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22.02.13

Chromebook Pixel: Googles Provokation

Google Chromebook Pixel

Google hat einen Highend-Laptop mit dem eigenen Cloud-Betriebssystem Chrome OS vorgestellt. Die 1.300 US-Dollar, die man für das Chromebook Pixel verlangt, rangieren auf einem Niveau mit aktuellen Windows-Ultrabooks und Apples MacBook-Linie. Es dürfte Google zunächst weniger um hohe Verkaufszahlen, als um ein Schelmenstück gehen. Man provoziert Microsoft bis aufs Blut.

Googles erste Chromebook-Linie löste bei den meisten Beobachtern ein Schulterzucken aus: zu schwach, dafür zu teuer, ein System mit zu vielen Nachteilen in der Praxis. Die aktuelle Chromebook-Generation zeichnet sich vor allem durch günstige Preise und leicht verbesserte Hardware aus. Ein Laptop für Rebellen, hatten auch wir neulich geschrieben. Aber schon wieder so billig, dass Microsoft und seine OEM-Partner nicht um ihre Margen fürchten müssen. Und jetzt das: ein Highend-Notebook von Google, 1.300 US-Dollar schwer, so teuer und technisch ähnlich ausgestattet wie aktuelle Ultrabooks. Also ein Frontalangriff auf Microsoft und Windows 8?

 

Nun, Frontalangriff vielleicht, aber dann einer, bei dem ein einsamer Panzer auf tausend Haubitzen zurollt, die ihn bereits ins Visir genommen haben. Es kann Google in diesem Schritt nicht darum gehen, Microsoft und Apple Marktanteile abspenstig zu machen, eher darum eine Nische aufzutun. Denn, ernsthaft gefragt: Wer gibt 1.300 Dollar für ein Notebook mit der Light-Version eines Betriebssystems aus? Bei dem man auf Web-Apps angewiesen ist und Daten weniger gut lokal speichern kann. Wie viel Spaß werden wohl Dinge wie Videoschnitt damit machen? Aufwändige Grafiken oder Webdesigns damit zu erstellen? Enterprise Ressource Planning - mit einem Chromebook?

Andererseits: Ein nicht ganz zu Ende gedachtes Betriebssystem - woran erinnert mich das nur? Bei Google wird man sich gedacht haben: Wenn man Microsoft noch ernsthaft herausfordern will, dann ist jetzt wohl die beste Gelegenheit dazu. Windows 8 ist ein knallbuntes System, das stark polarisiert. Viele mögen es, andere wünschen sich eine Alternative. Google versucht sich nun immer mehr als eine solche ins Spiel zu bringen. Mail, Office, Kalender mit Outlook-Funktionen und eben ein eigenes Desktop-OS - hat man auch.

Das Chromebook Pixel ist wie ein modernes Ultrabook ausgestattet: Intel Core i5 Prozessor mit 1,8 GHz (Dualcore) und eine integrierte Grafikkarte Intel HD Graphics 4000. Das ist die gleiche Maschinerie, die Apple für seine MacBooks Air mit 13 Zoll verwendet. Dünn und leicht ist das Chromebook Pixel mit nur 16,2 Millimetern Höhe und 1,5 Kilogramm Gewicht. Es hat eine Auflösung von 2.560 x 1.700 Pixel. Damit erreicht das 12,85-Zoll-Display im 3:2-Verhältnis eine Pixeldichte von 239 ppi - womit man Apples MacBook Pro 13'' mit Retina-Display (227 ppi) knapp schlägt.

Akku könnte besser, nur 32 GB SSD

Zusätzlich hat das Chromebook Pixel Gorilla Glass und einen Multitouchscreen. 4 GB RAM sind drin. Schwachpunkt dürfte die eng bemessene 32-GB-SSD sein - da kann Google noch so viel darauf hinweisen, dass drei Jahre lang ein Online-Speicher von 1 TB auf Google Drive zur Verfügung steht. Auch die Akkuleistung von fünf Stunden löst bei mir nicht gerade Jubel aus. Chic ist natürlich das direkt eingebaute LTE-Modul in der LTE-Variante des Chromebooks, das in den USA im April für 1.450 Dollar auf den Markt kommen soll. Doch, das Chromebook Pixel hat fast alles, was man von einem modernen Ultrabook erwartet.

Was es aber bisher nicht hat, ist eine vernünftige Lösung für Apps. Die Webapps aus dem Chrome Webstore lassen sich nicht einmal starten, wenn keine Internetverbindung vorliegt. Und auch in Zeiten von LTE wird es immer wieder Momente geben, in denen man eben doch mal offline ist.

Ein großes Update für Chrome OS in Planung?

Aber wer sagt, dass Chrome OS auf diesem Niveau verharren wird? Gerüchte gibt es bereits, dass Google an einer Verbesserung arbeitet, vielleicht eine engere Verzahnung von Android und Chrome OS. Vielleicht eine bessere Unterstützung nativer Linux-Applikationen? Werden wir vielleicht schon im Mai auf Googles Entwicklerkonferenz Google I/O etwas davon sehen? Wenn Google es schafft, Chrome OS zu einem vollwertigen Betriebssystem auszubauen, dann hätte man Microsoft wirklich etwas entgegen zu setzen. Und auch das Chromebook Pixel würde dann zu einer echten Kaufempfehlung.

Schon jetzt steht fest, dass 2013 das Jahr der Vielfalt wird: Blackberry 10, Firefox OS, Tizen, Sailfish, Android 5 - die Hersteller wollen die Welt mobiler Systeme bereichern. Ubuntu bietet sich als Alternative für mobile sowie für Desktop-Systeme an. Und Google und Microsoft werden ihre Rivalität noch deutlich vertiefen. Es wird ein spannendes Jahr werden.

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