man per Netzstecker laden, doch dem praktischen Reiseadapter werden die 10 cm Kabellänge kaum bis zum Ohr reichen.

Telefonie

Alle aktuell verfügbaren Headsets machen sich mit mehr oder minder attraktiven Sprachansagen zu Verbindungsstatus, Akkukapazität und weiteren Meldungen bemerkbar, das gilt auch für Jabra-Geräte. Der scheinheilige Halo2 hält sich akustisch sehr zurück, ein paar Piepstöne versuchen dem Träger klar zumachen, dass ein Anruf eintrudelt oder der Akkustand sich dem Ende neigt.

Noise Blackout kennen wir vom Jabra Supreme, dem Sieger des Bluetooth-Vergleichstestes, auch das Halo2 setzt auf die Siegertechnologie, doch scheinbar war das nicht das K.O.-Kriterium. Sämtliche Umgebungsgeräusche zeichnet das Dualmikrofon im Jabra fehlerfrei auf. Der Zuhörer fühlt sich mitten im Geschehen, nur scheppert das eigentliche Telefonat blechern und elektronisch verzerrt. Auch im Staubsauger-Test zeigt das Halo2 Schwächen, die Geräuschkulisse kann zwar abgemildert werden, doch einerseits wird auch der Sprecher leiser, andererseits versteht man bei einem normalen Telefongespräch mit Hand vor dem Mund mehr.

Fazit

Der Jabra Halo2 ist ein verkannter Tausendsassa: Es gibt kein Gerät mit dem man es nicht verbinden könnte, egal ob Bluetooth, 3,5 mm Klinke oder USB-Kabel zum PC - der Ton findet seinen Weg in die Lautsprecher. Die klingen leider nicht ganz so überzeugend. Starke, teilweise überzogene Bässe, beschnittene Höhen und eine schwache Differenzierung bei den oberen Frequenzen trüben den guten Eindruck. Dazu gesellt sich eine Latenz, die nah an der Synchronisationsgrenze agiert: Die Lippensynchronität bei Videos wird gerade noch so erreicht.

Für wen eignet sich das Headset nun? Für all jene, deren hauptsächliches Musikgenre viel Bass benötigt, die mit wechselnden Geräten arbeiten und immer die bestmögliche Verbindung nutzen wollen. Das Jabra wurde für unterwegs konzipiert, nicht für das stille Kämmerlein, und im Strassenverkehr oder der Strassenbahn hört man die feinen Nuancen ohnehin nicht heraus. Dann noch ein MP3-Stück in etwas minderer Kompressionsqualität und die Konzentration auf den Strassenverkehr und schon klingt das Halo2 wie jedes andere.. Der Jabra Halo2 ist ein herausragendes Produkt, mit wertiger Verarbeitung, Abstrichen in der Klangqualität und ein paar guten Trümpfen im Ärmel, aber für EUR 70 nicht ganz billig.

Die Produkthomepage mit (fast) allen Spezifikation findet sich unter Jabra.

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