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30.11.16

Crowdfunding

Viel versprochen, nichts gehalten: Spektakuläre Crowdfunding-Flops

Frank Müller

So erfolgreich manche Crowdfunding-Finanzierungen auch verlaufen mögen - Geld einsammeln ist nur der erste Schritt. Dann muss produziert werden. Das gelingt leider nicht immer. Wir zeigen einige vielversprechende Projekte, die nichts gehalten haben.


Crowdfunding-Projekte, die gefloppt sind (Montage: Förderland)

Innovativ, trotzdem ein Flop: Erfolglose Crowdfunding-Projekte

Mit einer guten Ideen muss man erfolgreich sein. Das ist ein Irrglaube, dem leider viele Erfinder und Gründer aufsitzen. Ein Beispiel, wie spektakulär man mit Innovationen scheitern kann, zeigt das Thema Crowdfunding.

Auf Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo werden spannend klingende Projekte mit viel Geld unterstützt - doch ein brauchbares Ergebnis lässt trotzdem auf sich warten. Wir stellen Ihnen hier ein paar Crowdfunding-Mißerfolge vor, die man kennen sollte.

Smarty Ring: Auch nach 3 Jahren noch kein funktionierender Prototyp

Es sah so gut aus. Das Ziel der Macher von Smarty Ring waren 40.000 US-Dollar. Die 1559 Unterstützer brachten im Dezember 2013 aber sogar die stolze Summe von 297.999 US-Dollar zusammen. Im März 2014 sollte es dann einen Nachschlag geben. Noch einmal 500 US-Dollar wollte der Entwickler einsammeln - eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viel schon in der ersten Aktion zusammengekommen war. Auch diesmal wurde das Ziel bei weitem übertroffen. 716 Unterstützer brachten 102.171 US-Dollar auf.

Alle warten jetzt immer noch darauf, wenigstens einen funktionierenden Prototypen zu sehen. Dabei war das geschätzte Versand-Ziel eigentlich im April 2014.

The Midnight Clock: Das größte Geheimnis ist, wann sie geliefert wird

The Midnight Clock ist eine analoge 24-Stunden-Uhr mit nur einem Zeiger für Bücherliebhaber, die Geheimnisse lieben. Laut Erfinder Devin Montgomery sollte in der Uhr ein Versteck mit genug Platz für ein Lieblingsbuch sein. Einige rätselhafte Verse sollten Hinweise darauf geben, wie sich die Midnight Clock öffnen lässt, um das in ihr verborgene Lieblingsbuch zu bergen.

Die ersten Uhren sollten im November 2013 geliefert werden. Aber von den 717 Unterstützern, die 69.116 US-Dollar zur Verwirklichung beigetragen haben, warten anscheinend immer noch rund 700 auf ihre Uhr oder zumindest eine Rückerstattung. Und das letzte Update stammt aus dem Dezember 2015.

Die nie gebaute Espressomaschine

Wie bei hochwertigen Espressomaschinen für die Gastronomie sollten Temperatur und Druck über den gesamten Extraktionsvorgang optimal eingestellt werden - dank eines speziellen Controllers. 20.000 US-Dollar wollten die Entwickler über Kickstarter einsammeln, um diese Maschine für Espresso-Gourmets zu produzieren, die nur 200 US-Dollar kosten sollte. Die Idee überzeugte 1.546 Unterstützer, die gemeinsam sogar 369.569 US-Dollar zusammenbekamen. Und schon im März 2012 sollten die ersten Maschinen ausgeliefert werden.

Leider warten die Unterstützer immer noch. Im August 2012 hieß es noch, man sei sehr kurz vor dem Ziel. Dann folgte Monat um Monat ein weiteres Update, bei dem man berichtete, wie gut die Produktion vorankäme. Allerdings gab es immer wieder Probleme, die gelöst werden mussten, und im Oktober 2015 schließlich gaben die Gründer der Finanzierungskampagne bekannt, dass sie die Ideen an ein anderes Unternehmen verkauft hätten.

Dieses bietet den Unterstützern inzwischen einen Nachlass in annähernder Höhe ihres Unterstützerbeitrags an, wenn sie eine Maschine kaufen, deren Normalpreis bei rund 800 US-Dollar liegt und die auch noch nicht gebaut ist. Man muss also nur noch rund 500 US-Dollar vorschießen. Kein Wunder, dass dieses Angebot nicht auf große Begeisterung stößt.

Mobiler Thermoprinter mPrint

Im August 2012 wollte der Entwickler des mobilen kleinen Thermoprinters mPrinter 10.000 US-Dollar einsammeln. Die Idee eines mobilen, handlichen Druckers, zum Ausdrucken kleiner Informationshappen gefiel aber so gut, dass 716 Unterstützer sogar über 88.000 US-Dollar aufbrachten. Auch wir haben über den mPrinter berichtet.

Im Oktober 2012 sollten die fertigen mPrinter ausgeliefert werden, und noch im Mai 2013 hieß es in Update Nr. 18 „Wir haben es fast geschafft“. Im August 2015 jedoch gab es das letzte Update, Nr. 25, in dem der Gründer des Projekts die Unterstützer darüber informiert, dass er es leider nicht schaffen wird, die mPrinter auszuliefern. Immerhin bedankt er sich für die Unterstützung.

Skarp Laser Razor: Ohne Prototyp auf zwei Plattformen erfolgreich

Der Skarp Laser Razor wird vielleicht einigen Lesern hier bekannt vorkommen, schließlich haben auch wir darüber berichtet, allerdings bereits mit Fragezeichen. Das Projekt hatte danach schon über vier Millionen US-Dollar (!) eingesammelt, als es von Kickstarter gestoppt wurde, weil die Initiatoren keinen funktionierenden Prototypen vorzeigen konnten.

Davon unbeeindruckt wechselte man einfach zu Indiegogo, wo immerhin über eine halbe Million US-Dollar zusammenkam. Das war im Oktober 2015. Seitdem gab es mehrere Updates, bei denen der geschätzte Versand weiter verschoben wurde. Im Augenblick steht dort Dezember 2016, mehr als ein Jahr nach dem ursprünglichen Versanddatum.

Wie es aussieht, hat man noch nicht einmal die richtige Lichtleitfaser gefunden, die man benötigt. Falls die Unterstützer bei Abschluss des Projekts hoffnungsvoll ihr bisheriges Rasierzeug entsorgt haben, kann man sie jetzt wohl an ihren wuchernden Vollbärten erkennen.

Fazit: Crowdfunding-Plattformen nicht mit Online-Shops verwechseln

Es sieht immer so schön aus, aber nicht alle Projekte kommen über das Planungsstadium hinaus. Wer sein Geld in Crowdfunding investiert, muss sich darüber im klaren sein, dass er nicht immer einen Gegenwert dafür erhält. Oder wie es an der Börse so schön heißt: „Ihr Geld ist ja nicht weg. Es hat nur ein anderer“.

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