11.11.08

ELV WS 300 und KS 300 im Test: Empfang leider nur im Freien

ELV-Funkwetterstation WS 300 (Bild: W.D.Roth)

Die ELV-Funkwetterstation WS 300 hat viele Sensoren, doch beim Funk wurde leider gespart.

Das Wetter spielt in unserem Leben eine große Rolle. Auch wenn nicht mehr unser Leben davon abhängt, ob es gerade mal regnet oder nicht, beschäftigen wir uns doch gerne noch jedes Tag intensiv wieder damit, wie warm es draussen ist, oder ob wir einen Schirm benötigen. Man kann ins Internet schauen, im Radio nach hören, oder sich eine der vielen Wetterstationen besorgen. Wir haben uns im Sortiment des gerade auf diesem Gebiet sehr reichhaltig bestückten Versandhauses ELV in Leer umgesehen und als erstes die WS 300 getestet - eine Eigenentwicklung des Hauses, während manch andere Wetterstationen dort lediglich zugekauft sind.

Grund für den ausgiebigen Test, dem in den nächsten Wochen auch noch andere, teils noch höherpreisige, teils auch wesentlich billigere Wetterstationen folgen werden, war Verärgerung über die bislang benutzten Modelle: Diese erforderten bei jedem Batteriewechsel die komplette Neuprogrammierung aller Einstellungen, vom Luftdruck über den Standort bis zur Bitte, nicht nachts um 3 geweckt zu werden, nur weil der Luftdruck stark fällt (Sturmwarnung) oder die Straßen glatt sein könnten (Außentemperatur sinkt unter +3°C).

Angesichts von Batterieschwächen im Außensensor im Winter war bereits auf Lithium-Zellen umgestellt worden, um wenigstens nur einmal im Jahr die nervige Neuprogrammierung der Wetterstation vornehmen zu müssen, doch nun war der Außensensor trotz Wetterschutz offensichtlich noch unzuverlässiger geworden und verlor die Funkanbindung alle paar Wochen, was jedesmal die Neuprogrammierung des gesamten Systems erforderlich machte.

Es ist schon komisch: jede Fernbedienung und jedes andere elektronische Gerät kennt mittlerweile so etwas wie Flash-Speicher, der zumindest ein paar Grundeinstellungen speichert, auch wenn die Batterien leer werden. Nur Wetterstationen sind derartige Dinge absolut wesensfremd: Egal, wie hektisch man die Batterien in Sekunden wechselt, anschließend ist dennoch immer "alles weg" und man muß die Bedienungsanleitung herauskramen und eine halbe Stunde alle Konfigurationen neu eingeben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Außensensoren meist mit einem Zufallscode mit der Basisstation synchronisieren und es dazu erneut erforderlich ist, aus dieser die Batterien zu entfernen, um alle Programmierungen zu löschen, weil der Sensor sonst nicht akzeptiert wird. Die maledeite Neuprogrammierung ist also sowohl bei maroden Batterien in der Basisstation als auch in den Außensensoren erforderlich - wer mehr als einen verwendet, was fast alle Basisstationen unterstützen, dürfte in der Praxis mit Batteriewechsel und Neuprogrammierung im Monatshrythmus beschäftigt sein.

ELV hatte versprochen, einen bei der WS 300 mit dieser lästigen Neuprogramierplage zu verschonen. Das allerdings ist ein Irrtum: Auch für stolze 160 Euro führt kein Weg daran vorbei, nach einem Batteriewechsel alles Mögliche neu einstellen zu müssen. Bei der WS 300 übrigens auch die Uhrzeit, denn sie hat keinen DCF77-Funkuhrempfang, wie viele andere Modelle.

Immerhin, ein Blick in die bei ELV netterweise meist vorab als PDF downloadbare Bedienungsanleitung hätte dies offenbart. Die Hotline verwechselte die WS 300 dagegen in diesem Punkt augenscheinlich mit der teureren WS 550, die wir später noch testen werden und bei der es tatsächlich möglich ist, die Batterien im Sensor zu wechseln, ohne die Basisstation neu programmieren zu müssen. Dafür kostet sie dann allerdings auch das Dreifache wie die WS 300.

Praktisch ist, dass im System der WS 300, zu der auch der Poolsensor PS 50 gehört, nicht nur mehrere Sensoren, sondern auch mehrere Basisstationen angeschlossen werden können. Damit könnte man z.B. eine Wetterstation im Wohnzimmer und eine im Schlafzimmer platzieren.

In der Praxis klappt dies allerdings nicht, da zumindest unser Testgerät nur eine hundsmiserable Funkreichweite aufzeigte: Es schaffte statt der angegebenen 100 Meter (im Freifeld) nicht einmal eine Funkübertragung durch eine Ziegelmauer oder ein - wenn auch doppelverglastes - Schallschutzfenster. Damit kann man die Basisstation nicht dort aufstellen, wo man sie gerne hätte, sondern muss sie möglichst nah am Sensor platzieren - ein schweres Manko, zumal die LC-Anzeigen zu klein sind, um die Temperatur und erst recht Uhrzeit auf mehr als Armweite abzulesen.

Die Stärke der ELV 300 liegt denn auch nicht bei Funk- oder Ablesereichweite, sondern beim Sensor: Während Billigstationen meist ein Außensensor beiliegt, der selbst bei witterungsgeschützter Montage - was ja nicht wirklich Sinn der Sache ist - nach ein paar Jahren den Geist aufgibt, hat ELV Sensoren konstruiert, die nicht nur neben Außentemperatur und -feuchtigkeit auch noch Regenmenge und Windstärke messen - ob man dies wirklich braucht, ist eine andere Frage -, sondern Temperatur und Feuchte eben auch witterungsgeschützt messen, mit Schutzrippen wie an Profi-Wetterstationen.

Damit kann der Sensor notfalls auch in der prallen Sonne aufgestellt werden, allerdings ist die Anzeige auf der Schattenseite dennoch korrekter. Nur eben blöd, dass die Funkreichweite so miserabel ist: Wer will so eine teure Wetterstation am Klo statt im Wohnzimmer montieren, nur weil das die Schattenseite des Hauses ist?

Als weitere Sonderfunktionen gibt es bei der WS 300 eine Berechnung des Taupunkts außen und innen aus Feuchtigkeit und Temperatur und Windchill aus Feuchtigkeit, Temperatur und Windstärke sowie den "ELV-Willi". Dieser zeigt zum Wetter passende Kleidungsvorschläge, zieht sich also im Sommer aus und würde als "Wilhelmina" folglich vermutlich den Absatz des Geräts noch deutlich ankurbeln.

Der Sensor wird im Garten aufgestellt und der mitgelieferte Spieß dort in den Boden gerammt. Pech, wenn man im 4. Stock nur einen Balkon zur Verfügung hat. Allerdings gibt es auch Montageschellen als Zubehör, mit denen man den Sensor am Balkongeländer anschrauben kann, und man kann den Sensor bzw. sein mitgeliefertes Montagerohr auch gut in einem Ständer für Sonnenschirme versenken, was wir für unseren Test taten.

Erfreulich ist, dass die ELV 300 bei 868 MHz überträgt und somit sich nicht mit Funkamateuren, Kopfhörern, Autoschlüsseln und medizinischen Geräten auf einer Frequenz herumprügelt, so wie die Geräte, die auf 433 MHz senden. Die unzureichende Reichweite trübt die Freude über die bessere Funkfrequenz jedoch.

Die ELV 300 unterscheidet sich von der ELV 250 übrigens lediglich im Design - und im Preis (WS 300: 159,95 €, WS 250: 135,95, jeweils mit Kombi-Sensor KS 300). Die Funktionen sind dagegen identisch.

Wer gerne Wetterwerte wie Regen und Wind erfasst, die normale Wetterstationen nicht berücksichtigen und nicht in einem Haus mit Betonwänden oder metallisierten Fensterscheiben wohnt, sollte sich die WS 250 oder WS 300 durchaus einmal ansehen. Und wer die Wetterwerte gerne aufzeichnet, kann mit Ausführungen wie der WS 300 PC auch dies haben - allerdings zum Preis einer weniger ausführlichen Anzeige auf der Wetterstation selbst.

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