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21.11.13

Controller für iPhone und iPad: Mobile Gaming zeigt Apples Stärke gegen Android

Der Logitech Powershell Controller ist einer der ersten auf dem Markt.

Ohne großes Trara hat Apple eine offizielle Unterstützung für Dritthersteller-Spielecontroller in iOS 7 integriert und die ersten Geräte kommen nun auf den Markt. Wer will, kann iPhone, iPod touch oder iPad zur Handheld-Konsole ausbauen. Apples strenges Regiment über iOS spielt ihnen hier erneut in die Karten.

Der Logitech Powershell Controller ist einer der ersten auf dem Markt.

Bei Forbes gab es dieser Tage interessante Zahlen zu lesen: Die Umsätze in Apples App Store sind demnach beispielsweise weiterhin weit vor denen in Googles Play Store: 63 Prozent aller Umsätz mit Apps laufen über Apples Store, nur 37 Prozent über den Play Store. Noch interessanter aber, dass es vor allem Spiele sind, die das Geld reinspülen. Betrachtet man die Top 400 Apps, entfallen bei Apple 79 Prozent der Umsätze auf Spiele, bei Android sind es sogar 92 Prozent.

Smartphones und Tablets sind also längst erfolgreiche Plattformen fürs Mobile Gaming. Apple geht nun einen schon länger erwarteten Schritt und stellt Anbietern von Controllern eine offizielle Schnittstelle zur Verfügung, die Entwickler wiederum vergleichsweise einfach in ihre Spiele integrieren können.

Und an dieser Stelle zeigt sich eine der Stärken von Apples vielfach kritisierten Herangehensweisen. Dank der Tatsache, dass Apple seine Updates direkt an seine Kunden ausliefern kann, hat iOS 7 eine Update-Rate wie kein anderes mobiles Betriebssystem. Und dank der Tatsache, dass Apple das Design seiner Geräte nicht alle naslang neu erfindet, sind sofort mehrere Millionen Geräte mit ähnlichen Abmaßen und einer überschaubaren Zahl von Konfigurationen bereit. Deshalb lohnt es sich für Entwickler, die Controller-Unterstützung aufzunehmen. Deshalb lohnt es sich für Zubehör-Hersteller, hier etwas in den Ring zu werfen.

Android ist freier und vielfältiger. Deshalb ist es aber auch ungleich schwerer, etwas Vergleichbares ebenfalls im Handstreich einzuführen – wenn nicht sogar ausgeschlossen. Man sieht es an Bluetooth 4.0 Low Energy: Das gibt es bei Apple schon seit zwei Jahren, Google hingegen hat es komplett verschlafen und erst jetzt mit Android 4.3 eingeführt. Das Ergebnis: Nahezu alle Fitnesstracker und ähnliche Geräte arbeiten nur mit iPhones zusammen. Das weiterhin ungelöste Problem der ausbleibenden oder lange verzögerten Android-Updates garantiert Apple derweil einen komfortablen Vorsprung.

Natürlich hatte es schon vor Apples lange erwarteter offizieller Unterstützung für externe Controller entsprechende Anläufe gegeben, aber nichts davon konnte sich durchsetzen. Das ist auch kein Wunder, denn erst die von höchster Stelle abgesegnete API garantiert, dass es sich lohnt, Hard- und Software dafür zu produzieren.

Die ersten: Moga Ace Power und Logitech Powershell

Die ersten beiden Beispiele erhalten derweil noch sehr gemischte Kritiken.

Der Moga Ace Power hat einen Schiebemechanismus.

Der eine ist der Moga Ace Power. Er ist für iPhone 5, 5c und 5s sowie den iPod touch der 5. Generation geeignet. Man zieht ihn auseinander und klemmt das iGerät in der Mitte ein. Die integrierten Tasten und Steuerknüppel entsprechen weitgehend dem, was man von Controllern andernorts bereits kennt. In den Testberichten wird vor allem eine gewisse "Klapprigkeit" des Moga bemängelt, die mit dem Schiebemechanismus zu tun haben dürfte. Alles in allem fühle er sich nicht nach einem 100-Dollar-Zubehör an – das er aber ist. Der Preis soll sich dabei auch darüber rechtfertigen, dass der Ace Power einen zusätzlichen Akku integriert hat. Und das ist auf jeden Fall ein sehr sinnvolles Feature.

Weniger Tasten, dafür stabiler: Logitechs Powershell im Vergleich zum Moga.

Der andere ist der Logitech Powershell. Er verzichtet auf den Schiebemechanismus und wird deshalb von Testern als deutlich stabiler gelobt. Dafür nimmt er natürlich mehr Platz weg, wenn man ihn nicht benutzt. Er kommt ebenfalls mit integriertem Akku daher, ist mit den Tasten zur Steuerung allerdings sparsamer. Auch er wird für knapp 100 US-Dollar angeboten. Er ist passend für iPhone 5 und 5s sowie iPod touch 5. Generation.

Fazit

Was ist von den Controller zu halten? Überraschung, Überraschung: Die erste Generation scheint noch so ihre Kinderkrankheiten zu haben. Mit gerade einmal zwei Exemplaren ist die Auswahl auch noch sehr bescheiden. Ich persönlich fühle mich noch nicht angeregt, einen von beiden kaufen zu müssen, allerdings spiele ich sowieso hauptsächlich auf meinem iPad mini. Mein iPhone 4 hatte ich ja gegen ein Nexus 4 ersetzt, aber ich hatte weder auf dem iPhone viel gespielt noch tue ich das jetzt auf dem Nexus 4. Es ist selten, dass ein Spiel mal besser auf dem kleinen Display funktioniert ("Little Death Star" ist aktuell eine Ausnahme...). Aber selbst wenn ich auf einem iPhone oder iPod touch viel spielen würde, würde ich weitere Modelle und im Zweifel auch gleich die nächste Generation abwarten.

Zudem haben die Spiele-Entwickler in den vergangenen Jahren durchaus gelernt, mit den Möglichkeiten und Limitationen des Touchscreens besser umzugehen. So manches eigens hierfür entwickelte Spiel funktioniert da ganz hervorragend. Da kommt es auch immer aufs Genre an.

Gerade bei Portierungen von anderen Plattformen wie "Star Wars: Knights of the Old Republic" oder "Bastion" macht sich dann bisweilen bemerkbar, dass die Entwickler hier eigentlich einen Controller im Sinn hatten und das hinterher irgendwie für den Touchscreen anpassen mussten. Solche Spiele werden sicherlich davon profitieren, dass es nun offiziellen Support für Controller gibt. Vor allem Fans von First Person Shootern wünschen sich vielfach "echte" Tasten statt virtueller Kontrollen – wobei ich mir gerade neulich habe sagen lassen, dass es auch ganz hervorragende Shooterfans gibt, die inzwischen auf Touchscreens schwören...

P.S.: Damit es zu keinen Missverständnissen kommt: Mir ist natürlich bewusst, dass es bereits zahlreiche Controller für Android gibt und auch entsprechnend kompatible Spiele im Play Store. Die Kollegen von The Verge hatten sich im Februar 2013 beispielsweise einmal diverse Geräte vorgenommen. Das ist aber dennoch eine ganz andere Situation als die offizielle Unterstützung solcher Geräte unter iOS, die es sowohl Entwicklern, als auch Herstellern und am Ende nicht zu vergessen auch den Kunden sehr einfach macht.

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