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23.06.16

Hardware

Virtuelle Realität in Unternehmen: Durchbruch statt Modeerscheinung

Torsten M. Roth

Virtual Reality und Augmented Reality sind gerade in aller Munde. Eine Studie fand heraus, dass die Technik bereits seit vielen Jahren in Unternehmen genutzt wird. Über 250 Einsatzgebiete wurden erfasst und benannt. Kein Wunder, denn Virtual Reality (VR) ist nicht neu. Das Problem war nur die mangelhafte Hardware.


Virtual Reality Headset (Bild: Pixabay)

Der feine Unterschied zwischen VR und AR

Zwischen der Virtual Reality (VR) und der Augmented Reality (AR) gibt es einen deutlichen Unterschied. Bei VR werden von Rechnern in Echtzeit komplett neue Welten erschaffen, in denen man sich frei umblicken oder sogar bewegen kann. Im Gegensatz dazu steht AR, welche die reale Umgebung um neue, Computer-genierte Elemente erweitert.

Es bedarf mehr als einen menschlichen Sinn, um eine künstliche Welt real erscheinen zu lassen - gleichgültig, ob erweitert oder komplett virtuell. So setzen Hersteller dieser Tage auf unterschiedliche Techniken. Die Avegant Glyph fällt hier besonders auf. Jene „Brille“ besitzt nicht nur geschlossene Kopfhörer, sondern agiert mittels Tausender kleiner Spiegel auf der Innenseite direkt mit der Retina beider Augen. Der Clou dabei ist, dass sich dieses Modell zwischen +2 und -6 Dioptrien einstellen lässt. Eine Sehschwäche wird dadurch automatisch kompensiert. 

Die spannende Frage ist jedoch: Wo finden sich heutige Einsatzgebiete für VR und AR und wie kam es dazu?

VR im Wandel der Zeit

Viele werden das Bild noch aus ihrer Jugend kennen: Eine Spielhalle in den 1980er-Jahren, zwischen Flippern und mannshohen Spielautomaten stehen einzelne Sessel mit VR-Brillen. Genauer gesagt waren es fast schon Helme, schwer und mit dicken Kabeln verbunden. Die dargestellten Welten ähnelten eher einem Pixelbrei. Und sie waren ruckelig, monoton und träge.

Erste Bedenken über das neue Medium kamen schon Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er in die Medien. Von „Simulator Sickness“ war die Rede. So wurde der Technik vorgeworfen, einen identischen Effekt wie Alkohol auf das Gehirn zu haben.

Zu diesem Zeitpunkt war die Industrie jedoch bereits auf Virtual Reality aufmerksam geworden. In den kommenden 15 Jahren entwickelten Firmen VR-Software für allerlei Anwendungen. Vom Warentransport und Handel über Produktion und Forschung bis hin zu Trainingseinheiten aller Art wurde die virtuelle Realität genutzt. Als 2013 die ersten Entwicklerversionen der Oculus Rift-Brille ausgeliefert wurde war man sich sicher: VR wird erwachsen. 

Ein Umdenken findet statt

Laut besagter Studie verursacht ein Mitarbeiter rund 1.100 Euro pro Jahr an Reisekosten. Viele Unternehmen sehen hier einen Ansatz, um Kosten einzusparen. Statt zu verreisen, könnte man Meetings auch in der virtuellen Realität abhalten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine Reisekosten, Spesen oder Jetlags mehr, dafür mehr Effizienz.

Online-Versandhäuser profitieren ebenfalls massiv von VR. Durch die Möglichkeit, Produkte virtuell an- und auszuprobieren, steigt die Nachfrage. Teure Rücksende-Aufträge werden dagegen stark vermindert.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, wie sehr die einzelnen Branchen von der virtuellen Realität profitieren. Heutige und zukünftige Nutzer der Technologie beschränken sich nicht mehr auf den Maschinenbau oder die Auto-Industrie. Viele weitere Business-Bereiche zählen nun zu den Kunden von Oculus Rift, Holo Lens & Co. Und weitere werden folgen.

Auch Google will bei VR mitmischen

Im Mai 2016 stellte Google auf seiner Entwicklerkonferenz das nächste Betriebssystem für mobile Endgeräte, Android N, vor. In jenem ist der neue VR-Modus „Daydream“ enthalten. Google will einige der eigenen Inhalte damit bereichern, beispielsweise Street View und Youtube.

Dass VR keine Modeerscheinung darstellt, sondern Details in der Wirtschaft deutlich weiter verbessern wird, ist die gängige Meinung der Experten. Gerade die Verknüpfung von VR und Augmented Reality (AR) soll in Zukunft auch im Marketing für frischen Wind sorgen. Dort hört man bereits von dem Begriff der verbesserten Emotionalisierung für ein zu bewerbendes Produkt. 

Zudem verwenden namhafte deutsche Hersteller VR in der Produktentwicklung. Von der PKW-Karosserie über Crashtests als Simulation, CAD-Technik, Architektur, Städteplanung und sogar in der Geologie gewinnt die virtuelle Realität an Bedeutung. Selbst ein Firmen-Ausflug zum Mond oder hinunter zum Marianengraben wäre möglich und ein interessanter Motivationsschub für die Mitarbeiter.

Ein Durchbruch für die virtuelle Realität

Die VR-Technik war nie eine Eintagsfliege. Was der Idee fehlte war die Massentauglichkeit. Erst mit der Entwicklung von Brillen wie der Oculus Rift beginnt die Welt von VR und AR zu profitieren. Nicht nur einzelne Brachen, sondern der gesamte B2B-Bereich profitiert von der aktuellen Situation - bis hin zum Endkunden.

Es wird spannend sein, den weiteren Werdegang von VR zu erlebenn. Verbesserte Brillendesigns zu günstigeren Herstellungskosten dürften den Markt und damit die Wirtschaft schwungvoller Gestalten. Es wird stetig mehr und verbesserte Einsatzgebiete für VR/AR geben.

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