01.01.10

Gadgets 2010: Smartphones, Cloud und E-Books

Überrennt Google die Konkurrenz?

2010 wird das Jahr der wirklich smarten Mobiltelefone, der elektronischen Bücher und mehr Rechnerleistung bei geringerem Energiebedarf. Das 3D-Fernsehen wartet um die Ecke, wird aber kaum vor 2012 richtig abheben.

 

Im letzten Jahr habe ich mich schon mal mit ein paar Vorhersagen aus dem Fenster dem Fenster gelehnt, die sogar einigermaßen gestimmt haben. Angesichts dessen versuche ich es auch in diesem Jahr noch einmal mit einem Blick in die Glaskugel, auch wenn Vorhersagen für 2010 etwas schwerer erscheinen. Grund dafür ist die weiterhin schwächelnde Wirtschaftslage und die damit verbundene Unsicherheit, wie viel Geld in die Entwicklung gesteckt wird. Aber ein Versuch ist es wert:

Android gegen alle

2009 war das Jahr, in dem Android auf dem Handymarkt auftauchte. Im ersten Halbjahr war ich von der Performance des Systems auf dem Markt etwas enttäuscht. Es gab sehr wenige Endgeräte, die Hersteller sprangen nur sehr zögerlich und vor allem halbherzig auf den Android-Zug auf. Das änderte sich im Herbst vor allem durch das Motorola Milestone, dass zeigte, wie gut ein Android-Handy sein kann. Das Google Nexus wird ein weiterer Schritt sein, weil es das erste Android-Gerät mit einem 1GHz Prozessor ist.

Viele Hersteller werden nachziehen. Samsung, Motorola, HTC und selbst Sony haben eine ganze Reihe von Android-Geräten angekündigt. Der Marktanteil des Systems wird 2010 sprunghaft ansteigen und vermutlich einen dritten Platz einnehmen.

Die Frage wird aber auch sein, was Apple mit dem iPhone macht. Mit kleinen Updates wird man 2010 nicht mehr weit kommen, jetzt sind angesichts der Konkurrenz Lockerungen der Systempolitik mit beispielsweise funktionierendem Multitasking und andere Verbesserungen nötig.

Von Nokia und Windows Mobile erwarte ich nicht viel. Bei Nokia könnte die weitere Entwicklung der Maemo-Plattform interessant werden, zumal da auch Teile der Mozilla-Gemeinde mitarbeiten. Aber 2010 wird nicht das Jahr von Nokia. Windows Mobile bringt erst Ende des Jahres die 7er Version auf den Markt, was deutlich zu spät ist. Beide werden weiter massiv Marktanteile verlieren.

Mehr Smartphones

Bisher sind richtige Smartphones eine Nische im Markt, denn sie sind einfach zu teuer. Die Hersteller reagieren aber schon, auch auf Druck der Provider. Handys, die ohne Vertrag um die 300 Euro kosten und auf Android basieren, werden 2010 sehr zahlreich erscheinen. Die Provider brauchen diese Handys, damit sie ihren Kunden gleich noch einen Internetflatrate verkaufen können. So erzielt man weiteres Wachstum. Applikationen und die Personalisierung des Handys werden immer wichtiger, dazu der dauerhafte Anschluss an die sozialen Netzwerke. Vor allem im Massenmarkt werden Smartphones wie warme Semmeln verkauft.

Applikationen & Geolokalisation

Der Markt der Bezahl-Applikationen wird enorm wachsen, da die kleinen Beträge nicht weiter weh tun. Vor allem Spiele und Personalisierungs-Software (Design) werden sich gut verkaufen, vor allem wenn die Mittelklasse-Smartphones ab Herbst richtig rausgehauen werden.

Es zeichnet sich auch ab, dass Geolokalisation das nächste große Ding sein wird. Zum einen, um etwas zu finden (GPS, Navi), zum anderen aber auch um gefunden zu werden. Die Nachrichten und Meldungen kommen zu uns, man muss sie nicht mehr aktiv suchen. Google Latitude, Foursquare, Gowalla und Brightkite sind vier Beispiele, die zeigen, wie das funktionieren kann.

Mehr Power

Der 1GHz Snapdragon Prozessor von Qualcomm wird zwar nicht in jedem Handy zu finden sein, aber die erhöhten Ansprüche, welche die Betriebssysteme an Handys stellen, werden dazu führen, dass immer mehr Hersteller zu dieser CPU greifen. Angeblich arbeitet Intel an einer Mini-Version des Atom, weil man den wichtigen Markt der Telefon bisher vernachlässigt hat. Vielleicht sehen wir Ende 2010 schon die ersten Atom-CPUs für das Handy, die mit mehr als 1 GHz getaktet sind. Für Dual-Core ist es wohl noch etwas zu früh.

Aber nicht nur bei den Handys wird es mehr Power geben. Obwohl die momentane Rechenleistung der Desktop-Computer mittlerweile für Jahre ausreichend ist, werden Intel und AMD mit Sechs-Kern-CPUs eine neue Geschwindigkeitswelle auslösen. Auch erste Acht-Kern-Serverprozessoren sind im Anmarsch.

Das bedeutet einen weiteren Preisverfall bei den Dual-Core CPUs der i-Serie von Intel, auch für die mobile Version.

Akku und SSD

Meine Vorhersage, dass es 1TB SSD Speicher geben würde, hat sich zwar erfüllt, aber bezahlbar ist das noch nicht. Überhaupt hat SSD-Speicher noch nicht die Marktdurchdringung, die ich erwartet habe. Also schiebe ich meine Prognose vom letzten Jahr einfach auf 2010.

In Sachen Akkus könnte es interessant werden. Die ersten Rechner, die mittels kluger Energiesteuerung und modernen Akkus mehr als 8 Stunden durchhalten, gibt es ja schon. Für Netbooks ist das mittlerweile keine allzu große Hürde mehr. Ich gehe davon aus, dass sich nicht allzu viel tun wird, aber es einige sehr teure Geräte geben wird, die mit langen Laufzeiten glänzen werden.

Große Schritte erhoffe ich mir auf den Handymarkt. Die bisherigen Laufzeiten der Smartphones sind ein kleiner Witz, egal welchen Hersteller man nimmt. Da muss dringend was passieren, denn die Akku-Laufzeit ist ein wichtiges Kaufkriterium. Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster, dass man 2010 Handys sehen wird, die auch mal drei Tage eine normale Nutzung aushalten.

Software und die "Cloud"

Chrome OS von Google dürfte die einzige wirklich interessante große Entwicklung auf dem Softwaremarkt sein. Das Betriebssystem ist aber, laut Google, eh nur Netbooks gedacht und nicht für den Einsatz auf Desktop-Rechnern.

Dennoch dürfte sich 2010 einiges ändern. Immer mehr User lagern ihre Daten nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern "in the cloud", also im Netz. Mails, Kontaktdaten, Dokumente, Fotos - alles, was man braucht und einem wichtig ist, lagert man aus. Googles "reines" Android-Phone Nexus One soll diesen Trend zweifellos verstärken.

Das macht man vor allem deswegen, weil man mit seinem Smartphone von unterwegs auf die Daten zugreifen möchte. Dienste wie Dropbox werden expandieren, Services wie Xmarks immer mehr zu tun bekommen. Die Synchronisation der Daten zwischen Rechner und Handy wird immer wichtiger, aber auch problemloser, weil sie automatisch erfolgen.

Fernseher & HDTV

Auf dem TV-Markt wird sich 2010 noch wenig tun. Die Preise für FullHD-Kisten werden auf rund 500 Euro falle, der Preiskampf wird enorm werden. Innovationen? Fehlanzeige. Hier mal ein etwas besseres Bild, dort ein besserer Ton. Für 3D ist einfach noch ein paar Jahre zu früh.

Interessant könnte aber die zunehmende Vernetzung zwischen Fernseher und Internet werden. Noch scheuen sich die Hersteller ihren Geräten einen kleinen Rechner nebst SSD einzubauen. Es wäre zu einfach, aus dem Netz illegal HD-Content zu beziehen. Auf der anderen Seite gibt mit Mediaboxen schon genügend Lösungen, mit denen man die zaudernden Hersteller austricksen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass die ersten Produzenten 2010 ausscheren werden. Wichtig wäre aber auch, dass es endlich mehr HD-Content im Fernsehen gibt. Die Kabelbetreiber, allen voran Kabel Deutschland, tun sich da ja sehr schwer.

Elektronische Bücher

Das E-Book hat mit dem Kindle bereits einen ersten Durchbruch geschafft: Amazon hat die Konkurrenz gezwungen, ebenfalls auf elektronische Bücher zu setzen. Von all den neuen Endgeräten ist wohl der grösste Einfluss von Apples Tablet zu erwarten, das bereits Ende Januar erscheinen soll. Denn es soll neben Büchern auch Periodika, Zeitungen und Zeitschriften, viel stärker auf den elektronischen Ableger setzen lassen, als die Verleger sich bisher aus Angst vor der Zerstörung ihres Geschäftsmodells gewagt haben. Apple wird ihnen nicht nur eine ausserordentlich schöne Umgebung für ihre Inhalte bieten, sondern auch ein System für den kopiergeschützten Vertrieb via iTunes.

Auf dem Buchmarkt aber dürfte Amazon weiterhin die treibende Kraft sein. Weniger aufgrund der Hardware als durch neue Deals mit Autoren und Verlagen - und sobald die Verleger erkennen, dass sie mit elektronischen Versionen der Bücher bei massiv gerningeren Kosten deutlich mehr verdienen können, wird das elektronische Buch die erste und nicht mehr die zweite Geige spielen.

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