08.10.07

Auf dem Weg zum Gen-Roboter

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Der umstrittene Genforscher Craig Venter will künstliches Leben erschaffen haben: Zusammen mit einem Team von 20 namhaften Forschern unter Anleitung des Nobelpreisträgers Hamilton Smith soll Venter ein vollständig synthetisches Chromosom gebaut und einer Bakterienzelle eingepflanzt haben.

ImageLaut der englischen Zeitung Guardian haben Genforscher Craig Venter und sein Team eine vollständig synthetische Folge von 381 Genen und 580'000 Basispaaren genetischen Codes aufgebaut und dieses künstliche Chromosom einer Zelle des Bakteriums Myoplasma Genitalium eingepflanzt.

Venter werde in den nächsten Tagen den Erfolg des Unternehmens bekanntgeben, schrieb die englische Zeitung am Samstag.

Diese neue, "künstliche" Lebensform ist allerdings noch von der molekularen Funktion des Bakteriums abhängig, wenn es um Metabolismus und Vermehrung geht. Insofern, urteilt der Guardian, handle es sich bei der neuen Zelle nicht um eine vollständig künstliche Lebensform.

Die DNA, der Baustein des Lebens allerdings, ist von Menschen erschaffen. Das eröffnet frankenstein'sche Perspektiven. Venter findet,

 

es handelt sich um einen sehr wichtigen philosophischen Schritt in der Geschichte unserer Spezies. Wir schreiten fort vom blossen Lesen des genetischen Côdes zur Fähigkeit, ihn selber zu gestalten. Das gibt uns die hypothetische Möglichkeit, Dinge zu erschaffen, die nie zuvor möglich waren.

Nicht alle Fachleute sind von Venters Enthusiasmus angesteckt. Der kanadische Bioethik-Experte Pat Mooney bezeichnete die Nachricht als "Weckruf für die Gesellschaft". Venter baue

 

das Grundgerüst, auf dem jedermann fast alles aufbauen könnte. Es könnte der ganzen Menscheit dienen - wie neue Medikamente - oder sie bedrohen, etwa durch Biowaffen.

Venter hingegen redet von allerlei positiven Möglichkeiten, von Bakterien, die überschüssiges CO2 konsumieren oder Möglichkeiten zur Gewinnung erneuerbarer Energie, an die bisher niemand zu denken gewagt habe:

 

Wir fürchten uns nicht davor, uns mit wichtigen Dingen auseinanderzusetzen, nur weil sie Denkprozesse in Gang setzen. Wir haben es mit grossen Ideen zu tun. Wir versuchen, ein neues Wertsystem für Leben zu erschaffen. Bei Vorgängen von dieser Grössenordnung ist nicht zu erwarten, dass alle glücklich sein werden.

Gefunden in The Guardian via Gizmodo

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