31.07.13

GlassUp: Google-Glass-Konkurrent aus Italien jetzt vorbestellbar

GlassUp

Ein Team aus Italien will Google Glass gleich in mehreren Kategorien schlagen: Ihr GlassUp ist beispielsweise jetzt schon vorbestellbar und vor allem sieht es (weitgehend) aus wie eine normale Brille. Dank passender Investoren wird das Indiegogo-Projekt auf jeden Fall Wirklichkeit.

GlassUp ist Google Glass auf den ersten Blick ähnlich, ist genauer betrachtet dann aber doch ein ganz anderes Gerät.

In Hamburg traf ich neulich Bowei Gai, der für seinen World Startup Report derzeit in neun Monaten kreuz und quer über den Globus reist. Was aber daneben die Besucher seines Events im Betahaus interessierte, war sein Google Glass. Was ich persönlich noch interessanter fand: Wenn Bowei Gai im Gespräch war, schob er Google Glass nach oben auf den Kopf, wie manche es mit ihrer Sonnenbrille tun, wenn sie sie nicht brauchen oder wenn sie ihrem Gesprächspartner gegenüber höflich sein wollen. Schließlich könnte man mit Google Glass heimlich Statusupates lesen (wobei man dazu immer nach rechts oben schauen muss) und Googles Gadget kann Fotos und Videos machen, ohne dass man das unbedingt mitbekommt. Der jetzt vorgestellte italienische Konkurrent GlassUp hat zumindest in der ersten Version keine Kamera eingebaut und macht auch sonst einiges anders.

In diesem Video sieht man das Team dahinter sowie GlassUp in Aktion:

GlassUp war schon zwei Jahre in der Entwicklung, als Google sein "Project Glass" ankündigte und damit die Techwelt in Euphorie versetzte. Die Grundidee ist dieselbe: Man hat ein zweites Display für das eigene Smartphone direkt im Blickfeld. Man muss also nicht immer zum Handy greifen, wenn man eine neue Nachricht bekommen hat und kann es ebenfalls in der Hosentasche lassen, während man sich durch eine fremde Stadt navigieren lässt oder ein neues Kochrezept ausprobiert.

Sehr ähnlich zudem, dass die Recheneinheit rechts im Gestell integriert ist und sich dort ein Touchpad zur Steuerung findet. Das allerdings hat sich Google patentieren lassen. Und der Internetriese aus Mountain View hat sich wohl tatsächlich bereits bei den Italienern gemeldet, allerdings mit einem anderen Wunsch: Sie mögen doch bitte nicht Googles Marke "Glass" benutzen. Die Italiener wollen dagegenhalten, denn Glass sei ein generischer Begriff, den man niemandem verbieten könne. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Technisch ist das GlassUp-Team gut aufgstellt: Gianluigi Tregnaghi beispielsweise hat Heads-Up-Displays für Kampfpiloten entwickelt, Andrea Tellatin war an der Smartwatch "I'm Watch" beteiligt.

Unterschiede zwischen GlassUp und Google Glass

Auch Fahrrad- und Motorradfahrer haben die Macher als Zielgruppe im Blick.

Bei der Umsetzung sind Google Glass und GlassUp an einigen entscheidenden Stellen unterschiedlich. So ist GlassUp eine komplette Brille und die Informationen werden auf das rechte Glas projiziert. Diese sieht man direkt vor sich, etwas nach unten versetzt, was auf Dauer angenehmer sein soll als bei Google Glass. Ein anderer Vorteil ist, dass eine Brille tendenziell nicht so "geekig" aussieht wie Google Glass. Zwei Designs sind für den Anfang geplant: "klassisch" und "sportlich". Weitere sind denkbar und alle sollen wesentlich eleganter als der Prototyp aussehen, den man bislang zu sehen bekommt. Die Macher sind passenderweise im Nordosten Italiens: Zwei Drittel aller Brillen weltweit stammen von Unternehmen, die hier ihren Sitz haben.

Wie gut man die Einblendungen bei GlassUp am Ende lesen kann, wird man nur durch einen Test herausfinden. Dem Werbevideo oben sollte man logischerweise misstrauen. Was dort außerdem nicht erwähnt wird: Die Brille funktioniert ebenso wie Google Glass zunächst nicht für Brillenträger. Die GlassUp-Macher hoffen, zumindest für leichte Fehlsichtigkeit eine Lösung zu finden.

GlassUp hat wie erwähnt zunächst keine Kamera eingebaut. Gerade die Foto- und Videofunktion von Google Glass ist aber ein Punkt, der viele Nutzer begeistert. Wahrscheinlich auch deshalb ist eine Kamera für eine kommende Version angekündigt. Wie sie integriert wird und was sie können soll, bleibt allerdings offen.

Was offenbar ebenfalls fehlt, ist ein Lautsprecher. Google Glass arbeitet mit Knochenschall, so dass die Ohren freibleiben. GlassUp hat hier derzeit nichts zu bieten. Und Sprachbefehle sind bei GlassUp erst für eine mögliche kommende Generation aufgeführt.

100 Entwickler, aber noch keine Apps

Entwickler sollen passende Apps für Android, iPhone und Windows Phone entwickeln können.

Letztlich steht und fällt so ein Gerät mit seiner Nützlichkeit und den möglichen Anwendungen. GlassUp soll eine Entwicklerschnittstelle für Android, iOS und Windows Phone bekommen und nach eigenen Aussagen sollen rund 100 Entwickler interessiert sein, etwas zu liefern. Was dem Besitzer von GlassUp letztlich zur Verfügung steht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Alles in allem ist GlassUp zwar ein Konkurrent zu Google Glass, verfolgt aber am Ende ein doch sehr anderes Konzept. Die Kampagne auf Indiegogo ist bislang nur mäßig erfolgreich, hat nur knapp die Hälfte der erhofften Summe eingebracht und es ist nur noch etwas mehr als eine Woche Zeit.

Allerdings wird GlassUp unabhängig vom Ausgang der Kampagne auf den Markt kommen, denn die Macher haben entsprechende Investoren gefunden.

Preis und Lieferbarkeit

Auf Indiegogo soll man umgrechnet rund 175 Euro vorschießen, um sich GlassUp zu sichern. Später soll es umgerechnet rund 300 Euro kosten. Über den Verkaufspreis von Google Glass ist noch nichts bekannt. Die derzeit im Umlauf befindliche "Explorer Edition" kostet umgerechnet happige 1.130 Euro. Aber dieser Preis dürfte bei der Massenproduktion noch erheblich sinken.

Als Erscheinungstermin für GlassUp wird Februar 2014 angegeben. Google Glass soll ebenfalls in diesem Zeitraum auf den Markt kommen.

Weitere Informationen auf der Indiegogo-Projektseite und der offiziellen Website .

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