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04.06.15

BMW i3 im Test 4/5: Durch Orkan und Schneesturm

BMW i3

Mädels erschrecken kann man mit dem BMW i3 also. Aber kann man mit so einem "Sonderfahrzeug" auch vernünftig fahren, im Alltag zurechtkommen? neuerdings.com fuhr durch Sturm und Schnee.

BMW i3

Fährt man mit dem i3 so, wie bislang beschrieben, macht das zwar durchaus Spaß (zumindest dem Fahrer), aber das Vergnügen ist begrenzt: Die Akkus sind dann schon nach 60 km bedenklich entladen. Für ständige Spurts und vor allem schnelle Autobahnfahrten ist dieses Auto im Gegensatz zu den üblichen BMWs nicht gebaut, es ist eher für den täglichen Stadt- und Pendelverkehr auf Kurzstrecken gedacht. Und zugegeben, die meisten Autofahrten liegen unter 100 km.

Der Weg ins Büro allerdings nicht, weswegen dieser normalerweise auch öffentlich zurückgelegt wird. 160 bis 180 km soll der i3 zwar mit einer Akkuladung schaffen, aber dann nicht gerade auf der Autobahn und möglichst ohne Heizung oder Klimaanlage. Für Hin- und Heimweg etwas knapp.

Zunächst wurde daher mit einem Hotel in der Nähe des Arbeitsplatzes ein "Ladeparken" vereinbart, um am Abend wieder ein vollgeladenes Elektroauto zu haben. Doch dann bot LEW an, nach einer Woche den reinen Elektro-i3 gegen ein Modell mit Range Extender zu tauschen. Damit sollte in etwa der doppelte Weg möglich sein, bevor der "Saft" aus ist.

Am Tag der Probefahrt tobte der Sturm Niklas - da machte das Fahren keine große Freude: Mit Kälte, Regen und Seitenwind auf der Autobahn, den man bei einem i3 doch etwas stärker spürt als bei einem flacheren Fahrzeug, hätte man eine Fahrt im Zug vorgezogen. Der Akkustand war bei der Ankunft auch längst unter 50% - gut, dass man den Range Extender dabei hatte.

Ja, gut, dass man überhaupt rein zufällig ein Auto dabei hatte. Denn so schön die Zugfahrt am Morgen gewesen wäre, so unangenehm wäre der Versuch, öffentlich zu verkehren, am Abend geworden. Der Hauptbahnhof war wegen Sturmschäden gesperrt, die Zugstrecke ebenfalls, und die S-Bahn fuhr überhaupt nicht mehr, weil sich etliche Bäume vor dieselbe, aufs Gleis und über die Oberleitung geworfen hatten - einer fing im Hochspannungsfunkenregen der demolierten Oberleitung auch noch Feuer und machte einen Löscheinsatz der Feuerwehr notwendig. Auch die Autobahn war komplett gesperrt - glücklicherweise aber in der Gegenrichtung.

Die Vorheizung des i3 hatte sich trotz nicht vorhandenem Netzanschluss eingeschaltet und noch einmal 15% Akkuladung gemopst. Doch der Range Extender sicherte tuckernd den Heimweg. Danach musste man an die Tankstelle, denn auch am nächsten Tag sollte keine S-Bahn fahren, ja den Rest der Woche nicht mehr. Der Weitstrecken-Test fiel nun etwas ausführlicher aus als geplant.

Der Range Extender schaltet sich automatisch ein, wenn nur noch etwa 10% Akkuladung übrig sind. Allerdings hält er nur den vorhandenen Ladezustand - er füllt den Akku nicht wieder auf. Er könnte das zwar technisch, nur wäre dann die aktuell geltende Steuerbefreiung für E-Fahrzeuge perdu, der i3 würde dann als Hybridfahrzeug gewertet. So versucht der Range Extender nur, den i3 vor dem Liegenblieben zu bewahren. Fährt man aber weiterhin flott, schafft er dies nicht, weil er nur 38 PS liefern kann, und der i3 schaltet schließlich bei weniger als 7% verbliebener Ladung zwangsweise den Eco-Pro+-Modus ein, in dem neben einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 90 km/h auch Heizung, Klimaanlage und andere Zusatzverbraucher abgeschaltet werden.

In diesem Modus scheint es möglich zu sein, die Ladung zu halten und so theoretisch - mit Auftanken etwa alle 100 bis 150 km - längere Strecken zu fahren. Allerdings ist ein Auto mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit auf Autobahn und Landstraße ein Verkehrshindernis - man kann nicht einmal mit den LKW mithalten und auf der Landstraße will jeder wegen den 10 zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit fehlenden km/h überholen. Spaß macht das nicht.

Der Range Extender ist somit nur eine Art Akku-Air-Bag, der einen vor dem Liegenbleiben bewahrt. Schaltet man ihn rechtzeitig manuell ein - also spätestens bei 50% Akkuladung auf der Autobahn - kann er die Reichweite des i3 etwa verdoppeln. Für eine tägliche Fahrt von 200 km wäre diese Lösung aber dennoch nicht zu empfehlen, sie ist umständlich, verlangt infolge des nur 9 l fassenden Tanks tägliches Tanken und die Leichtigkeit des E-Antriebs geht verloren. Für die drei Sturmtage war es aber eine brauchbare Lösung.

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