17.10.13

FiLIP: GPS-Überwachung von Kindern per Armbanduhr

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Die Smartwatch FiLIP ist für Kinder zwischen 4 und 11 Jahren gedacht. Mit ihr können Eltern die genaue Position ihres Kindes über eine App verfolgen. Das Kind kann mit der Uhr Nachrichten empfangen und Notrufe absenden, sollte es sich in einer Gefahrensituation befinden.

Kinder können Notrufe absetzen, wenn sie in Gefahr sind

Die Geschichte des Projekts FiLIP klingt ähnlich wie die des Locca-GPS-Senders, der vor Kurzem im Gespräch war. Der Gründer Stan Kirkbak verlor seinen Sohn Filip für dreißig Minuten aus den Augen und hatte danach die Idee, den Standort seines Sohnes per GPS zu überwachen, damit er immer weiß wo sich diese befindet.

Im Gegensatz zu Locca ist FiLIP aber hauptsächlich für Kinder ausgelegt und in eine Uhr integriert. Das Interface der Uhr ist kinderfreundlich und die Armbandfarben sind fröhlich-bunt. Später lässt sich das Armband auch auswechseln, wenn das Kind aus der kleineren Größe herausgewachsen ist. Die Funktionen der Uhr sind limitiert, damit das Kind nicht überfordert wird. Die Uhr kann Nachrichten empfangen und Notrufe tätigen. Eltern können vom Smartphone aus Nachrichten senden, den Standort tracken und Sicherheitszonen anlegen in denen sich das Kind bewegen kann. Es lassen sich auch mehrere Profile für mehrere Kinder anlegen.

Ist die Überwachung von Kindern moralisch vertretbar?

Aber ist so eine Überwachung moralisch vertretbar? Wie jede technische Erfindung hat auch diese zwei Seiten. Zuerst einmal zu den negativen Punkten. Für Eltern ist es schwierig, loszulassen. Kindern so viel Vertrauen zu schenken, um sie auch allein in die Welt zu lassen, ist ein wichtiger Teil der Eltern-Kind-Bindung. Eltern, die zu sehr an ihren Kindern klammern, können Kinder verunsichern. Wenn Eltern ihren Kindern gegenüber immer Angst zeigen, wenn diese allein das Haus verlassen, dann merken sich Kinder das und verbinden das "Haus verlassen" mit einem Angst- und Unsicherheitsgefühl. Kinder, die kontrolliert werden, neigen eher dazu, aus diesem "Käfig" ausbrechen zu wollen.

Auf der anderen Seite kann diese Uhr aber auch dazu genutzt werden, Kindern mehr Freiheiten zu lassen, als man es sonst tun würde. Die Uhr ist damit quasi das Sicherheitsnetz, mit dem sich Eltern und Kinder gut aufgehoben fühlen können. Wenn das Kind also wirklich einer Gefahr ausgeliefert ist, dann haben Eltern eine Möglichkeit das Kind zu finden und wieder in Sicherheit zu bringen.

Ich verstehe beide Standpunkte sehr gut und halte einen Einsatz solcher Uhren insofern für angemessen, wenn man einige Punkte beachtet. Kinder sollten genau darüber aufgeklärt werden, was diese Uhr macht und wieso die Eltern möchten, dass das Kind sie trägt. Die Uhr sollte auch nicht als Strafe eingesetzt werden, sondern den Kindern im Gegenteil Sicherheit vermitteln. Eltern sollten zudem nicht in den Kontrollwahn ausbrechen, die Kinder rund um die Uhr anzupeilen. Die Uhr sollte nur im Notfall genutzt werden, wenn sich das Kind verspätet oder Abmachungen nicht einhält. Wenn das Kind älter wird und vor allem ab dem Punkt, wo es in die Pubertät kommt, sollte der Einsatz noch einmal ganz genau überdacht werden. Vor allem in dieser Lebensphase ist es wichtig, Freiheiten zu lassen.

Nicht nur Kinder

Abgesehen von dem ursprünglichen Einsatz, könnte man FiLIP auch für Menschen einsetzen, die aus irgendeinem Grund in der Öffentlichkeit Gefahren ausgesetzt sind. Oft liest man in der Zeitung, dass demente Menschen das Haus verlassen und verloren gehen, weil sie nicht mehr zurück finden. In solchen Fällen könnte man diese mit einem Sensor ausstatten und in Sicherheit bringen.

Das Fazit? Ein Sprichwort sagt "Die Dosis macht das Gift" und so ist es auch hier. Ein GPS-Tracker wie FiLIP kann ein hilfreiches Tool sein, aber auch ein Überwachungsmechanismus, unter dem Kinder leiden können. Einsatz und Nutzen sollten also mit den Kindern besprochen und klar abgewogen werden.

FiLIP wird es vorerst nur in den USA geben. Dort hat man zusammen mit AT&T einen Vertrag abgeschlossen, der die Kosten für die Datenverbindungen regelt. Die Informationen zu den Kosten werden erst noch bekannt gegeben.

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