10.07.13

Foc.us Gaming-Headset: Große Versprechungen und wenig dahinter

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Die Firma Foc.us hat ein Gaming-Headset entwickelt, mit dem es Spielern möglich sein soll, ihre Leistungsfähigkeit vor allem im Multiplayergaming extrem zu steigern. Dazu sollen Elektroden das Hirn mit sanften Stromstößen stimulieren und die betreffenden Bereiche im Hirn leistungsfähiger machen. Dass dies aber gar nicht funktionieren kann, erklärt indirekt der Hersteller selbst.

focus-Ivan-Bajinov-Photography-199_thumb Mit Foc.us zum "Superbrain"? Wohl eher nicht

Das Headset enthält keine Vorrichtungen für ein Mikrofon oder für Kopfhörer, da es lediglich zur Hirnstimulation dienen soll. Man schnallt es sich um den Kopf und platziert die 2x2 angeordneten Elektroden über die Augenbrauen. Der Hersteller Foc.us selbst hält sich sehr bedeckt, was die wissenschaftliche Funktionsweise betrifft, doch Wissenschaftler entkräften bereits vor der Auslieferung des Gadgets die Werbeversprechen von Foc.us: "Dieses Headset stimuliert das Hirn, aber die versprochene Leistungssteigerung kann es gar nicht bewirken."

 

 

Die Firma Foc.us wurde von Michael Oxley und Martin Skinner gegründet. Beide haben ihr Privatkapital investiert, um das Foc.us Headset auf den Markt zu bringen Oxley und Skinner selbst stammen aus dem Maschinenbau, haben also keinerlei medizinische Vorbildung. Die Fertigung des Headsets wird in Shenzhen in China vorgenommen. Ende letzten Jahres flogen sie einige Male Fabriken besuchen, um die passende Fertigungsstätte zu finden.

Wissenschaftliche Wirkung eher nebulös

Das wissenschaftliche Verfahren, auf das Foc.us zurückgreift nennt sich "Externe, kraniale Neurostimulation". Übersetzt bedeutet es so viel wie "Eine von außen stammende Stimulation der Kopf/Hirnnerven". Dieses Verfahren befindet sich in der Medizin noch ganz am Anfang. Es gibt wenige, aussagekräftige Studien zur Wirkung des Verfahrens und ebenfalls gibt es noch keine Aussagen zu eventuellen Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen.

Elektroden sitzen an der falschen Stelle

Foc.us verspricht eine Leistungssteigerung durch die Stimulation des Frontallappens. Dieser ist zwar für die Motorik des Menschen verantwortlich, aber eine Reizung dieses Bereiches würde laut Angaben der Wissenschaftler keine Auswirkungen haben. Um eine Leistungssteigerung zu bewirken, müsste man den Hinterhauptslappen stimulieren. Dieser verarbeitet die Sinneseindrücke, die wir über die Augen aufnehmen; und nur eine Steigerung dersolchen kann die Reaktionszeiten während des Gamings verbessern. Der Hinterhauptslappen befindet sich allerdings am Hinterkopf - wie der Name vermuten lässt. Er wird von dem Foc.us Headset also überhaupt nicht berücksichtigt.

Foc.us stimuliert hingegen die Bereiche, die in der Medizin in Experimenten bei Patienten mit Clusterschmerzen, Depressionen und Burn-Out Syndrom im Augenmerk sind.

Kein Powerknopf für Gamerköpfe

Dazu kommt, dass eine tatsächliche Steigerung einer Hirnleistung überhaupt erst nach Wochen oder Monaten eintritt, da in der Theorie die Hirnareale besser durchbluten und sich weiterentwickeln, wenn sie stimuliert werden. Ob Fortschritte also wirklich merklich sind, nicht zuletzt auf die Übung während des Gamings oder gar dem Plazebo-Effekt zurückgeführt werden können, bleibt offen.

Während also schon die tatsächliche Wirksamkeit der Neurostimulation wissenschaftlich nur unzureichend bewiesen ist, stimuliert Foc.us auch noch den völlig falschen Hirnbereich.

"Keine medizinischen Vorteile"

Kurios wird es dazu, weil mit der Steigerung der Leistungsfähigkeit des Hirns eine medizinische Wirkung versprochen wird. Foc.us beschreibt es so: "Overclock your brain using transcranial Direct Current Stimulation (tDCS) to increase the plasticity of your brain. Make your synapses fire faster."

Gleichzeitig fällt das Headset aber nicht in die Sparte der medizinischen Geräte und muss deswegen auch keinerlei Anforderungen genügen. Es muss nicht einmal wirksam sein. Es erfährt keine Kontrolle durch die Food and Drug Administration (kurz FDA) in den USA. Begründet wird das laut der Foc.us-Website so: "The focus gamer headset offers no medical benefits, is not a medical device, and is not regulated by the FDA."

Das ist interessant, denn mit dieser Begründung wäre das Headset völlig wirkungslos und man entkräftet die eigenen Versprechungen.

Gefahren und Risiken

Dadurch, dass die medizinische Neurostimulation und die Forschung hierzu noch am Anfang stehen, gibt es auch kaum Berichte, welche Langzeitfolgen eine elektrische Stimulation des Hirns hat. Hersteller preisen ihre Produkte gern als ungefährlich an, raten Kindern, Schwangeren, Schmerzpatienten, Epilepsiepatienten und Trägern von Herzschrittmachern beziehungsweise Trägern jede Art von elektrischen Organschrittmachern aber von der Benutzung ab. Bei falscher Anwendung kann es zudem zu Hautirritationen und Verbrennungen kommen. Vom privaten Hausgebrauch wird sowieso abgeraten.

Keine Vorteile - einige Nachteile

Fasst man diese Informationen zusammen, kauft man sich für 249 Dollar ein Gerät, das keine nachweisbare, positive, medizinische Auswirkung auf den Träger hat - das wird durch den Hersteller bestätigt - und mit dem man sich bei ungeschickter Handhabe auch noch Verbrennungen zuziehen kann. Ganz davon zu schweigen, dass noch keine Langzeitfolgen erforscht wurden. Foc.us ist ein Gag, mehr nicht. Mit ein wenig Training werden Gamer auf jeden Fall mehr Vorteile haben und das macht garantiert mehr Spaß. Bei allem Konkurrenzdenken im Gaming sollte man diesen Punkt nämlich nicht vergessen: Gaming soll Spaß machen.

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