08.05.10

Elgato EyeTV Sat im Test (II): Endlich verschlüsseltes TV im Media Center von Windows

ELGATO EyeTV Sat für Mac und Win

Elgato EyeTV Sat verbindet neben Macs auch Windows-PC mit der Satellitenschüssel. Dank CAM-Schlitz und CI-Treiber kommt sie als einzige Lösung auch mit verschlüsselten Kanälen im Windows Media Center zurecht.

 

Nach dem Test der Mac-Lösung haben wir EyeTV Sat auch unter Windows 7 ausprobiert.

Wer am PC unter Windows fernsehen will, verwendet dazu meist das Media Center von Windows. In Windows 7 ist dieses sogar satellitentauglich. Das heisst, es kommt mit tausenden Sendern zurecht und kann die Receiverkarten auch korrekt für mehrere Satellitenpositionen ansteuern. Bisher hat es aber noch kein Hersteller geschafft, einen Windows-Treiber für seine Lösung zu erstellen, die auch mit verschlüsselten Sendern zurechtkommt. Elgato ist nun das Kunststück gelungen und wir haben die Lösung getestet.

Als der Teufel Langweile hatte, erfand er erst die Zahnschmerzen und danach gleich die Verschlüsselung von Video und Musik. Mit nichts verplempern ehrliche Konsumenten wohl mehr sinnlose Zeit, als mit dem hilflosen Versuch, aus verschlüsseltem Datenschrott wieder Musik oder Filme zu erzeugen.

Beim Fernsehen treibt der Teufel dies zu neuer Blüte. Wir wollen hier aber nicht über die neue Zwangsmästerei mit Werbung bei CI+ lästern, sondern einfach klagen, dass seit Jahren Tausende Schweizer erfolglos versuchen, am PC ihren Landessender HD-Suisse zu geniessen. Die Schweizer Fernsehkanäle über Satellit, - und HD-Suisse ist nur dort öffentlich zu empfangen -, sind nämlich verschlüsselt. Und das Media Center von Windows 7 (MC7) kann zwar endlich Sat-Fernsehen vernünftig empfangen, aber kein Hersteller hatte einen Sat-Tuner im Angebot, der auch Videocrypt-Schlüsselkarten in MC7 wirklich unterstützt.

 

Doch jetzt wird alles besser. Denn vor genau 2 Tagen hat uns Elgato mit einem Beta-Treiber für ihren Sat-Receiver EyeTV Sat versorgt. Dieser installiert sich mit genau einem Mausklick und danach kann man einfach den Sat-Receiver via USB an den PC anschliessen, die Schlüsselkarte einstöpseln und helvetisches Fernsehen geniessen.

Ob das auch mit dem ebenfalls verschlüsselten Landes-TV von Österreich funktioniert wissen wir mangels Schlüsselkarte leider nicht. Auch Tests von Sky-TV konnten wir bisher nicht durchführen. Die Chancen dafür stehen aber sehr gut.

Da nun also MC7 endlich brauchbar funktioniert, wollen wir hier gleich auch noch einen kleine Lobeshymne auf die Lösung loswerden.

Dieses ist gegenüber früheren Versionen von Vista deutlich gereift und unterstützt nun zuverlässig mehrere Empfangstechniken (Analog, DVB-T, DVB-C, DVB-S) und gleichzeitig bis zu fünf Empfänger mit gemischter Technologie.

In unserer Testumgebung erhielt der Sat-Empfänger Zugriff auf über 2000 Sender der Satelliten Hotbird und Astra. Da Microsoft vordefinierte Kanallisten via Internet einspielt, dauerte der Suchlauf nur wenige Minuten und endete mit einer vernünftig vorsortierten Liste, bei der die gängigsten Sender auf den vorderen Positionen liegen. Aus unerfindlichen Gründen kennt Microsoft aber zahlreiche Kanäle wie HD suisse, Arte HD sowie die HD-Sender von ARD und ZDF nicht. Diese Stationen müssen deshalb manuell eingefügt oder nach einen halbstündigen kompletten Frequenzscan aus der riesigen Liste gefundener Sender gefischt werden.

HD-Fernseher mit cleveren Aufnahmefunktionen


Unser PC mit Full-HD-Display stellte Full-HD-Kanäle mit 1920 x 1080 Pixeln verlustfrei dar. Sender mit üblicher PAL-Auflösung werden in guter Qualität auf die Bildschirmauflösung hochgerechnet und auch die Formatumschaltung von 4:3 auf 16:9 erledigt die Mediacenter-Software praktisch immer automatisch. In Ausnahmefällen kann man mit einfachem Tastendruck zwischen verschiedenen Modi switchen.

 

Das Windows Media Center enthält eine kostenlose elektronische Programmzeitschrift (EPG) für über 100 Sender. Die Programmdaten werden dabei sporadisch aus dem Internet nachgeladen und enthalten die Sendungen der nächsten 14 Tage.


Im Test glänzte das EPG vor allem durch eine gute Suchfunktion.

Auch Fernsehserien lassen sich gezielt finden und mit einem Klick komplett aufnehmen. Das MC7 ist clever genug, Wiederholungen automatisch zu erkennen, damit diese nicht nochmals aufgezeichnet werden.

Im Test funktionierten programmierte Aufnahmen problemlos und zuverlässig. Ist der PC ausgeschaltet, wird er rechtzeitig aufgeweckt, die Aufnahme erledigt und der Rechner danach wieder heruntergefahren. Sendungen können bereits während der Aufnahme betrachtet werden. Aufnahmen werden sauber mit den EPG-Informationen archiviert. Beim Betrachten kann man einfach spulen und Werbung überspringen. Aufnahmen lassen sich einfach auf eine Film-DVD brennen und so weitergeben.

Ecken und Kanten


Beim täglichen Gebrauch entdeckt man aber auch Ecken und Kanten der Lösung. So ist es unverständlich, warum Microsoft den Radioempfang via Satellit schlicht vergessen hat. Radioperlen wie Radio Swiss Classic werden einfach wie Fernsehsender behandelt. Mühsam ist auch das Umsortieren der Kanalliste: Dabei muss jeder einzelne Sender in der Liste herumgeschubst oder einer Gruppe zugeteilt werden. Das Zappen zwischen verschiedenen Sendern wäre einfach, wenn man auf der Tastatur einfach "Z-D-F" tippen könnte und sich nicht die zugehörige Sendernummer 21 merken müsste.

 

Das Windows Media Center kann auch in der Version 7 noch immer nicht Live-TV über das Heimnetzwerk auf anderen Windowsrechnern abspielen. Es ist also nicht möglich, von einem anderen Windows-PC auf Sat-Receiver zuzugreifen und ihn als Fernsehempfänger zu nutzen. Theoretisch kann man zwar mit einer Xbox 360 als sogenannten Extender Live-TV im Netz nutzen; wegen der rauschenden Lüfter ist die Spielkonsole aber nicht wirklich filmtauglich. Lediglich Fernseh-Aufzeichnungen lassen sich im Netz recht einfach abspielen.

Fazit:
EyeTV Sat ist eine beinahe perfekte Lösung um Sat-TV am Windows-PC oder Mac zu nutzen. Mit liebevoller Treiberpflege unterscheidet sich der Hersteller von billigen No-Name-Konkurrenten.

Elgato EyeTV Sat kostet rund 180 Euro (270 Franken).

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