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17.08.12

Forschung: Wann kommen die selbstfahrenden Autos?

Selbstständig fahrender Toyota Prius von Google. Foto: Google

Selbstfahrende Autos sind schon seit Jahrzehnten eine Zukunftsvisionen und inzwischen ist die Technik so weit, dass dieses Ziel greifbar nah scheint. Tatsächlich aber sind noch einige Fragen zu klären. Eine entscheidende davon ist: Wollen wir wirklich das Steuer den Computern überlassen?

Google gehört zu den prominentesten Vertretern, wenn es um selbstfahrende, autonom agierende Fahrzeuge geht. 300.000 Meilen (etwa 482.000 Kilometer) haben sie bereits zurückgelegt.

Google hat das „self-driving project“ im Jahr 2010 ins Leben gerufen und ist mittlerweile mit der Forschung und Erprobung weit gekommen. Durch Einwirken von Google hat sogar der US-Bundesstaat Nevada die Gesetzgebung dahingehend geändert, dass „robotic cars“ uneingeschränkt im Straßenverkehr fahren dürfen. Mit Steve Mahan ließ man dieses Jahr eine Privatperson das System testen. Der stark sehbehinderte Mann durfte das System in einem Toyota Prius testen. Wie bereits bei allen vorangegangenen Tests ist auch bei diesem kein Unfall oder Systemausfall aufgetreten. Es zeigt sehr gut, dass durch autonom agierende Fahrzeuge auch Personen am Straßenverkehr teilnehmen können, die durch ihre Behinderung nicht alleine in der Lage wären, ein Fahrzeug zu führen.

Bis es jedoch regulär solche Systeme als Option beim Kauf eines Neuwagens geben wird, wird noch einige Zeit vergehen. Schließlich sind noch einige Fragen offen. Das System muss absolut zuverlässig funktionieren und auch vor Ausfällen und speziellen Ereignissen gesichert werden. Blinde sind beispielsweise nicht in der Lage, in Notsituationen das Steuer zu übernehmen. Es ist entsprechend offen, ob wie in diesem Beispiel Blinde jemals alleine ein autonomes Fahrzeug führen können und dürfen oder ob doch stets eine Begleitperson notwendig ist.

In diesem Vortragsvideo erfahrt ihr mehr über Googles Projekt und seht es in Aktion:

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Forschung bei der Bundeswehr

Google ist dabei nicht der einzige Ort, an dem man sich mit autonom steuernden Fahrzeugen beschäftigt, auch die Universität der Bundeswehr in München gehört dazu. Geforscht wird hier bereits seit den 1990ern. 1995 waren die Studenten so weit, dass immerhin 90 Prozent aller Hindernisse auf Versuchsstrecken selbstständig erkannt werden konnten. Probleme traten auf, als sich das Fahrzeug beispielsweise an Kreuzungen befand. Bereits zu dieser Zeit wurde aber eine Fahrt von München bis nach Dänemark auf deutschen Autobahnen getestet und bewältigt.

Verantwortlich für die Forschung an der Militäruniversität ist Prof. Hans-Joachim Wünsche, der vollkommen autonom fahrende und selbst reagierende Autos in 15 bis 20 Jahren für realistisch hält. Er glaubt aber auch, dass der Mensch als Kontrollperson weiterhin notwendig sein wird. Ein selbst fahrendes Auto ohne Personen an Bord wie bei Knight Rider wird es also vorerst nicht geben.

Für das Militär sind autonom agierende Fahrzeuge natürlich von Interesse, damit das Leben der eigenen Soldaten weniger gefährdet wird. Denkbar sind Fahrzeuge, die im Einsatzgebiet vorausfahren und einen Konvoi absichern, oder selbstständig ein Gebiet erkunden, bevor Soldaten eintreffen. Sie könnten auch zur Bekämpfung von feindlichen Stellungen Einsatz finden, bei dem es für Soldaten ansonsten zu unübersichtlich und gefährlich wäre.

Umfrage zeigt skeptische Kunden

Aber selbst wenn es solche Fahrzeuge gäbe: Würde jemand sie haben wollen? Im Auftrag der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat das Automobilportal AutoScout24 dazu im Frühjahr 2011 eine Befragung von 1.419 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren veranlasst. Eine Frage beschäftigte sich mit selbstständig fahrenden Autos und wurde bei der Befragung als Autopilot bezeichnet. Demnach gab knapp über die Hälfte der Befragten an, dass sie der Technik entweder nicht vertrauten (26,5 Prozent) oder darauf verzichten würden, weil sie den Spaß am Fahren bevorzugen (23,7 Prozent). Gerade einmal 8,2 Prozent der Befragten gaben an, dass sie grundsätzlich für ein autonomes System wären. 9,1 Prozent wären das nur, wenn es sich günstiger auf die Fahrzeugversicherung auswirken würde. Weitere 29,7 Prozent stehen einem solchen System offener gegenüber, wenn sie dabei die Wahl hätten und auch selbst das Fahrzeug steuern könnten. Bisher kann der Fahrer das System sofort deaktivieren.

Trotz einer nachweislich geringeren Fehlerquote von Computersystemen im allgemeinen, ist das Vertrauen in die Technik nicht besonders hoch, wie die Studie belegt. Eine Nachfrage im Freundes- und Bekanntenkreis ergab bei mir ein ähnliches Ergebnis.

Schritt für Schritt zum automatischen Automobil

Allerdings ist es so: Der Trend ist bereits seit vielen Jahren abzusehen. Schon heute können Autos begrenzt selbstständig agieren. Bei Mercedes kann man zu vielen Modellen beispielsweise die Automatik Distronic Plus bestellen. Damit kann das Fahrzeug automatisch eine vorher festgelegte Distanz zum vorausfahrenden Auto automatisch einhalten und die eigene Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Der Sensor agiert bei diesem System im Bereich 0,2 bis 200 Metern, lässt sich also auch im Stadtverkehr einsetzen.

Es ist daher nicht die Frage, ob vollkommen autonom fahrende und agierende Fahrzeuge serienmäßig angeboten werden, sondern wann. Vorher müssen die Kunden überzeugt werden und dazu ist die Sicherheit des Systems von entscheidender Wichtigkeit. Bei einem Softwarefehler kann ein Auto zu einer Gefahr werden, wenn es sich beispielsweise nicht mehr stoppen lässt und in der Stadt in eine Menschenmenge rast. In diesem Zusammenhang steht die Frage im Raum, wer bei selbstfahrenden Fahrzeugen für die Schäden eines Unfalls aufkommen soll: Ist es das Verschulden des Fahrers (weil er nicht rechtzeitig eingegriffen hat), oder die des Herstellers (weil die Automatik fehlerhaft funktioniert hat).

Weiterhin ist zu klären, wie man das System gegen Angriffe von Hackern absichern kann. Schließlich könnte man sich ansonsten in einzelne Fahrzeuge oder ganze Flotten einhacken und dadurch die Kontrolle über ein oder mehrere Fahrzeuge erlangen und sie schlimmstenfalls als Waffe einsetzen.

Auf der anderen Seite ist die größte Fehlerquelle im Auto heute der Mensch. Es ist durchaus davon auszugehen, dass die Zahl der im Straßenverkehr getöteten drastisch nach unten gehen könnte - allein in Deutschland sind das über 4.000 Menschen pro Jahr. Schließlich ist ein Computer nie abgelenkt, müde oder betrunken und hält sich strikt an alle Verkehrsregeln.

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