02.02.14

Durr: Armbanduhr ohne Zeitanzeige

Kunstprojekt, geniale Idee oder einfach nur überflüssig?

Für Projekte wie "Durr" haben wir unsere Rubrik "Kurioses": Es ist wohl die erste Armbanduhr, die nicht die Zeit anzeigt. Stattdessen vibriert sie alle fünf Minuten. Ein Projekt zwischen Technik und Kunst, das teilweise harsche Reaktionen auslöst.

 

Die beiden Designer Theo Tveterås und Lars Marcus Vedeler aus Norwegen haben viele verrückte und kreative Ideen. Wir haben euch beispielsweise ihren Entwurf "Plugg" vorgestellt : ein Radio, das man mit einem Korken ein- und ausschaltet. Auf ihrer Website kann man sich noch durch viele weitere Projekte und Produkte scrollen. Ein Beispiel ist ein Kindle-Cover, das man sich selbst ausdrucken kann. Oder eine Kunstaktion. Oder ein Kinder-Lernprogramm für das Geologie-Museum in Oslo. Kurzum: Diese beiden Norweger sind so kreativ wie vielseitig. Mit ihrem neuesten Projekt " Durr " haben sie dabei wohl einen Nerv getroffen.

Durr sieht aus wie eine Armbanduhr, allerdings mit einem besonderen Detail: Sie zeigt nicht an, wie spät es ist. Stattdessen vibriert sie alle fünf Minuten. Nach den Worten der Designer geht es ihnen um die subjektive Wahrnehmung der Zeit. Jeder von uns kennt den Effekt, dass fünf Minuten endlos lang sein können oder einfach so an uns vorüberfliegen. Mit Durr sollen wir uns dessen bewusst(er) werden.

Ansonsten macht Durr nichts. Man kann auch nichts einstellen, außer die "Uhr" ein- oder auszuschalten. Sie hat also im Gegensatz zu vielen modernen Gadgets nur einen einzigen Zweck und über dessen Sinn kann man sich auch noch bestens streiten.

Zweite Version in Planung

Ich bin über den Bericht von Aaron Souppouris auf Durr aufmerksam geworden. Er ist fasziniert, denn ihm hat es geholfen, produktiver zu werden. Andere haben eine eher morbidere Sicht auf das Gadget: Es mache ihnen bewusst, dass sie ihrem Tod schon wieder fünf Minuten näher gekommen seien. Dementsprechend motiviert Durr, das Leben bewusster zu genießen, schließlich kann man einmal vergangene fünf Minuten nicht wiederholen...

Nur 50 Stück haben die Norweger im ersten Durchgang produziert, per Hand zusammengefügt in Oslo. Und immerhin 90 Euro hat diese "Alpha-Version" gekostet. Nach den Reaktionen darauf denken sie nun über eine zweite Version nach, die dann in einer größeren Stückzahl produziert werden könnte. Wie sie in ihrem Blog schreiben , würden sie Durr zudem auf nicht näher benannte Weise verbessern. Ob sie billiger würde und wann dieses neue Modell rauskommen könnte, wird nicht erwähnt. Interessenten können aber ihre Mailadresse hinterlassen und sich darüber auf dem Laufenden halten lassen. Nur auf eines sollte man nicht setzen: dass Durr weitere Funktionen bekommt.

Nutzlos oder genial?

Manche halten Durr für das nutzloseste Gadget aller Zeiten oder schlichtweg für einen verfrühten Aprilscherz. Ich hingegen muss sagen, dass mir Durr gefällt. Es braucht nicht aufwändige Technik, sondern eine gute Idee. Und diese Idee finde ich sehr gelungen. Ob ich 90 Euro dafür ausgeben würde, steht auf einem anderen Blatt. Ich würde es wohl teilweise als Spende an zwei genial-kreative Köpfe ansehen.

P.S.: Mit Purr gibt es eine App für die Pebble Smartwatch, die Durr nachahmt. Allerdings hätte es aus meiner Sicht nicht annähernd denselben Effekt, denn die Pebble vibriert schließlich auch für Benachrichtigungen aller Art und die nächste Ablenkung ist bei ihr nur einen Knopfdruck entfernt.

Durr

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