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15.06.08

Genepax: Das Wasser-Auto

Dieses Autochen soll mit einem Liter Wasser eine Stunde lang bei 80kmh fahren.

Eine japanische Firma will eine Brennstoffzelle gebaut haben, die mit Wasser und Luft funktioniert. Kleiner Schönheitsfehler: Das Ganze klingt mal wieder nach Perpetuum Mobile.

Natürlich verrät die japanische Firma Genepax keine Details darüber, wie das als "Treibstoff" verwendete Wasser in ihrer Brennstoffzelle in Energie verwandelt wird. Sie spricht von "membrane electrode assembly" (oder MEA), die "länger als jede andere Technologie" Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten kann. Und das - und hier liegt der Hase im Pfeffer - ohne jede weitere Energie- oder Stoffzufuhr:

 

Demnach handelt es sich um einen Katalysator, welcher das äusserst stabile H2O ohne Energiezufuhr und ohne sich zu verbrauchen aufspaltet. Was wiederum eine Sensation wäre, schliesslich wäre das "Abgas" der Verbrennung zugleich der Treibstoff - ein endloser Energiezyklus also.

Die demonstrierte Zelle soll mit einem Liter Wasser die Energie für 80 Kilometer Fahrstrecke bei 80 Stundenkilometern erzeugen. Die Zelle kostet derzeit rund 12.000 Euro in der Herstellung und soll in einem industrialisierten Prozess auf 5.000 Euro vergünstigt werden können.

Nach den Gesetzen der Physik gibt es nur zwei Erklärungen für die Meldungen, die sich alle auf die gleiche Quelle beziehen: Entweder, es handelt sich um einen Schwindel. Oder es sind grosse Teile der Erklärung von Genepax in der Übersetzung aus dem japanischen verloren gegangen.

Irgendwie liegt solchen Berichten auch immer die idiotische Unterschlagung zu Grunde, wonach Wasserstoff eine Energiequelle ist - was theoretisch stimmt, sich in der Praxis aber auf die Rolle als Energieträger reduziert, denn reiner Wasserstoff muss immer unter hohem Energieaufwand aus anderen Stoffen gewonnen werden.

Selbst die neusten Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff "on the go" brauchen enorme Energiezufuhr - zum Beispiel mit dem Brennstoff Aluminium:

Diesen Vorgang will Professor James Woodall von der Purdue-Universität in Indiana, USA, kürzlich zur Industriereife gebracht haben. Woodall hat bereits vor Jahrzehnten entdeckt, dass Aluminium sehr heftig mit Wasser reagiert: Es "rostet" blitzschnell, will heissen, es zieht den Sauerstoff aus dem Wasser und bildet Aluminiumoxid. Bei massiven Aluminiumkörpern allerdings wird der Prozess sofort gestoppt, weil sich auf der gesamten Oberfläche eine Schicht von Alumniumoxid bildet und kein weiterer Kontakt mehr stattfindet.

Wenn mann allerdings das Aluminium in Form einer Legierung mit kleinmen Mengen Gallium und Zinn vermischt und in Kügelchen mit sehr viel Oberfläche benutzt, kann der Prozess weiter gehen. Dabei bleiben die Zusatzstoffe wie Gallium und Zinn unberührt, das Aluminium oxidiert zu Aluminiumoxid (Elektrokorund), der gewonnene Wasserstoff kann mit dem Sauerstoff aus der Luft in herkömmlichen Verbrennungsmotoren zu Wasser verbrannt werden.

Um den Prozess auf breiter Ebene anwenden zu können, müssten enorme Rezyklierkapazitäten zur Rückgewinnung des Aluminiums aus dem Aluminiumoxid geschaffen werden. Der Prozess wäre weniger Energieintensiv als die Gewinnung von Aluminium aus dem Erz Bauxit; laut Woodall müsste dieser Prozess in verteilten Stationen mit Wind- oder Kernenergie betrieben und könnte dann wirtschaftlich werden.

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