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11.02.09

Die T-Mobile G1-Software im Test: Per Android durch das Universum II

Ich bin ein G1 Android. Schau mir ganz tiiief in das Display...Deine Arme werden schweeer.... (Hypnotic Spiral, Bild: W.D.Roth)

Das "Google-Handy" T-Mobile G1 mit dem Betriebssystem Android ist zunächst ja nur ein Handy mit Browser. Erst die Software macht es interessant. Was ist denn da so geboten?

Ok, sind wir nicht unfair: Datenraten bis zu 7,2 MBit/s und ein Prozessor mit 528 MHz und 256 MB RAM sowie bis zu 8 GB FestplattenFlashspeicherplatz in gerade mal 158 Gramm - das ist schon enorm. Das paßte vor 10 Jahren gerade mal in einen Desktop-PC, aber mit 56k-Modem.

Doch viele PS unter der Haube alleine sind nicht alles, und sie kosten viel Strom. Was man wirklich mit dem Gerät machen kann, das bestimmt die Software. Und von der gibt es beim Google-Handy reichlich:

Zunächst einmal werden "ab Werk", in der T-Mobile-Ausführung, die ja bislang auch das einzig bereits lieferbare "Google-Handy" darstellt, neben den bereits vorgestellten Standard-Komponenten die folgenden Applikationen mitgeliefert:

Google Maps

Google Maps kennt man vom PC. Auf dem G1 kann es aber auch auf die GPS-Satelliten zugreifen und weiß daher, wo man sich gerade befindet. Eine Routenplanung mit Google Maps benötigt dann also nur noch die Zieladresse.

Allerdings ist Google Maps kein Navigationssystem: Es kann zwar anzeigen, wo auf der Fahrtstrecke man sich inzwischen aktuell befindet, aber Fahranweisungen aussprechen kann es nicht. Das wäre - zumindest mit dem eingebauten Lautsprecher - auch wenig nützlich: Den würde man im Auto gar nicht hören!

Google Mail

Ein Google-Mail-Account ist unumgänglich und die Grundvoraussetzung, um das G1 überhaupt in Betrieb zu nehmen. Allerdings ist ein Account auch alles, was möglich ist - man kann davon nur einen haben. Deshalb sind ja auch noch bis zu fünf weitere POP3/IMAP4/SMTP-Mailaccounts möglich - schließlich will man ja Beruf und Privatleben getrennt halten, so ersteres überhaupt noch zweiteres gestattet.

Google Mail bietet das vom PC bekannte Erscheinungsbild mit Archiv und "Konversationen" sowie dem direkten Übergang zum Messenger/Chat. Die Handhabung von Bildern ist hier komfortabler als bei der "Normalmail" - und es werden auch Office-Dateiformate wie Word und Excel (auch in der Version 2007 als .docx beziehungsweise .xlsx) als HTML-Äquivalent ohne eventuell eingebettete Bilder angezeigt. Powerpoint wird nur bis zur Version 2003 angezeigt, und auch hier nur der reine Text.

PDFs führten dagegen im Test leider des öfteren zum Absturz von Google Mail. Ein externer PDF-Konverter aus dem Android Market half auch nicht weiter. Mit Acrobat 6.0 selbst erzeugte PDFs waren lesbar, wenn auch wie bei den anderen Office-Formaten ohne eingebundene Bilder, die T-Mobile-Tarife für das G1 dagegen nicht - diese waren von T-Mobile mit Acrobat Distiller 9.0 erzeugt und als Version 5.0 abgespeichert worden.

Die von T-Mobile mit Acrobat Distiller 5.05 im Format Acrobat 4 erzeugte Kurzanleitung zum G1 war lesbar, die mit Acrobat Distiller 5.05 im Format Acrobat 7 erzeugte Langanleitung ebenso - allerdings nur sehr langsam ruckelnd: Mit 8 MB dicken Dateien ist Android dann offensichtlich doch überfordert.

Naja, es ist wohl zuviel verlangt, die Bedienungsanleitung auf dem G1 lesen zu wollen, zumal man sie sich dazu ja erst zumailen muß und eben alle Grafiken fehlen. Sie war beim Testgerät zwar auch auf der Speicherkarte abgelegt, aber wie schon erwähnt: Android kann auf diese nicht direkt zugreifen - nur über den Bilderviewer oder PM3-Spieler - und auch selbst keine Mails mit Attachment versenden, wohl aber MMS.

Man muß also einen anderen Computer zu Hilfe nehmen, um sich die Anleitung auf das G1 zu mailen, und bekommt dann auf dem Google-Handy ja auch die Grafiken nicht angezeigt. Von daher ist es dann halt notwendig, einen Notebook mit der Anleitung mitzunehmen, bis man sich an das G1 gewöhnt hat - was ja nicht lange dauert - oder sich für unterwegs mit der gedruckten Kurzanleitung zufriedenzugeben.

Android Market

Dieser ist nun keine Applikation im eigentlichen Sinne, sondern die offizielle Downloadarea für Android-Software. Die Programme dort sind von Google geprüft und für Android freigegeben. Da das G1 in den USA schon eine Weile lieferbar ist, gibt es bereits gut 700 momentan noch fast durchweg kostenlose Programme.

Darunter ist natürlich viel Unsinn und unwichtiges Zeug - mindestens 20 "Taschenlampen"-Programme machen nichts weiter, als das Display weiß und hell zu schalten. Zweithäufigste Applikation sind elektronische Furzkissen - während das iPhone vorzugsweise rülpst, scheinen Google-Fans mehr (zeitgesteuerte!) Blähungen zu bevorzugen, die aus dem Mini-Lautsprecher allerdings eher wie Naseputzen klingen.

Die am Anfang des Beitrags gezeigte sich drehende Hypnose-Spirale ist dagegen cool: Sie kann mit den Fingern auf dem Tochpad schneller und langsamer gestellt oder auch in die Gegenrichtung angeschubst werden.

Und auch ein Programm, das einen automatisch zum A-Blogger macht, ist lieferbar - nein, es heißt nur "A-Blogger". Damit man bei längeren Sitzungen - ob im Konferenzraum oder auf der Toilette - endlich nicht mehr nur twittern kann.

Für Geeks wirklich genial ist "GPS-Status", das die Position und Zahl der gerade empfangenen GPS-Satelliten anzeigt - und dabei auch die überragende Empfindlichkeit des G1 offenbart: Ebenso wie der in der Testlocation eigentlich unterirdisch schlechte D1-Empfang funktioniert das GPS mit dem G1 noch zwei Meter von wärmeverspiegelten Fenstern mitten in Innenräumen. Navigationsgeräte müssen da normalerweise passen.

"Sky Map" ist ebenso geekig: Mit Lagesensor und GPS zeigt es die Sternbilder auf dem Display, in deren Richtung das Telefon gerade zeigt. Schön, um nachts den Jupiter zu finden. "Moon Phase" versucht, wiederum, Werwölfe und schlaflose Blogger vor dem Vollmond zu warnen.

"Phone Recorder" kann kurze Gespräche aufzeichnen - etwas, das am Handy normal nicht geht. "Morse Code" ist dagegen eine Fehlentwicklung: Es gibt Blinkzeichen statt Pieptöne aus. Aber es steht ja jedem frei, ein besseres Programm zu entwickeln. Und "Mobi Duck" - hat nichts mit Mobi Dick zu tun, und auch nichts mit den niedlichen Badeentchen, die es zeigt - außer man weiß, daß es solche auch mit etwas anderem, elektrischen Innenleben gibt.

Dcoh es gibt auch noch weitere, komplexe und sinnvolle Android-Programme - dazu später. Zunächst einmal weiter im regulären T-Mobile-G1-Programme-Programm:

Taschenrechner

Kann einiges, ist eher mit einem wissenschaftlichen druckenden Taschenrechner zu vergleichen.

Wikitude

Eine Art Google Maps für Sehenswürdigkeiten: Wikitude zeigt unter Verwendung des GPS alle Sehenswürdigkeiten rund um den gegenwärtigen Standort an, wobei die Infotexte der Wikipedia entstammen. Allerdings ist die Auswahl teils eher kurios und die Navigation wenig zielführend: Man aktiviert oft eher eine in der dem Programm genehmeren Richtung gelegene, aber 60 km entfernte Sehenswürdigkeit als die 10 km entfernte, die man eigentlich gemeint hatte.

Youtube

"Du Röhre", der von Google gekaufte Videodienst ist bei einem Google-Handy natürlich ein Muß. Doch ebenso wie das iPhone kann Android kein Flash. Das ist auch gut so - auf diese Art bleibt einem Werbegeflacker und -gerülpse erspart. Vor allem ist Flash aber eine extrem energieintensive Darstellungsart, die den Akku in wenigen Minuten aussaugen würde - wenige Flash-Werbebanner lassen den Strombedarf meines Notebooks schon von 20 auf 40 Watt steigen.

Allerdings funktioniert Youtube nunmal eigentlich nur mit Flash. Das ist natürlich jetzt ausgesprochen blöd. Weshalb eine Darstellung der normalen Youtube-Seiten, wenn man sie über einen Link oder die Eingabe von www.youtube.com aufruft, sofort eine Meldung ergibt, ob man nicht vom Web-Browser auf den speziellen Youtube-Browser wechseln möge.

Wer das ignoriert, erhält eine Fehlermeldung, daß seinem Browser Javascript (und Flash ohnehin) fehle. Wer dem Wechsel in den speziellen Youtube-Browser zustimmt, schaut oft auch in die Röhre beziehungsweise eben nicht in die Röhre, weil nicht alle Videos im für Android nötigen Format vorliegen.

Nur wer gleich über das Youtube-Symbol im Programmmenü einsteigt, kann sicher sein, auch ansehen zu können, was die Suche zu Tage fördert. Es kann dann allerdings nur nach Begriffen - oder auch Youtube-Accounts - gesucht werden.

Das G1 darf man dabei übrigens nicht einfach auf den Tisch legen, da dies den Lautsprecher auf der Rückseite zudeckt und man dann nichts mehr hört.

Cab4me light

Dies ist eine geniale Kombination aus GPS, Google Maps und einem Taxi-Verzeichnis. Schließlich ist ein Handy alleine nur wenig nützlich, um ein Taxi in einer unbekannten Stadt zu bestellen, weil man die Telefonnummer des lokalen Taxiservice nicht kennen wird - und eventuell auch gar nicht genau weiß, wo man überhaupt ist.

Dies zeigt Cab4me automatisch an - und empfiehlt dann die für diese Gegend üblichen Taxiunternehmen. So erspart man sich, beispielsweise in Blankenese nach dem unerwarteten Rauswurf von der Millionärsparty, weil man auf den Teppich gekotzt hat, ein Taxi aus Hamburg zu ordern und 30 Minuten in der Kälte warten zu müssen, bis das in Blankenese angekommen ist.

Shop Savvy

Es sind schon Leute aus Media-Märkten geflogen, weil sie dort mit dem Handy zuhause anriefen ("Schatz, willst Du den Eierkocher in blau oder doch in rosa??") und der Marktleiter dachte, sie verpetzen gerade die Tagespreise an die Konkurrenz.

Mit Shop Savvy kann man nun absolut sicher sein, aus dem "Ich bin doch nicht blöd"-Markt verwiesen zu werden, wenn man bei der Anwendung erwischt wird. Shop Savvy erlaubt es nämlich, den Barcode eines Artikels einzulesen - ob per Tastatur oder noch geschickter als Foto mit der eingebauten 3,2-Megapixel-Kamera - und dann im Web einen Preisvergleich aufzurufen. Der dann nicht nur zeigt, ob es das betreffende Produkt online billiger gibt - was ja mit zusätzlichen Portokosten verbunden ist - sondern auch, ob es in Läden in der Umgegend eventuell billiger ist.

Mit Ikea-Barcodes funktioniert das natürlich nicht - diese Artikel gibt es dann ja nur bei Ikea - aber z.B. mit einer 10er-Schachtel DVD-RWs. Irritierend allerdings, daß Shop Savvy angab, die DVD-RWs seien praktisch überall nur noch gebraucht zu haben - ok, es war eine alte DVD-RW-Schachtel, aber wer will denn gebrauchte DVD-RWs kaufen? - und daß ausgerechnet der Telekom-eigene Versandshop preislich völlig aus dem Rahmen fiel. Beides wohl kleine Programmierfehler.

Qype Radar

Nicht regulär aufgespielt, aber im Android Market leicht zu finden ist ein eigenständiges Qype-Programm für das G1, das wesentlich nützlicher ist als Wikitude: Es erlaubt es, automatisch Cafes, Restaurants, Discotheken oder auch Rechtsanwälte um den jeweiligen, vom GPS abgefragten aktuellen Standort aufzurufen. Damit muß man in fremden Ständten nicht mehr zu McDonalds gehen, nur weil man sich nicht auskennt.

Weitere G1-Applikationen zeigt übrigens auch für die, die es nicht selbst ausprobieren können, eine englischsprachige G1-Simulation in Flash auf der US-Site von T-Mobile. Und nein, man muß nicht ständig mit dem Telefon herumwackeln und nach jeder Tastatureingabe diese wieder einklappen. Das wird in dem Flash-Simulator nur gemacht, damit einem möglichst schnell schwindlig wird...

Fazit

Das einzig Unangenehme am T-Mobile G1 ist eigentlich, daß wir es nun wieder zurückgeben müssen. Man kann sich wirklich dran gewöhnen, es hat seinen Charme und kombiniert verschiedene Elemente wie GPS, Kamera und mobiles Internet sehr effizient, auch wenn es zum mobilen Arbeiten kein Netbook ersetzen kann.

Und leider auch nicht erlaubt, ein solches beispielsweise über Bluetooth an das flotte und gut empfangende HDSPA-Datenmodem des G1 anzukoppeln. Gebührentechnisch sollte dies ja egal sein, da die Flatrate beim Überschreiten des Limits gedrosselt wird.

Und natürlich: Es ist in Deutschland nur mit T-Mobile-Verträgen zu haben.

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