24.07.11

Garmin Forerunner 610 im Test (1/2): Touch-tastic! Angefasst und durchgeschwitzt

Garmin-Forerunner 610

Der Garmin Forerunner 610 muss sich im Sportlereinsatz bewähren und trotz meiner Vorurteile avanciert die Pulsuhr mit Touchscreen zu meinem Lieblingsbegleiter. Wieso? Das lest ihr hier.

Es ist ja eigentlich ein ewiger Kampf zwischen den beiden "Erzfeinden" Polar und Garmin. Während Polar sich stark auf Pulsmessung konzentriert, versucht Garmin als GPS-Spezialist mehr im Ortungssektor Fuß zu fassen. Jetzt scheint es einen neuen Goldmedallisten zu geben, denn der Garmin Forerunner 610 versucht sich mit Touchscreen und besserer Bedienung an die Spitze zu kämpfen. Wie in meinem ersten Beitrag zum Forerunner 610 zu lesen war, konnte ich mich vor Skepsis nicht retten ("Meiner Meinung nach gibt es Bereiche, in denen ein Touchscreen nichts zu suchen hat.") Irren ist menschlich - und Auweia habe ich mich getäuscht!

Auspacken

Die Verpackung ist klein, schwer und vollgestopft mit Zubehör: Die Uhr, der waschbare Brustgurt mit abnehmbarem Sensor, ein Ant+-Empfänger, eine Lade- und Syncstation, das obligatorische Netzteil mit Adaptern, eine CD und jede Menge Papier. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob nur mein Testmuster oder alle Käufer Kurzanleitungen in zwölf verschiedenen Sprachen erhalten.

Die Uhr ist erstaunlich klein, wenngleich hoch, und kann durchaus auch im Alltag getragen werden. Wie von den Vorgängern bekannt, sitzt die Antenneneinheit in optimaler Position unter dem Display. Durch die Verwendung eines Touchscreens, wurde die Anzahl der Tasten auf drei reduziert. Verglichen mit dem dicken Rand ist das Display sehr klein geraten, trotzdem können auch ältere Läufer das Display ohne Lesebrille ablesen.

Anfassen

Die Verwendung eines druckempfindlichen Touchscreens ist ein wahrer Segen: Wie auf dem Smartphone navigiert man mühelos durch die Menüs und selbst Unerfahrene finden sich schnell zurecht, denn das Menü ist klar strukturiert und läßt fast keine Wünsche offen. Man beginnt mit der Uhrzeit und hat mit der, durch drei Streifen markierten, Menütaste sofortigen Zugriff auf alle Einstellungen. Von hier aus sieht man sich alte Trainings an, erstellt oder beginnt ein neues Workout, verändert Alarme, Einheiten und Ansichten oder läßt sich an seinen Startpunkt zurückführen.

Anpassen

Was mir sehr gut gefällt, ist die Möglichkeit die Ansichten anzupassen. Statt während des Laufens durch x-Seiten zu blättern, deaktiviert man für die jeweilige Sportart einfach diejenigen, die man nicht benötigt. Wie von den Vorgängern gewöhnt, lassen sich bis zu vier Infokästen definieren, die man frei zusammenstellen kann. Neben den bekannten Angaben zu Zeit, Distanz oder Herzfrequenz, sind auch exotischere Daten verfügbar, wie Neigung, Trittferequenz oder Uhrzeit. Ich betone die Uhrzeit deshalb, weil ich eingeschüchtert durch das komplexe Menü des Forerunner 305 mich anfangs nicht daran getraut hatte, das mal zu suchen - beim Garmin Foreunner 610 dagegen, macht es durch den Touchscreen richtig Spass, das Menü zu erkunden.

Aufladen

Die mitgelieferte Ladestation kann nicht nur zum Laden, sondern auch Synchronisieren genutzt werden. Natürlich liefert Garmin auch einen Funkstick mit, doch der Ladeclip ist viel faszinierender: Durch einen starken Magneten finden Clip und Uhr immer zueinander. Was des Laptop-Jüngers Freud' ist des PC-Nutzers Leid, denn das Kabel ist etwas kurz geraten, entweder die Steckdose muss näher rücken oder man besorgt sich einen USB-Hub mit eigener Stromversorgung.

Anlegen

Auf die Plätze, Fertig, Los.. In der Anfangszeit habe ich statt mich auf das Training zu konzentrieren mehr den Bildschirm begrabscht, er ist sehr klar und obwohl die Fotos anderes suggerieren, recht spiegelungsarm. Extreme Ablesewinkel, wie sie bei einem schnellen Blick während der Fahrt oder beim Lauf durchs Unterholz vorkommen, beweisen die gute Ablesbarkeit. Hinzu kommt die sanfte, babyblaue Beleuchtung, die bei jeder Info oder nur bei Knopfdruck reagiert. Der SIRF-Star III Chipsatz fand stets ausreichend Satelliten um unter 5m genaue Angaben machen zu können, egal ob in der Innenstadt, im Wald oder bei verregnetem Himmel. Die Rundenzeit und Start/Stop sind über die zwei Knöpfe rechts auch ohne Hinsehen erreichbar, der dritte Knubbel schaltet die Beleuchtung hinzu bzw. die Uhr aus. Ein Druck auf den Bildschirm öffnet die nächste Ansicht, während der blaue Pfeil am Rand wie ein Rettungsanker immer eine Einstellung zurückgeht.

Ausbimmeln

Eine der vielen Neuerungen, die den Garmin Forerunner 610 so besonders machen ist auch der Vibrationsalarm. Währen die Polar-Freunde neben mir ständig ihre Herzfrequenz-Schwelle über das lästige Piep piep signalisiert bekommen, schweigt der Garmin. Stattdessen rüttelt er wie wild an meinem Arm. Völlig lautlos und unauffällig. Eine sehr angenehme Sache, auch wenn mal der Alarm mitten im Meeting losgeht, kriegt das keiner mit. Ich will die Polar-Geräte hier aber nicht grundlos schlecht machen. Denn im Gegensatz zum Garmin, ist das Display des ungefähr gleich teuren Polar-Modells vielleicht nicht so fortschrittlich anmutend, aber erstens noch besser ablesbar, weil mit größer Schrift versehen und zweitens noch klarer in der Darstellung. Und außerdem ist unser Forerunner wasserscheu: Während nämlich der Polar auch beim Schwimmen mitmacht, traut sich das Garmin-Modell nur für eine kurze Reinigung unter die Dusche.

Das ist auch der Grund, wieso ich keine MultiSport-Einstellung finde, meistens werden bei Veranstaltungen Schwimmen und Laufen (Swim&Run) angeboten oder eben gleich Triathlon (Schwimmen, Fahren, Laufen). Mit einem Druck wechselt die Uhr die Sportart und damit auch die Anzeigetafel. Damit ist die Auswertung später am Computer sehr viel einfacher und unterwegs kriegt man immer nur das zu sehen, was momentan benötigt wird. Das alles läßt der Forerunner 610 vermissen.

Auch das Band lohnt einen aufmerksamen Blick, denn das Material fühlt sich weich wie Silikon und zäh wie Kautschuk an, ähnlich wie sie hochwertige Taucheruhren verwenden. Die Schließe ist breit und hochwertig ausgeführt, während die Schlaufe noch einen Widerhaken besitzt, um auch bei größeren Armbewegungen den Überstand an Ort und Stelle zu halten. Dabei wurde die Verbindung zwischen Band und Uhr nicht konventionell mit Federstegen hergestellt sondern mit durchbohrten Ösen, Uhrenfans schwärmen hier von sogennanten "drilled lugs", wie sie auch bei Militäruhren eingesetzt werden.

Vorläufiges Fazit

Der Garmin Forerunner 610 stellt mit dem Touchscreen eine Bereicherung für den Trainingsalltag dar. Die Bedienung ist einfacher, intuitiver und schneller. Leider missfällt mir die Wasserscheuheit, es wäre ein leichtes gewesen, vor allem wegen des Touchscreens oder der intelligenten Schlaufe das Gerät noch schwimmer-tauglich abzudichten. Denn der schon etwas betagte, aber immer noch sehr geeignete Forerunner 310XT kostet hundert Euro weniger und leistet, bis auf den vorzüglichen Touchscreen, auch Triathleten gute Dienste.

Auf der Produktpage des Garmin Forerunners 610 gibt es weitere Infos.

Der

Garmin Forerunner 610 kostet zur Zeit um die 400 EUR, was sich mit der unverbindlichen Preisempfehlung Garmins deckt.

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