Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

20.01.16

Mobilfunk

eSim: Welche Vor- und Nachteile bietet sie im Geschäftsbereich?

Apple, Samsung und die Telekom wollen noch dieses Jahr mit der eSIM starten, der eingebauten (embedded) SIM-Karte. Also der SIM ohne Karte. Klingt praktisch, ist es aber nicht unbedingt. Wir haben uns angesehen, welche Änderungen die eSim mit sich bringt.


SIM-Karte (Bild: Bernd Kasper  / pixelio.de) 

Diesen Sinn haben SIM-Karten

SIM-Karten wurden in Deutschland erstmals mit den digitalen D-Netz-Telefonen bekannt. Zuvor war ein Telefon nach dem Ende der Handvermittlung im ersten Mobilfunknetz (A-Netz) fest mit einer Telefonnummer und dem Netzbetreiber (Deutsche Post, etwas anderes gab es damals noch nicht) verknüpft.

Seit dem Start der D-Netze im Jahr 1992 befindet sich die „Identität“ des Mobilfunkteilnehmers auf eben jener Karte, die neben etwas Speicher auch einen eigenen Mikroprozessor enthält und so den Telefonteilnehmer gegenüber den Funknetzen „ausweist“. Durch sie weiß das Netz, unter welcher Telefonnummer der Teilnehmer erreichbar ist und mit welchem Netzbetreiber er seinen Vertrag hat, sprich: Ob er ins jeweilige Netz darf oder nicht.

Beim Verkauf eines gebrauchten Handys bleibt die Karte und damit die Telefonnummer beim Verkäufer, der mit ihr sofort in seinem neuen Handy weitertelefonieren kann. Es gehen auch keine Kontakte verloren, die ursprünglich ebenfalls ausschließlich auf der SIM-Karte gespeichert wurden. Inzwischen geschieht dies auch oft im Gerät oder in der Cloud.

Ebenso kann man sich im Ausland eine SIM-Karte eines lokalen Anbieters holen, um günstiger ins Internet zu kommen, oder in Dual-SIM-Handys eine Karte seines Arbeitgebers und eine eigene für Privatgespräche nutzen, zwischen denen nach Bedarf umgeschaltet wird.

SIM-Karten dienen der Sicherheit

Die SIM-Karte verbessert auch die Sicherheit im Netz und erhöht die Abhörsicherheit: Es ist mit diesem unabhängigen Baustein kaum möglich, die Teilnehmerdaten über Trojaner auszulesen und die Identität des Teilnehmers zu kopieren, um dessen Gespräche abzuhören oder auf seine Kosten zu telefonieren.

Anfangs waren die SIM-Karten scheckkartengroß und sahen ebenso aus wie die heutigen EC-Karten mit Sicherheitschip. Dann kam mit den ersten Handys die Mini-SIM, bei der der größte Teil der Scheckkarte rund um den Chip weggeschnitten wurde. Es folgt die noch kleinere Micro-SIM, wie sie beispielsweise im Samsung S5 zum Einsatz kommt, und zuletzt die Nano-SIM, wie sie in seinem Nachfolger, dem Samsung S6 oder auch dem Sony Xperia Z5 benötigt wird.

Das kann inzwischen auch zum Problem werden: Ein direkter Austausch der SIM-Karte von Handy zu Handy ist nicht mehr möglich. Man muss nun entweder kleine SIM-Karten mit Adaptern vergrößern oder große Karten durch Abschneiden verkleinern, was ohne Spezialwerkzeug leicht in der Zerstörung der SIM-Karte endet. Oder man muss beim Netzbetreiber eine neue SIM der anderen Größe beantragen, was nicht nur Zeit und Geld kostet, sondern auch zum Verlust auf der SIM gespeicherter Daten führt. 

Vorteile der eSIM

Die eSIM (auch e-Sim geschrieben) soll dem allen nun ein Ende setzen und wird als Fortschritt angepriesen, denn sie ist bereits fest im Handy eingebaut. Somit sind wir eigentlich wieder bei dem Zustand vor Einführung der SIM-Karten, nur ist die eSIM programmierbar.

Dazu wird ein Barcode aus dem Mobilfunkvertrag gescannt und die eSIM mit der darin enthaltenen Kennung aktiviert. Das klingt einfach und zeitsparend: Nie mehr auf Zusenden und Aktivieren einer SIM-Karte warten, nur ein kurzer Scan und lostelefonieren.

Der Vorteil: Es können leicht mehrere Geräte mit einem Vertrag betrieben werden – bei der klassischen SIM-Karte waren meist nur zwei Geräte möglich, und auch dies mit Einschränkungen. Mit einem neuen Vertrag muss das Gerät nur neu programmiert werden, es ist nicht erforderlich, die SIM-Karte auszutauschen und gar noch dem alten Anbieter zurückzuschicken.


Erklärung eSim: Für eine größere Ansicht auf das Bild klicken! (Bild: Deutsche Telekom)

Nachteile der eSIM

Dafür sind allerdings Dual-SIM-Lösungen mit zwei SIM-Karten für geschäftliche und private Nutzung nicht mehr möglich. Und mal eben im Ausland eine andere Karte einzulegen, um lokal günstig zu telefonieren und ins Internet zu kommen, ist ebenfalls Vergangenheit.

Zwar können bei einem ausländischen Telefonshop andere Daten einprogrammiert werden, doch die zuvor gespeicherten Identifikationsdaten sind hiermit weg und müssen spätestens zuhause erneut eingespielt werden.

Natürlich könnte man den Barcode mit den heimischen Daten auf die Reise mitnehmen und bei Bedarf erneut einscannen. Doch was, wenn einem der Koffer entwendet wird und der Dieb so ganz elegant die eigene Telefonnummer und den eigenen Vertrag übernehmen kann?

Sicherheitsprobleme bei der eSIM?

Auch die Sicherheit gegen Hackerangriffe ist geringer, da nun die Identität des Telefonteilnehmers nicht mehr fest in der SIM verankert ist, sondern frei programmiert werden kann. Langfristig ist auch kein eigener Mikroprozessor für die e-SIM mehr vorgesehen – der vorhandene Chipsatz des Smartphones soll diese Funktion mit übernehmen.

Das spart Kosten, doch dann kann ein Trojaner mal eben die Telefonnummer des Handynutzers ändern oder ihm einen teureren Mobilfunkvertrag unterjubeln.

Ein umstrittener Fortschritt 

Die e-SIM vorangetrieben haben Apple und Samsung. Die Kunden sollen so stärker an die jeweilige Hardware gebunden werden. Denn eine Apple-eSIM lässt sich natürlich nicht in einem Sony-Telefon verwenden.

Beliebige Tarife können auch nicht mehr verwendet werden – der Telefonhersteller bestimmt, welche Tarife von welchen Anbietern auf seiner e-SIM zugelassen werden. Damit gehören zwar Pannen wie eine Karte ohne Internet-Flatrate in einem Smartphone, die zu einer überteuerten Rechnung führt, hoffentlich der Vergangenheit an. Doch das neueste iPhone wird sich nicht mit einer günstigen Prepaid-Karte koppeln lassen, was bislang im Ausland schon sehr nützlich sein konnte.

In zehn Jahren will die Telekom die klassische SIM-Karte durch die e-SIM abgelöst haben. Andere Netzbetreiber wie Vodafone lehnen dagegen die eSIM ab. Ob sich Apple, Samsung und die Telekom durchsetzen oder den Geschäftskunden Sicherheit wichtiger ist als Komfort, wird sich zeigen müssen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer