27.01.12

Die heimlichen Stars der CES: 3D-Drucker «Replicator» und «Cube»

Ein Handschuh, mit einem Hochleistungs-3D-Drucker hergestellt. (Bild: siw)

Während die ganz Grossen der Branche an der CES 2012 kaum für Überraschungen gut waren, warteten Nischenplayer mit wirklich bemerkenswerten Gadgets auf. Herausragendes Beispiel: Hersteller von 3D-Druckern. Sie wollen der breiten Masse eine Technologie zugänglich machen, die bisher kaum bekannt ist – und enorme Sprengkraft birgt.

Naturgemäss sind es die gigantischen Stände, mit denen die Branchenriesen wie Microsoft – die Firma hat mich freundlicherweise nach Las Vegas eingeladen, um über die CES zu berichten –, Sony, LG, Samsung et cetera Aufsehen erregen an der Consumer Electronics Show. Wer abseits der grossen Massen durch die Hallen des Las Vegas Convention Center flaniert, stösst auf weitgehend unbekannte Hersteller, deren Produkte ein ungleich grösseres disruptives Potenzial haben als Tablets und 3D-Bildschirme – oder riesenhafte Messestände. Beispielsweise 3D-Systems mit dem Cube und MakerBot mit dem Replicator (letzteren konnte ich leider nicht selbst begutachten), beides kommerzielle 3D-Drucker, die verhältnismässig preiswert und leicht zu bedienen sein sollen.

Nun sind 3D-Drucker, die Objekte erstellen, indem sie unzählige feinste Schichten geschmolzenen Kunststoffs übereinanderlegen, per se nichts Neues. Neu ist aber, dass die Hersteller Kurs nehmen auf die Wohn- und Kinderzimmer dieser Welt; die neuen Geräte sehen weniger abenteuerlich aus und sind einfach in der Handhabung. Lange Zeit schlugen 3D-Drucker mit tiefen bis mittleren fünfstelligen Beträgen zu Buche und wurden dementsprechend praktisch ausschliesslich zu professionellen Zwecken genutzt – daneben beschäftigte sich eine kleine Gemeinde ambitionierter Early Adopter mit der vielversprechenden Technologie. (In Cory Doctorows «The Makers» spielen 3D-Drucker für die Mitglieder einer Subkultur, die «Maker», eine zentrale Rolle im Überlebenskampf in einer Welt, in der traditionelle Rollenbilder und ökonomische Modelle nicht mehr länger funktionieren.) In diesen Kreisen erfreute sich der Thing-O-Matic von MakerBot besonders grosser Beliebtheit. Was den ganz grossen Durchbruch des Thing-O-Matic verhinderte: Bevor das erste Objekt ausgedruckt werden konnte, war anspruchsvolle Bastelarbeit angesagt.

Mainstream, nicht Kommerz

Das soll sich nun ändern. Makerbots neuer Drucker, Replicator, sieht zwar immer noch irgendwie unfertig aus, soll aber seinen Dienst sogleich aufnehmen. Per USB oder mittels einer SD-Karte kann eine Datei auf den Drucker übertragen werden und dieser wird das entsprechende Objekt ausdrucken, vorausgesetzt, es findet Platz in einem Quader von maximal 225 x 145 x 150 mm.

Der Replicator soll noch im ersten Quartal 2012 auf den Markt kommen und USD 1'749.00 USD kosten; für USD 1'999.00 bekommt man ein Modell mit zwei Druckdüsen. Damit lassen sich zweifarbige Objekte, respektive solche aus zwei unterschiedlichen Materialien drucken. Wer es besonders eilig hat, kann auf MakerBots Community Thingiverse Roh-Dateien herunterladen. Geduldigere und/oder kreativere Naturen werden mit kostenlosen Onlinetools wie TinkerCAD oder Google Sketchup eigene Objekte erstellen.

Zwar will MakerBot mit dem Replicator breitere Schichten erreichen, von Kommerz aber will die Brookliner Roboterschmiede nichts wissen – zumindest nicht, wenn es um den Handel mit den Daten von 3D-Objekten geht:

«I don't think we need a marketplace. (…) We are at the dawn of the age of sharing where even if you try to sell things the world is going to share it anyway»

lässt sich Bre Pettis, CEO von MakerBot, in einem Bericht der BBC zitieren. Das Konzept überzeugt und so wurde der Replicator mit «The Best of CES 2012 in Emerging Tech» ausgezeichnet.

Geld verdienen mit 3D

3D Systems, deren Cube auch für diese Auszeichnung nominiert worden war, geht einen anderen Weg. Während man dem Replicator deutlich ansieht, dass er Kind einer Bastlerbewegung ist, kommt der Cube im eleganteren Gewand daher und will damit deutlich machen: «Ich gehöre nicht in die Werkstatt.» Tatsächlich sieht Rajeev Kulkarni, VP General und Manager von 3D Systems, den rund USD 1'300 teuren Cube im Kinderzimmer stehen, wie er Treehugger verriet. Der Cube druckt Objekte aus, die innerhalb eines Würfels mit maximaler Kantenlänge von 140 mm Platz finden. Die Roh-Daten gelangen dabei vom Computer via W-LAN oder USB auf den Cube. Eine Version mit zwei Düsen ist vorläufig nicht erhältlich.

Besonders beeindruckt hat mich am Stand von 3D Systems eine Anwendung, die von Geomagic entwickelt worden ist. Mittels einer Microsoft Kinect kann in wenigen Augenblicken ein 3D-Modell eines Gegenstands erstellt werden. Dieses kann auf einem Computer nachbearbeitet und dann direkt ausgedruckt werden; an der CES konnten geduldige Besucher von sich kleine Büsten drucken lassen. Hier das Video von Geomagic:

Update (30.1.2012) Auch für MakerBots 3D-Drucker sind 3D-Scannerlösungen erhältlich, beispielsweise diese hier .

Der Cube will nicht nur mit Design, einfachem Handling und Anwendungen wie jener von Geomagic die breite Masse begeistern. Dank der Online-Plattform Cubify soll auch der Handel mit 3D-Objekten erblühen: 3D Systems will einen Marktplatz lancieren, auf dem mit entsprechenden Datensätzen gehandelt wird. Das Modell erinnert an Apples App-Store: Kann ein Künstler Datensätze seines Objekts verkaufen, sollen 60% des Umsatzes an ihn gehen, den Rest behält 3D Systems für sich. Für Cubify-Nutzer soll ein Anreiz geschaffen werden, möglichst viele, möglichst hochwertige 3D-Modelle zu schaffen.

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Disruptives Potenzial

Diese Technologie dürfte in den kommenden Jahren eine Reihe wichtiger Fragen aufwerfen: Welche Bedeutung kommt dem jetzt schon unter Druck geratenen Konzept des Geistigen Eigentums zu, wenn qua Datentausch auch Objekte im Prinzip beliebig einfach geteilt werden können? Wie ist damit umzugehen, dass jede Person in der Lage sein wird, mit wenigen Mausklicks Gegenstände wie beispielsweise Schlüssel zu kopieren? Diese Fragen können nicht ernst genug genommen werden: Im September 2011 machte eine Bande von sich reden, die mit einem 3D-Drucker einen Skimming-Aufsatz für Bankomaten hergestellt hatte.[/box]

Mehr zum Thema

  • Auf Thingiverse, der Communityseite von Makerbot, stehen unzählige Dateien zum Herunterladen bereit, die 3D-Objekte beschreiben – quasi das immaterielle Rohmaterial für 3D-Drucker. Die Seite belegt den Pioniergeistes und die Kreativität der Szene.
  • Auf Fabbaloo.com schreibt General Fabb alias Kerry Stevenson über 3D-Drucker, «Fabbing» und «Desktop Manufacturing».
  • Der englische Wikipediaentrag erklärt im Abschnitt Gizmodo heraushebt, unter anderem mit Schokolade.
  • Der Economist erläutert in einem Leiter, das disruptive Potenzial der neuen Technologie: «Just as nobody could have predicted the impact of the steam engine in 1750—or the printing press in 1450, or the transistor in 1950—it is impossible to foresee the long-term impact of 3D printing. But the technology is coming, and it is likely to disrupt every field it touches.»
  • Wer eine deutsche Seite zum Thema sucht, wird bei 3druck.com fündig.
  • Zu guter Letzt sei noch auf den 3D-Drucker von Essential Dynamics hingewiesen. Was ihn auszeichnet: Er druckt mit verschiedenen Materialien – wie Gizmodo heraushebt, unter anderem mit Schokolade.

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