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02.06.15

BMW i3 im Test 2/5: Lautlos mit Raketenantrieb

BMW i3

14 Tage elektrisch fahren, das klang verlockend. Tatsächlich war es sogar noch viel interessanter als erwartet.

BMW i3

Mit Kupplung und Gangschaltung konnte ich mich nie wirklich anfreunden - klar kann man damit irgendwann auto-matisch umgehen, nur spätestens im allgegenwärtigen Stau bei der Ausfahrt aus dem Brudermühltunnel in München nervt es einfach saumäßig, 20 x hintereinander "Fahrschule, Stunde 4: Anfahren am Berg" üben zu müssen...und das womöglich noch mit einem Fahrzeug, dessen Motor sich beim Gasgeben gerne mal verschluckt und auch ohne Kommenlassen der Kupplung bereits abstirbt.

Automatik muss man ebenso mögen - dass ein Automatikauto "kriecht", wenn man im Leerlauf nicht die Handbremse anzieht oder die Parkstellung einlegt, ist noch das kleinere Problem. Blöder sind die Verzögerungen aus dem Stand beim Gasgeben - eine Lücke im Kreisverkehr, man will einfahren, es tut sich nichts, nichts und immer noch nichts - und dann macht der Wagen einen Satz... - und die Macht der Gewohnheit, bei anschwellendem Motorengeräusch und steigender Drehzahl schalten zu wollen, also auf die Kupplung zu treten, die nun aber die Bremse ist...

All diese Probleme hat ein Elektroauto nicht. Dafür gilt es als Rentnerfahrzeug - "mit so einem Opa-Auto fahre ich nicht mit", tönte die eigentlich zur Probefahrt eingeladene Dame. Klar, ein Elektroauto röhrt nicht, qualmt nicht, knallt nicht, stinkt nicht - das ist nichts für richtige Männer.

Aber andererseits - es war ein BMW...eine Automarke, die mir zugegeben eher suspekt ist, weil kaum mal ein solches Fabrikat "normal" fährt. Ja nicht einmal normal parkt - es muss schon mindestens im absoluten Halteverbot stehen, am besten auch noch so, dass dabei die Schienen der Straßenbahn blockiert werden. Andererseits richtet sich der i3 ja gerade nicht an typische BMW-Fahrer, sondern solche, die normal nicht BMW fahren würden...

 

Tatsächlich ist der BMW i3 völlig neu konzipiert und kein bestehendes Fahrzeug, in das statt eines Benzin- mal eben ein Elektromotor montiert wurde, wie bei den meisten anderen aktuellen Elektroautos. Er sieht auf den ersten Blick vielleicht einem Smart ähnlich, ist aber größer und höher - die Batterien sind am Boden untergebracht, was die Stabilität und Straßenlage des Fahrzeugs verbessert. Er hat vier Türen, von denen aber die beiden hinteren "andersrum" aufgehen. Dummerweise sind an diesen aber die Sicherheitsgurte für die Vordersitze montiert: will hinten jemand aussteigen, muss sich vorne erst jemand abschnallen.

Normale Instrumente sucht man ebenfalls vergeblich - alles wird elektronisch auf zwei großen Displays angezeigt, von Geschwindigkeit bis zum Radioprogramm und Ladezustand sowie (beim Modell mit Range Extender) Tankfüllung.

Eine Gangschaltung gibt es natürlich ebenfalls nicht, es ist ja ein Elektroauto. Elektromotoren können von Null bis Maximum Kraft ohne Schalten liefern. Damit sich "normale" Autos gewohnte Fahrer zurechtfinden, wird Vorwärts/Rückwärts und Parken über einen Automatik-Schaltknauf am Lenkrad gesteuert. Ebenso ist die elektronische Handbremse an der zuvor üblichen Stelle in der Mittelkonsole montiert und nicht wie bei manch anderem modernen Auto irgendwo ganz hinten am Armaturenbrett. Sie ist auch auf die gewohnte Art bedienbar: Ziehen zum Aktivieren, absenken zum Freigeben der Bremse. Damit findet man sich im Cockpit sofort zurecht.

Doch fährt sich der i3 nicht wie ein Automatik-Auto - es ist ein völlig anderes Fahrgefühl. Ohne Motorgeräsch hat man gar kein Bedürfnis zu schalten und die Beschleunigung wirkt ohne Motorgebrummel noch atemberaubender, als sie in einem Kleinwagen mit 170 PS ohnehin schon ist. Zumal diese Beschleunigung ohne jede Unterbrechung von 0 bis 150 km/h bestehen bleibt - dann wird der i3 elektronisch abgeregelt, schneller soll er nicht fahren, was auch vernünftig ist.

Dabei fühlt man sich dennoch sehr sicher, weil der i3 ähnlich einem Autoscooter automatisch bremst, wenn man vom Strom-Pedal geht. So besteht keine Gefahr, eine Kurve zu schnell anzufahren, obwohl diese automatische elektrische Bremse, die die Energie zurück in den Akku führt, je nach Geschwindigkeit unterschiedlich stark ist - zwischen 80 und 100 km/h war sie im Testfahrzeug merkwürdigerweise kaum aktiv, bei höheren und niedrigeren Geschwindigkeiten ist sie es.

Auch gemütliche Fahrer werden so schnell zu einem bei einem Benziner unvernünftigen Fahrstil mit häufigem Geschwindigkeitswechsel verführt, schließlich geht die Energie beim Bremsen ja nicht komplett verloren, sondern wird in den Akku zurückgeführt, wenn auch natürlich nicht zu 100%. Man ahnt, wie der BMW-Werbespruch "Freude am Fahren" gemeint ist.

Für jene mit einem nervösen Fuß kann der Wagen deshalb auch in die Betriebsart "Eco Pro" geschaltet werden - dann ist die Beschleunigung reduziert und entspricht eher der, die man bei einem Kleinwagen erwartet. Dies erhöht auch die Reichweite des Fahrzeugs. Bei durchgedrücktem Pedal wird trotzdem die volle Leistung für "Notfälle" freigesetzt.

Nach einer halben Stunde Testfahrt war dann allerdings beim Test-BMW schon die Luft raus...

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