24.06.14

Cruise RP-1: Dieses Nachrüstkit macht einen Audi zum Selbstfahr-Auto

Radar und diverse Sensoren sind die Augen des Cruise-Systems.

Ein gerade einmal sieben Monate altes Startup aus dem Silicon Valley führt so manchen Großen der Autobranche vor: Mit dem Nachrüstkit von „Cruise“ kann man einige Audi-Modelle zu selbstfahrenden Autos aufrüsten. Sie können dann weniger als beispielsweise Googles berühmtes Forschungsprojekt – aber genau das könnte die richtige Idee sein.

 

Auto fahren kann sehr viel Spaß machen oder eine der größten Zeit- und Energieverschwendungen überhaupt sein. So braucht es eigentlich nicht die volle Kapazität des menschlichen Gehirns, um ein Auto in der Spur zu halten oder den Sicherheitsabstand zum Vordermann zu beachten. Das gilt erst Recht im Stau. Und entsprechend finden sich immer mehr „Assistenten“ in heutigen Autos. Sie nehmen dem Menschen einige Aufgaben ab und passen ansonsten auf, dass man nichts falsch macht – und wie man anhand tausender Tote jedes Jahr auf unseren Straßen sieht, machen menschliche Autofahrer sehr viele tragische Fehler.

Die große Zukunftsvision: vollkommen autonom fahrende Wagen. So zeigte Google kürzlich seinen Prototypen, der konsequenterweise ganz ohne Pedale oder ein Lenkrad auskommt. Aber ist das nicht viel zu weit gedacht?

Das junge Startup „Cruise“ nimmt seit gestern Vorbestellungen für sein System „Cruise RP-1“ entgegen , das dann ab 2015 lieferbar sein soll. Ihre Pläne sind sehr viel bescheidener: Bei ihnen kann man ein Nachrüstkit kaufen, das einem auf den Highways in Kalifornien die Arbeit abnehmen soll. Für den Start wird es das System zunächst nur für einige Audi-Modelle geben. Es kommt dabei mit den ortsüblichen Geschwindigkeiten von bis zu rund 130 km/h zurecht. Für die Vorbestellungen werden 1.000 US-Dollar fällig. Wer zu den ersten 50 Kunden gehören will, soll 10.000 US-Dollar vorschießen.

Dafür bekommt man dann eine Art Luxus-Tempomat. Das System übernimmt nicht nur die Regelung der Geschwindigkeit und hält die Spur, es passt zudem auf, was um das Auto herum passiert. Darüber hinaus kennt es die Highways des US-Bundesstaates. Denn wie auch Googles Selbstfahrprojekt braucht auch dieses Produkt Vorwissen, um zuverlässig funktionieren zu können. Auf dem Dach findet sich eine zusätzliche Installation, in der u.a. ein Radar die Umgebung im Auge behält. Im Kofferraum ist der Computer eingebaut. Und in der Mittelkonsole hat man einen Knopf zur Kontrolle des Ganzen.

Einem gerade einmal sieben Monate alten Startup würde man allerdings wohl trotz allem nicht so gern sein Leben anvertrauen. Aber zumindest der führende Kopf Kyle Vogt hat deutlich mehr Erfahrung: Nach eigenen Aussagen hatte er schon vor sieben Jahren mit ähnlichen Systeme zu tun. Erst heute sei die Technik aber soweit, um ein solches Nachrüstkit anbieten zu können.

So sieht das Werbevideo dazu aus:

www.youtube.com/watch

Natürlich will Cruise nach und nach Systeme für weitere Hersteller und Automodelle anbieten. Und ebenso soll es künftig auch in anderen Regionen als Kalifornien zurechtkommen. Aber das Startup geht eben einen Schritt nach dem anderen.

Cruise ist dabei längst nicht allein. Ein anderes Beispiel ist das niederländische Unternehmen Mobileye, das sich in erster Linie auf die Fahnen geschrieben hat, die Zahl der tödlichen Unfälle in Europa zu reduzieren. Erst danach kommt die Vision eines autonomen Autos. Ihre Technik ist dabei schon seit 2007 in Fahrzeugen zu finden.

Und wie eingangs erwähnt, finden sich bereits in heutigen Automodellen viele Vorboten künftiger Assistenten. So lernen die Systeme nach und nach dazu und auch die Bevölkerung hat Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Computer ein Auto steuern.

Die Vision von Google und anderen, dass komplett selbstfahrende Autos einmal unsere Straßen befahren, kann ich mir dabei persönlich durchaus vorstellen. Allerdings sind die technischen Herausforderungen doch noch enorm. Denn der Mensch ist eben in komplexen Situationen oftmals noch immer besser als eine Maschine. So ist es beispielsweise eine Herausforderung für jedes Selbstfahrprojekt, eine ganz normale Straßenkreuzung zu meistern. Dank stets steigender Rechenpower sowie laufend verbesserten Algorithmen werden Computer das irgendwann sicherlich ebenfalls schaffen.

Bis dahin aber scheinen mir solche etwas bescheideneren Projekte wie die von Cruise doch wesentlich sinnvoller und Erfolg versprechender.

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