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16.10.13

Flirtey: Wackelige Drohne soll Bücher liefern

Bücher aus der Luft: Kommerzieller Drohnen-Bringdienst soll bald in Australien starten.

Die meinen das ernst: In Australien haben zwei Jungunternehmer das Startup Flirtey gegründet, das Bücher mit Hilfe von Drohnen verschicken will. Lieferung binnen Minuten und für einen Bruchteil der Kosten von Same Day Delivery, so der Schlachtruf. Doch ein paar Fragen bleiben.

Bücher aus der Luft: Kommerzieller Drohnen-Bringdienst soll bald in Australien starten.

Im Juni haben wir euch kurz hintereinander zwei Spaß-Projekte vorgestellt: eine Drohne als Kellner und eine Drohne als Pizzabringdienst. Meine Kollegin Ricarda beurteilte die Technik damals schon als marktfähig. Und so ist es nun gekommen: Der australische Buchversand Zookal will in einer Testphase Bücher per Drohne ausliefern.

Dafür verantwortlich ist das Jointventure Flirtey. Werbeversprechen der beiden Junggründer Ahmed Haider und Matthew Sweeny: Die Bücher sollen binnen Minuten ausgeliefert werden und der Versandflug dabei ab 80 australischen Cent (0,56 Euro) zu haben sein - im Vergleich zu etwa 8 Dollar für eine Lieferung am gleichen Tag per Spedition. Umweltfreundlicher sei die Drohne dabei auch noch. Am liebsten würden die beiden das Projekt weltweit anbieten, aber das wird so leicht nicht möglich sein.

 

In einem PR-Video stellen sich die beiden Gründer einigen Fragen, aber leider nicht allen. So bleibt zum Beispiel unklar, wie die Drohne eigentlich genau navigiert, wenn sie offensichtlich nicht von Menschen gesteuert werden soll:

vimeo.com/76606906

Die Drohne soll sich via GPS mit dem Smartphone des Käufers verbinden und die Lieferung dort ablegen, wo er sich gerade befindet. Aber woher weiß die Drohne, wo der Eingang eines Hauses ist? Was ist, wenn der Kunde in einem mehrstöckigen Gebäude wohnt? Wie stellt die Drohne sicher, dass sie das Paket an den richtigen Kunden ausgeliefert hat? Was ist, wenn die Drohne unterwegs abgefangen wird?

Etwas wackelig

Hindernissen zumindest sollen die Flirtey-Drohnen ausweichen können. Auf eine eingebaute Kamera wird aus rechtlichen Gründen verzichtet - denn das ist in Australien anders als der Betrieb einer Drohne zu kommerziellen Zwecken an sich verboten. Noch hat Flirtey nicht die Genehmigung der australischen Behörden erlangt, man durchläuft gerade den Zertifizierungsprozess. Dann aber stünde dem Projekt - anders als etwa in Deutschland und den USA - rechtlich nichts mehr im Wege.

Und technisch? Die Drohne, die die Flirtey-Gründer in dem Video zeigen, sieht eher wackelig aus. Schwer vorstellbar, dass sie bei starkem Wind oder Regen noch einwandfrei funktioniert. Immerhin: Sollten einer oder mehrere der sechs Rotoren ausfallen, kann die Drohne immer noch weiterfliegen. Und an flugfähigen Drohnen auch unter Last mangelt es eigentlich nicht. Zur Not müsste das Projekt auf andere Modelle ausweichen.

Das Badetuch an den Strand liefern

Wie so eine Lieferung billiger sein kann? Im ersten Schritt durch das Investitionskapital, das Flirtey gesammelt hat und das den Dienst anfangs subventioniert. Da die Personalkosten für die Lieferung wegfallen, bleiben im Prinzip nur die Kosten für Anschaffung und Wartung der Drohnen. Allerdings dürfte Zookal eine Menge davon brauchen, um Bücher in mehreren Städte an zahlreiche Kunden gleichzeitig auszuliefern. Und ob der Direktflug tatsächlich umweltfreundlicher ist als eine optimierte Route mit einem Elektroauto, sei einmal dahingestellt.

Der eigentliche Vorteil dürfte ein ganz anderer sein: Der Kunde ist beim Empfang der Lieferung nicht an einen festen Standort gebunden. Die Drohne erreicht ihn dort, wo er gerade ist, sei es zu Hause, in der Kneipe, beim Sport oder am Strand. Das dürfte natürlich gerade für andere Lieferobjekte interessant werden - was Flirtey im nächsten Schritt auch plant. Überspitzt gesagt: Ich liege am Strand und habe mein Handtuch vergessen. Schnell eins bestellen und per Drohne vorbeibringen lassen. Die Technik ist bis auf einige offene Fragen fast so weit. Jetzt sind noch politische, rechtliche und verkehrstechnische Fragen zu klären.

Zookal hat sich auf das Verleihen von Fachliteratur für Studenten spezialisiert. Ahmed Haider ist Mitgründer sowohl von Zookal als auch dem Schwesterprojekt Flirtey. Erhält der Dienst die Genehmigung, dann könnte der Lieferdienst mit einer Flotte von sechs Drohnen im März kommenden Jahres in Sydney starten.

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