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06.03.08

Apple Time Capsule im Test (II/II): Problemlose Datensicherung, gut und teuer

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Im zweiten Teil unseres Tests untersuchen wir, ob Time Capsule wirklich hält, was die Apple-Werbung verspricht: Supereinfache Datensicherung ohne Mühe. Ausserdem schauen wir uns die weiteren Features des neusten Apple-Gadgets an.

Einmal auf "Change Disk" geklickt, und schon geht's los.

Wie im ersten Teil des Tests zu sehen war, geht der Grundsetup von Time Capsule flott von der Hand. Das gilt glücklicherweise auch für das Aufsetzen der automatischen Datensicherung. Wer auf seinem Leopard-Mac schon Daten mit Time Machine sichert, klickt in den Einstellungen einfach auf "Change Disk", sucht sich die neue Time Capsule im Netzwerk aus, fertig.

Ein echtes Problem dabei ist allerdings, dass die alten Time-Machine-Backups nicht übernommen werden können. Man fängt darum quasi wieder bei Null an mit seiner Datensicherung. Das ist erstens zeitraubend und zweitens ärgerlich, weil man damit seine alte Backup-Disk weiter behalten muss, falls man mal auf längst gelöschte Dateien zugreifen will.

 

Als erste Amtshandlung führt Time Machine nach dem Setup gleich mal eine Komplettsicherung durch. Hierfür sollte man viel Geduld mitbringen, vor allem bei drahtloser Übertragung. In unserem Test brauchte die initiale Sicherung von 101 Gigabytes nicht weniger als 17 Stunden. Man kann die Sicherung zwar zwischendrin unterbrechen, aber Time Machine braucht dann einige Minuten, um sich wieder richtig mit der Time Capsule zu synchronisieren.

Das kann noch dauern: Schon 17 kByte von 90 Gigabytes übertragen...

Immerhin kann man die Sache dadurch beschleunigen, dass man den Rechner für das Initialbackup per Ethernet-Kabel an die Time Capsule anhängt. Da sowohl die neueren Macs wie auch das Backup-Gerät Gigabit-Ethernet unterstützen, geht das deutlich schneller. Ein weiterer Vorteil der kabelgebundenen Variante: Beim drahtlosen Backup wird der Internet-Zugang spürbar langsamer. Time Capsule priorisiert scheinbar den Datenverkehr nicht, so dass man nicht gerade riesige Uploads während dem Initialbackup durchführen sollte.

All diese Anfangsprobleme machen sich aber in der weiteren Benutzung kaum bemerkbar. Jede Stunde springt im Hintergrund Time Machine an, schickt die neuen Daten an Time Capsule, und das war's dann. Man merkt kaum eine Verlangsamung, sofern sich nicht gerade gigabyteweise neue Daten angesammelt haben. Wer Parallels oder ähnliche Virtualisierungsprogramme verwendet, sollte übrigens den automatischen Backup für die virtuelle Windows-Disk abschalten. Time Machine versucht nämlich jedesmal, dieses mehrere Gigabyte grosse File komplett zu sichern, was lange dauern kann.

Schön ist das Zurückspielen von Dateien. Auch hier hat sich in der Bedienung gegenüber der traditionellen Time Machine nichts geändert, immer noch kriegt man das (buchstäblich) spacige Zeitsprung-Display, mit dem man sich zum gewünschten Zeitpunkt zurücktasten und dann mit ein paar Mausklicks die versehentlich gelöschten Dateien wiederherstellen kann. Wenn ein Rechner komplett abgeraucht sein sollte, kann man selbigen mit der Leopard-DVD booten und auf diesem Weg auf Time Capsule zugreifen, um den alten Zustand wieder herzustellen. Die Geschwindigkeit der Wiederherstellung ist auf dem drahtlosen Weg natürlich nicht ganz so gross wie bei einer drahtgebundenen Platte, aber das spielt zumindest für das Zurückspielen einzelner Dateien kaum eine Rolle.

Zurück in die Zukunft: Verlorene Dateien werden mit schicker 3D-Grafik aus dem Orkus geholt.

Natürlich fragt man sich, wie sicher die Daten auf der Time Capsule denn sind. Hardwaremässig sollte man eigentlich auf der sicheren Seite sein. Das Gerät verwendet "Server Grade"-Harddisks, also besonders stabile und langlebige Festplatten, wie sie auch in Apples XServe-Maschinen zum Einsatz kommen (es gibt in Freak-Kreisen gerade eine heisse Diskussion darüber, ob die verwendete 1-TB-Disk wirklich ganz, ganz richtig "Server Grade" ist, aber für den Hausgebrauch dürfte das kaum eine Rolle spielen). Statistisch gesehen sollte eine solche Festplatte nur alle 114 Jahre mal ein Problem haben, aber das ist natürlich Theorie.

Im Betrieb wird die Time Capsule recht warm, aber sie enthält einen kleinen Lüfter, so dass man nicht befürchten muss, dass die Festplatte den Hitzetod stirbt. Trotzdem muss man ein solches Gerät natürlich etwas sorgfältiger aufstellen als einen normalen WiFi-Knoten, den eigenen Daten zuliebe. Also sollte man nix draufstellen und für gute Belüftung sorgen, sonst könnte sich das gute Stück vielleicht doch überhitzen. Und ein offenes WLAN auf der Time Capsule zu betreiben, ist definitiv auch keine gute Idee.

In den Kommentaren zum ersten Teil des Tests wurde bemerkt, dass man mit Time Machine auch bisher schon Backups auf drahtlose Festplatten (Network Attached Storage, NAS) anderer Hersteller machen kann. Das ist natürlich richtig, aber für den Durchschnittsuser dürften die dazu nötigen Command-Prompt-Hacks wohl weniger ansprechend sein. Time Capsule bietet hingegen das typische Apple-Nutzererlebnis: Auspacken, Anschliessen, geht.

Insgesamt hält die Time Capsule also als Backuplösung eigentlich ihre Versprechen, auch wenn der Übergang von bestehenden Time-Machine-Backups nicht ganz schmerzfrei möglich ist. Wenn die Datensicherung auf der Time Capsule einmal aufgesetzt ist, läuft das ganze tatsächlich verblüffend problemlos und ohne jegliche manuelle Eingriffe.

Ein paar weitere Features hat die Time Capsule auch noch zu bieten: Sie ist zunächst mal ganz einfach ein Speichergerät im Netz (ein NAS-Device), verhält sich also wie ein kleiner Fileserver, der sowohl von Macs wie auch von Windows-Maschinen aus - entsprechende Treiber vorausgesetzt - angesprochen werden kann. Das ist ein durchaus praktischer Zusatznutzen, auch wenn die Geschwindigkeit des Datentransfers natürlich längst nicht mit einer per Firewire oder USB lokal angehängten Festplatte vergleichbar ist. Typischerweise kann man mit einer Datenrate von etwa 5 MByte/s über das Ethernet-Kabel rechnen, bei der drahtlosen Verbindung sind es eher 1-4 MByte/s, je nach Verkehrslage im Funknetz. Mit anderen Worten sollte man sich keine Wunder für multimediale Anwendungen erwarten. Auch bietet so ein Netzwerk-Drive nicht die volle Funktionalität eines richtigen Fileservers. Aber als praktische gemeinsame Datenablage reicht es durchaus.

Mit dem USB-Anschluss der Time Capsule kann man zwei nützliche Dinge tun: Erstens kann man damit einen USB-Drucker zwischen mehreren Rechnern sharen. Der Setup ist absolut problemlos, oder genauer gesagt: Alles, was man im Normalfall machen muss, ist den Drucker an die Time Capsule anzuschliessen. Automatisch erscheint er für alle verbundenen Macs als Ressource. Allerdings hat die Time Capsule keinen echten Druckerserver eingebaut, verwaltet also keine Warteschlangen oder dergleichen. Wenn zwei Rechner gleichzeitig drucken wollen, kriegt der später ankommende nur eine Fehlermeldung.

Setup-Prozess unnötig: Der Drucker taucht einfach so auf. 

Der zweite Nutzungszweck des USB-Ports ist der Anschluss einer externen Harddisk. Damit kann man die Kapazität der Time Capsule erweitern. Das ist gerade für die Nutzung als Fileserver natürlich sehr praktisch. Auch wenn man mehrere Rechner auf die Time Capsule sichert, kann unter Umständen selbst die 1-Terabyte-Version schon mal zu eng werden. Gerüchtehalber soll übrigens auch der Airport Extreme dieses Feature mit dem nächsten Firmware-Update erhalten.

Im Moment kann die Time Capsule allerdings ihren eigenen Inhalt noch nicht automatisch auf eine externe Platte kopieren. Das wäre praktisch, damit man regelmässig auch Backups ausser Haus lagern kann. Manuell kann man eine solche Kopie problemlos herstellen, aber etwas mehr Komfort würde nicht schaden.

Zum Fazit: Apples Time Capsule ist eine gelungene Verbindung zwischen einer leistungsfähigen WiFi-Basisstation und einem problemlosen und komfortablen Netzwerk-Speichergerät. Der grösste Nutzen entsteht für Mac-User, die mit Time Machine ihre Daten drahtlos auf das Gerät sichern wollen. Die Einfachheit der Installation von Time Capsule ist wie immer bei Apple-Produkten exzellent, alles funktioniert halt einfach so aus der Schachtel. Und die Zusatzfeatures wie die Anschlussmöglichkeit einer externen USB-Harddisk sowie eines Druckers sind eine schöne Zugabe.

Allerdings sollte man nicht erwarten, dass man für den geschäftlichen Einsatz damit wirklich einen File- und Druckserver einsparen kann. Selbst als Backup-Lösung hat Time Capsule ihre Grenzen, weil man nicht ohne Mühe eine externe Kopie seiner Daten anfertigen kann. Die Time Capsule ist eine ideale Lösung fürs Home Office oder vielleicht kleine Bürogemeinschaften, aber Firmen müssen wohl weiterhin zu aufwendigeren Produkten greifen.

Als weiterer Kritikpunkt ist anzubringen, dass der reibungslose Übergang von bestehenden Time-Machine-Setups nicht gewährleistet ist. Ausserdem dauert der initiale Backup nach Inbetriebnahme eine kleine Ewigkeit. Mac-User, die noch nicht auf Version 10.5.2 von Leopard upgegradet haben, müssen ausserdem auf die Backup-Funktion verzichten, denn nur mit der neusten Betriebssystemvariante von Apple funktioniert das ganze.

In den USA ist die Time Capsule auch preislich ein durchaus guter Deal: Mit 299 $ für die 500GB- und 499 $ für die 1-Terabyte-Version zahlt man etwa so viel wie für einen Airport Express und eine entsprechende separate Festplatte.

Anders sieht es leider in Europa aus: Dass Apple volle 499 Euro bzw. 729 Schweizer Franken für die 1-TB-Version verlangt, ist angesichts des aktuellen Dollarkurses beinahe schon ein schlechter Scherz. Vielleicht sollte man Apple mal einen Währungsrechner schenken, denn selbst mit zusätzlichen Logistik- und Anpassungskosten lässt sich ein so horrender Preisunterschied nicht rechtfertigen. Wir wollen ja wirklich niemanden zu Graumarkt-Transaktionen anstiften, aber die amerikanische Version der Time Capsule schluckt laut Datenblatt alles von 110 bis 240 Volt...

Unter dem Strich ist Time Capsule wieder einmal eine gelungene Problemlösung aus dem Hause Apple, die ihren vollen Nutzen allerdings nur für User von Mac OS X 10.5.2 entfaltet. Die amerikanischen Preise gehen in Ordnung, die europäischen weniger.

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