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30.09.10

Amazon Kindle 3 im Test: Zehn Gründe für den e-Ink-Reader

Kindle3: Schutzhülle mit Leselicht. © PS

Der jüngste Kindle von Amazon liegt gut in der Hand, schont die Augen und ist international nutzbar. Grund genug für ein Hardware-Update.

Eigentlich ist Jeff Bezos ein ziemlicher Antipod zu Steve Jobs. Nichts, was Amazon je gemacht hat, war elegant. Und trotzdem war bisher fast alles richtig.

Sein Datenbank-Buchladen entsetzt mich bei jedem Besuch aufs neue und verführt mich trotzdem dank Datamining-Empfehlungen regelmässig zum übertriebenen Geldausgeben; seine Musikhandlung hat den Charme einer Eisenwarenhandlung und fesselt mich als Kunden dank konsequentem Verzicht auf DRM. Seine langweilig-graubraunen Verpackungen verstrahlen die Produktvorfreude eines Eierkartons, aber selbst meine offline-Nachbarin kennt dank ihnen das Amazon-Logo.

Und der Kindle war von Anfang an das hässlichste elektronische Lesegerät - und das beste. Denn Bezos hatte dem grauslich designten Gerät sein "Whispernet" spendiert. Und ich habe mir jetzt den Kindle 3 gegönnt, der das Tüpfelchen aufs i setzt:

Er ist international verwendbar, weil sein "Whispernet" überall funktioniert. Das war der wichtigste Grund für mich, das neue Gerät anzuschaffen, obwohl auch das alte eben erst ein Software-Update erhalten hat und eigentlich tadellos funktioniert. Bei meinen Aufenthalten in Europa kam ich regelmässig auf Entzug, weil morgens nicht automatisch die New York Times und das Wall Street Journal auf meiner Plastikschiefertafel auftauchten.

Aber der Kindle 3 hat noch ein paar weitere Vorteile, wie ich nach rund einer Woche des Gebrauchs feststellen kann:

Der Formfaktor. Obwohl das Gehäuse scheinbar nur unwesentlich geschrumpft und gerade mal 17 Prozent leichter geworden ist, liegt der Kindle 3 um Welten viel besser in einer Hand als sein Vorgänger. Es fühlt sich tatsächlich an wie ein Taschenbuch, während der Kindle 2 nach kurzer Zeit zum Kraftakt werden konnte, der noch dazu eine andere Gewichtsverteilung zu haben scheint.

Die Internationale Whispernet-Anbindung. Für mich der Kaufgrund schlechthin, wird die permanente Anbindung auch für Geschäftsreisende interessant. Jedenfalls für alle, die Zeitungen abonniert haben. Und bei einem Abopreis von vielleicht 20 Prozent der Frühzustellungspreise sind NYT, WSJ und auch der New Yorker einfach Pflicht.

Webmail. Jawohl: Im Web surfen möchte man wohl eher nicht mit einem e-Ink-Display und dem "experimentellen" Browser des Kindle. Dabei funktioniert der tadellos. Aber grade europäische Urlaubsbreisende wollen in der Toscana zwischendurch vielleicht mal schnell ihre Mail checken, ohne gigantische Roaminggebühren auf dem Smartphone zu bezahlen. Der Kindle 3 kann mit modernen Webanwendungen wie Gmail durchaus umgehen, die Inbox lässt sich so überall kostenlos durchsehen, und um eine schnelle Antwort an den Geschäftspartner zu tippen, reicht das Kindle-Keyboard allemal. Ich hab's ausprobiert - klappt hervorragend und lässt Amazon ein bisschen komisch dastehen, weil umgekehrt der Versand von PDFs direkt an den Kindle noch immer mit meines Wissens 10 Cent zu Buche schlägt.

Wifi. Zwar ist die Whispernet-Mobilfunkanbindung kostenlos - aber sie ist eben nicht immer und überall verfügbar. Hier in Kalifornien ist die 3G-Abdeckung ausserhalb der Städte sehr schnell Mangelware. Ich möchte aber grade beim Urlaub an der Küste in Mendocino, im Death Valley oder im Yosemite nicht auf meine Zeitung und den Kauf neuer Bücher verzichten müssen. Ein Hotspot im Hotel reicht, und meine Zeitungsabos reisen mit.

Der Kontrast. Die elektronische Tinte e-Ink hat immer noch nur sechzehn Graustufen - aber Schwarz ist jetzt wirklich Schwarz, und der Hintergrund ist ein etwas helleres Grau als beim Kindle 2. Laut Amazon ist der Kontrast um 50 Prozent verbessert worden. Der Eindruck ist immer noch der, auf Recycling-Papier gedrucktes zu lesen - aber der "Druck" ist viel sauberer als noch beim Kindle 2 (und er wirkte dort schon hervorragend). Kein Vergleich zu einem Pixel-LCD.

Das dunkle Gehäuse. Das mag ein Detail sein und noch dazu eines meiner Wahl, denn den neuen Kindle gibt es weiterhin auch in weiss, aber jetzt auch grafitfarben. Das hilft lässt den genau gleich grossen Bildschirm weisser erscheinen als beim weissen Gerät, dessen Rahmen heller ist als der Texthintergrund.

Die Tasten. Die wichtigsten Tasten des Geräts - weiterblättern, zurückblättern - sind genau da, wo sie sein müssen: Nicht an, sondern in der Kante des e-Books, und zwar beide auf beiden Seiten (Kindle 2 liess nur links zurückblättern) und so platziert, dass sie auch beim halten des Geräts mit einer Hand immer irgendwie vernünftig und mit sehr wenig Druck bedient werden können.

Der Akku. Die Lebensdauer des Akku im neuen Kindle E-Book-Reader soll nochmals gesteigert worden sein. Ich kann das noch nicht bestätigen: Mit permanent eingeschaltetem Wifi und 3G hält der Akku auch nur 48 Stunden durch - vielleicht wird das nach ein paar Ladezyklen besser. Der Kindle 2 aber entlud sich auch bei ausgeschaltetem Funknetz binnen einiger Tage, selbst wenn man ihn nicht brauchte. Der Kindle 3 hingegen hat ohne Funkanbindung drei Tage durchgehalten ohne einen Pixel Veränderung ind er Batterieanzeige.

Die Lederhülle mit Leselicht. Der Leder- und Filzumschlag nutzt den gleichen Einhak-Mechanismus, um die Hülle direkt am Kindle zu befestigen, wie schon der Kindle 2. Allerdings sind die beiden Modelle nicht kompatibel, und die neue Hülle hat einen Verschluss-Elast. Vor allem aber hat sie ein in die rechte obere Ecke integriertes Leselichtlein, das sich aus der Hülle ziehen und den Bildschirm mit winzigen LED grade gut genug beleuchten kann, um im Stockdunklen zu lesen (oder nach Kerzen zu suchen). Der Clou: Die Energie für das Lämpchen stammt aus dem Kindle-Akku und wird über die Metallhaken der Hülle übertragen. Auf langen Flugreisen würde ich dennoch die Leselampe des Flugzeugsitzes benutzten, um nicht vier Stunden vor Singapur mit einem Toten Kindle dazusitzen. Der Umschlag kommt in vielen Farben. Sein Nachteil ist der hohe Preis von rund 50 Dollar. Aber darüber tröstet der nächste Vorzug des Kindle 3 hinweg:

Der Preis. Der erste Kindle kostete im Jahr 2007 in den USA 360 Dollar, für das stark verbesserte neue Modell habe ich vor einem Jahr 365 Dollar bezahlt (plus 29 für den Lederumschlag). Der Kindle 3 bietet wesentlich mehr als die beiden und kostet als reine Wifi-Version gerade mal 140 Dollar. Wer nicht auf die internationale 3G-Anbindung verzichten will, muss 190 Dollar hinlegen - etwas mehr als die Hälfte dessen, was ich für den weissen Vorgänger bezahlt habe. das allein macht den Vergeich mit Tablet-Computern obsolet.

Kritik und Wünsche an den Kindle 3? Nun, die Tasten und Knöpfe sind vielleicht eine Spur zu leichtgängig - oder das Gerät ist zu klein: Viel häufiger als beim Kindle 2 jedenfalls passiert es mir, dass ich aus versehen weiter blättere oder den 5-Richtungs-Knopf betätige. das passiert nicht so sehr beim Lesen, aber wenn man das Gerät eingeschaltet weglegen oder sonstwie anfassen will, drückt man gerne mal eine falsche Taste.

Nicht verstehen kann ich, dass der Kindle keine Zeitschaltung für das Wireless bietet. Eine Uhr steckt in dem Gerät wie in jedem Computer drin und es wäre ein Leichtes, eine kleine Anwendung mitzuliefern, die eine regelmässige Synchronisierung des Kindle 3 um, sagen wir, 5 Uhr morgens durchführt und nach zehn Minuten wieder ausschaltet.

Ich behelfe mir derzeit damit, den Kindle und Wifi morgens vor dem Duschen einzuschalten. Zum Frühstück sind meine Zeitungen dann drauf, und ich schalte das Funkmodul wieder aus.

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