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02.11.13

Glosse: Frontalangriff auf Handgelenke und Gesundheit

TapTap: Mehr Armband fürs Handgelenk bitte! Bilder: Hersteller

Man versprach uns das Internet der Dinge, aber bekommen haben wir bisher vornehmlich Armbänder und Uhren. Und als wäre das nicht schon ernüchternd genug, spielen sich die Hersteller dabei als Moralapostel auf. Motto: Weg mit dem Tablet und runter von der Couch! Bewegt euch gefälligst und bringt euer Leben in Ordnung!

TapTap: Mehr Armband fürs Handgelenk bitte! Bilder: Hersteller

Eigentlich wissen wir ja Bescheid, dass wir nur Spielbälle der Industrie sind. Und die setzt ihr Marketingbudget gerne dazu ein, um uns zu überzeugen, welche neuen Dinge wir kaufen und was wir damit machen sollen. Beim Smartphone hieß es noch: Verlass das Büro, du hast das Internet jetzt immer dabei. Beim Tablet dann genau das Gegenteil: Ab auf die Couch damit und gemütlich abhängen.

Und jetzt? Jetzt schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung: Genug ausgeruht, es ist Zeit, dass ihr euch bewegt! Und um uns zu suggerieren, dass wir das alles auch wollen, gibt es bunte Kleidung für ein viel zu lange nackt gebliebenes Körperteil, das ganz nebenbei zur Schaltzentrale wird: das Handgelenk. Fitness-Armbänder und Smartwatches sollen dahin, wo uns ganz früher mal - und heute wieder - eine modische Uhr an unsere ungebremst herunter tickende Lebenszeit erinnerte. Und damit wir nie wieder vergessen, wofür wir das tun, überwachen diese immer mehr unserer Lebensbereiche, Gesundheit und Beziehungsleben inklusive.

Platz da, da muss ein Armband hin!

Schrittzähl-Armbänder wie Fitbit Flex, Nike Fuelband oder Jawbone Up sind ja im Grunde harmlos gegen die neue Generation: Push kontrolliert, ob wir uns auch im Fitness-Studio ordentlich austoben. Angel misst Körpertemperatur, Sauerstoffgehalt des Blutes und als nächstes vielleicht noch in Echtzeit einen zu hohen Cholesterinspiegel. Die perfekte Ergänzung dazu ist das Armband Airo, das zusätzlich noch unsere Nahrung analysiert und aufmuckt, wenn der Stress mal wieder Überhand nimmt. Wristify setzt dem ganzen die Krone auf: Wenn wir eh schon die Körpertemperatur messen können, dann sollen wir damit Energie sparen, sagen ein paar studentische Entwickler in ihrem jugendlichen Leichtsinn.

Wristify: Energie sparen mit einem Armband

Während das eine Handgelenk mit Fitness-Armbändern zugepflastert ist, soll das andere mit Smartwatches belegt werden. Die Galaxy Gear meldet sich, wenn auf dem Smartphone etwas passiert. Damit wir auch hier die Fitness nicht vergessen, hat Samsung einen Schrittzähler gleich mit eingebaut. Pebble wäre eine Alternative, oder auch Buddy , Geak oder Kreyos. Omate kommt auch ohne Smartphone als Wirt aus. Zur Wahl stehen jetzt schon etliche Typen, ehe Google mit "Gem" und eines Tages vielleicht auch Apple mit einer eigenen Smartwatch um die Ecke kommen, Fitnessbänder zu Uhren werden und anders herum.

Beziehungsleben am Armband

Sollte da am Arm noch ein Quadratzentimeter Platz sein, können wir diesen mit dem Gestenarmband Myo, dem Freundealarm Bond oder den Fernbeziehungsarmbändern TapTap und Tactilu auffüllen. Ja, es gibt selbstverständlich mehrere Armbänder, die gegen Fernbeziehungen helfen.

Fernstreicheln: Möglich dank Tactilu

Es war ja auch kein Leben, als unser Handgelenk noch nackt war! Wir aßen täglich Schweinebraten, machten niemals Sport. Wir erfuhren nie von neuen Status-Updates, mussten andere Menschen nach der Uhrzeit fragen! Das Smartphone konnte so viel vibrieren und klingeln, wie es wollte. Selbst wenn es direkt vor uns lag, wir sahen und hörten es nicht.

Ich glaube, jetzt wird eine schöne Zeit heranbrechen. Wir werden wieder mehr Sport treiben, wir werden unsere Gesundheit und unser Beziehungsleben aufbessern, mit freiem Kopf ins Arbeitsleben einsteigen. So dass wir dank den einen Gadgets genug verdienen, um uns die der nächsten Stufe erst leisten zu können: sprechende Mikrowellen vielleicht, smarte Kühlschränke oder den Gassigeher für den Hund. Die Industrie hat den Schlachtplan längst auf dem Schreibtisch liegen. Dagegen wehren? Wollen wir gar nicht! Denn dass die Zukunft schön wird, davon sind wird ja längst überzeugt. Worden.

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