07.01.12

Commodore C64: Der Kultcomputer wird 30 Jahre

Commodore 64, der legendäre Heimcomputer {Wikipedia/Bill Bertram;http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Commodore64.jpg&filetimestamp=20060721164358}

Dreissig Jahre sind kein Alter - in der Welt der Technologie allerdings schon. 1982 stellte Commodore seinen legendären «Brotkasten» vor, ein Gerät, das auch bei uns erst so richtig half, einen Computer in viele Haushalte zu bringen.

 

Auf der Consumer Electric Show 1982 (7.-10.1.) stellte Commodore zum ersten Mal den Commodore 64 der Öffentlichkeit vor, später wurde er auch in Deutschland der Hit. Dazu trug auch bei, dass der Preis, zunächst bei knapp 1400 DM, später auf die Hälfte fiel, während der Apple II deutlich teurer blieb. Es gab zwar auch einen Tandy TRS-80, doch der wurde von einer Ladenkette vertrieben, die sonst vor allem billigen Elektro-Bastelkram anbot und bei uns nie über den Freak-Status hinaus kam. Und Atari verband damals jeder nur mit Spielen.

Insgesamt sorgte der günstige Preis für eine hohe Verbreitung und viele Programme, was wiederum für eine hohe Verbreitung sorgte (einen Effekt, der heute auch bei Apple iOS zu beobachten ist). Zentrales Bauelement des C64 war ein MOS 6510, getaktet mit knapp 1 MHz. Dazu kam die geradezu üppige Ausstattung mit 64 KB RAM und die vergleichsweise professionelle Tastatur. Andere hatten weniger Speicher oder (wie z. B. die ZX-Familie) ein Gummikeyboard. Der C64 diente dabei nicht nur - wie Bücher von Zeitzeugen erzählen - zum Spielen, sondern damit wurde sogar richtig gearbeitet.

In meinem Fall - ich war Anfang der Achtziger kein Kind mehr, sondern Student - war der C64 eine Maschine zum Texten und Programmieren. Ich hatte schon seit 1978 in den Freistunden der Oberstufe auf meiner Schule erste Erfahrungen mit dem PET 2001 machen dürfen. In dem steckten eine ähnliche Technik und das gleiche BASIC wie beim C64. So waren meine ersten Gehversuche auf dem C64 ein Memory-Programm, dass ich für den Monochrommonitor des PET noch aus der Funkschau abgetippt hatte, in Farbe umzusetzen.

Eine besondere Herausforderung waren Assemblerprogramme, die aus lauter Zahlenkolonnen bestanden. Ich erinnere mich an ein Grafikprogramm aus der Happy Computer, das anschließend einen Kolben rundlaufen ließ. Den Zahlenfriedhof hatte ich zuvor über eine Zehnertastatur eingetippt, die ich mir selbst als Zwischenprogramm geschrieben hatte. Gespielt habe ich mit dem Gerät auch, ich weiß gar nicht mehr, woher ich die Programme hatte.

Die Floppy 1541 gehörte natürlich dazu, und auch die Datasette. Ich kann mich erinnern, dass Commodore sogar einen Plotter anbot, der auf Rollenpapier mit vier kleinen Kugelschreibern witzige Ergebnisse zu Papier brachte. Später gab es auch Software, mit der man schreiben und über ein kleines Interface sogar aus einem Epson-Nadeldrucker vernünftige Ergebnisse herauskitzeln konnte.

Der Commodore 64 wurde im eigenen Haus von mehreren Geräten beerbt, die aber nicht an den Erfolg des «Brotkastens» anknüpfen konnten. Der C128 war ein «3-in-1-Computer», der aber trotzdem nichts richtig konnte, weil er der alten Technik zu sehr verhaftet war. Der Amiga war anfangs auch sehr teuer und schwierig zu bekommen. Ich bin deswegen auf den Atari ST umgestiegen. Den hatte Jack Tramiel, zuvor verantwortlich bei Commodore unter anderem für den C64, nach dem Wechsel zu Atari auf den Markt gebracht. Der ST bot wiederum hervorragende Technik zu einem günstigen Preis und einen sagenhaft guten Bildschirm (sowie später mit Signum eine Textverarbeitung, deren Genialität kein Programm für keinen Computer je wieder erreicht hat). Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden...

Zum Schluss noch einer der vielen Werbespots, die uns dank Youtube erhalten sind. Ach ja, Commodore gibt es noch bzw. wieder, und sogar einen Computer mit der Bezeichnung C64, der aber nur die äußere Form mit dem legendären Brotkasten gemein hat (und den hier noch keiner live gesehen hat).

(einige Links und Youtube-Video via Wirtschaftswoche)

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