29.11.13

Geeksphone Revolution: Durchbruch oder Todesstoß für Firefox OS?

Geeksphone Peak 1

Der spanische Hersteller des Geeksphone hat die Produktion des Mittelklasse-Firefox-Smartphones Peak+ abgesagt. Dass statt dessen ein Nachfolger erscheinen soll, der auf Wunsch mit Android ausgeliefert wird, ist eine fragwürdige Entscheidung.

 

Die mobile Welt surft heute mit Android. 80 Prozent der neu verkauften Smartphones und 70 Prozent der Tablets sind mit einer Version des nicht mehr ganz so quelloffenen Systems von Google ausgestattet. Selbst Alternativen wie Windows Phone oder Blackberry haben es schwer, dagegen anzukommen. Ein wenig Hoffnung auf Abwechslung ruhte bislang auf Mozillas Firefox OS. Doch auch wenn es noch zu früh ist, den Abgesang anzustimmen, stehen die Zeichen nicht gerade gut für das neue System.

Geeksphone, der alternative spanische Hersteller, der die ersten Entwicklergeräte für Firefox OS hergestellt hatte, war im Laufe dieses Jahres in Spanien auch mit kommerziellen Varianten des Keon und des Peak an den Start gegangen. Im Frühjahr begannen die Arbeiten am Peak+, dem ersten echten Smartphone mit Firefox OS mit ernstzunehmender Hardware. Das hat Geeksphone nun abgesagt und dafür ein Neugerät in Aussicht gestellt, das wahlweise mit Android laufen soll.

 

 

Diese Meldung kann man nun auf zweierlei Art interpretieren. Man könnte es so sehen, dass nun endlich ein konkurrenzfähiges Smartphone kommt, das auch mit Firefox OS laufen wird. Bislang haben wir hier eher schwache Geräte gesehen, was nicht gerade großen Spaß am neuen System aufkommen ließ. Wer will, bestellt sich voraussichtlich im Sommer also ein Geeksphone Revolution mit Firefox OS. Aber ganz ehrlich: Warum sollte er?

Keine echte Rückendeckung

Wenn ihr im nächsten Sommer die Shopping-Seite von Geeksphone öffnet und dann eine Variante mit Android und eine mit Firefox OS sehen werdet, die beide das gleiche kosten: Welche werdet ihr dann wohl nehmen? Und selbst wenn das Geeksphone Revolution mit einem Dual Boot ausgeliefert werden würde (was derzeit unwahrscheinlich ist), wer würde dann Firefox OS mehr als ein paar mal antesten und dann nicht schon bald auf das deutlich reifere Android wechseln?

 

Die Frage, die mir nicht aus dem Kopf geht: Warum Android? Klar, wie jedes Unternehmen muss sich auch Geeksphone irgendwann die Frage stellen, wie man den Laden eigentlich am Laufen hält. Und da kann man mit dem derzeit meist nachgefragten System natürlich mehr Kasse machen als mit dem noch recht unerprobten Firefox OS. Allerdings sieht eine Rückendeckung anders aus. Noch hat Geeksphone keinen Termin für das Geeksphone Revolution in Aussicht gestellt. Ich gehe vom 2. oder 3. Quartal 2014 aus.

Firefox-Apps längst auf Android möglich

Neben mir auf meinem Schreibtisch liegt noch das Alcatel OneTouch Fire, das ich neulich in einem Testbericht kurz vorgestellt habe, eins der ersten und typischen Smartphones mit Firefox OS. Es liegt vor allem an der Hardware, dass das Gerät nicht gerade den besten Eindruck bei mir hinterließ. Aber nicht nur. Firefox OS ist ambitioniert, aber bietet derzeit für das Nutzererlebnis nichts, aber auch gar nichts, was in die Nähe von Android 4.x käme. Und ein interessanter Satz, den ich auf GigaOm fand, wo ich auf die Nachricht aufmerksam wurde, unterstreicht das noch. David Meyer schreibt dort:

"Diejenigen, die mit Firefox OS Apps und gleichzeitig mit Android spielen wollen, können das schon jetzt. Weil dies nur HTML5-Apps sind, können sich Android-Nutzer einfach den Firefox-Browser installieren und dessen Marktplatz benutzen."

Mit anderen Worten: Wenn ich Firefox OS will, dann hole ich mir ein Android-Telefon und dann habe ich bereits alles, was ich brauche. Und das auf jedem beliebigen Android-Telefon für 300 Euro (was das Geeksphone Revolution wahrscheinlich kosten wird) oder noch deutlich weniger.

Freiheit alleine reicht nicht

Ja, aber: die vielen, vielen Vorzüge von Firefox OS? Na, welche denn! Es gibt eine schlecht funktionierende Notifications-Rollade, es gibt einen App-Screen, den man so seit Android 2.3 oder iOS 6 nicht mehr gesehen hat und auch mehr so haben will. Es gibt eine interessante In-App-Suche - Google testet sowas aber bereits auch für Android. Es gibt besagte HTML5-Apps, die kaum Komfort bieten. Es gibt Freiheit, okay. Aber die ist mit einem hohen Preis erkauft: es macht einfach weniger Spaß.

Mittlerweile hat ein Umdenken eingesetzt: Dass Apps und Systeme alle unsere Daten speichern wollen und Zugriff auf unsere Netzkommunikation, unsere Telefonate und SMS wollen, stößt uns zunehmend sauer auf. Firefox hätte hier im Prinzip die Chance, dem entgegen zu wirken. Aber nur, wenn das System einen ähnlich hohen Komfort bietet. Das ist nicht gegeben, und das wird auch nicht funktionieren, wenn die Front der Hardware-Unterstützer zu bröckeln beginnt. Geeksphones Android-Unterstützung klingt wie eine Abkehr. Und Firefox OS muss noch viel, viel tun, um Nutzer wie Hardware-Hersteller zu überzeugen. Freiheit alleine reicht da nicht.

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