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22.07.14

ACME Zoopa Q 410 Movie: Die „Billigdrohne“ mit Kamera im Praxistest

Eine riesige Verpackung. We Like - also steht drauf. (Foto: Sven Wernicke)

Eine Flugdrohne mit integrierter Kamera für unter 100 Euro? Das kann doch nichts taugen. Billigplastik aus China? Miese Kamera? Beides richtig. Und doch ist der Zoopa Q 410 Movie von ACME ein echter Spaß. Der Praxistest.

Eine riesige Verpackung. We Like - also steht drauf. (Foto: Sven Wernicke) Eine riesige Verpackung. We Like - also steht drauf. (Foto: Sven Wernicke)

Reduziert auf die reine Hardware ist die Zoopa Q 410 eine Flugdrohne aus dem niedrigen Preissegment. Die 170 g leichte Plastik-Konstruktion ist typisch für ein solches Fluggerät, verbaut wird ein 6-Achsen-Gyroskop für ein stabiles Flugverhalten. Der Quadrocopter ist 410 x 410 x 80 mm groß und passt damit durchaus in einen Rucksack - sehr praktisch. Der 500 mAh Lithium-Polymer-Akku hält zwischen sieben und neun Minuten und lässt sich bei Bedarf auch austauschen. Gesteuert wird das gute Stück mittels einer recht wuchtigen Fernbedienung, die mit 2,4 GHz (Känäle 4+3 - Foto, Video, Licht) funkt. Bis zu 120 m kann sich der Q 410 vom Nutzer entfernen. Die Kamera besitzt eine VGA-Auflösung (640 x 480 Bildpunkte). Bildstabilistator und andere technischen Spielereien? Pustekuchen.

Alles in allem reden wir hier also keinesfalls über kein Highend-Monster. Aber? ABER?

 

Keine Angst!

Ja, die Q 410 wirkt schon etwas simpel gestrickt. Auf der Unterseite ist die kleine Kamera zu erkennen, die ACME auch separat für andere Zoopa-Modelle für rund 20 Euro verkauft. Zwischen Cam und eigentlicher Elektronik, die durch eine dünne Plastikfläche eher provisorisch geschützt ist, steckt der Akku. Von dort aus geht ein Kabel in den Innenraum des Copters. Das sieht nicht professionell verarbeitet aus. Und so gesehen ist auch das eigentliche Gehäuse sehr weich, man hat regelrecht Angst, die Q 410 könnte keinen Absturz überleben. Doch keine Sorge: Mir ist das Teil etliche Male zu Boden geknallt, es schwamm auch mal in einem Bach.

Nicht so toll: Die Verarbeitung könnte überzeugender sein. (Foto: Sven Wernicke) Nicht so toll: Die Verarbeitung könnte überzeugender sein. (Foto: Sven Wernicke)

Bei näherer Betrachtung ist nicht alles simpel gehalten. Die Rotorblätter und die Motoren scheinen wertig zu sein, vier Flügel erhalten Käufer sogar als Ersatz. Außerdem liegt die große Remote, die mit vier AA-Batterien (nicht im Lieferumfang) gespeist wird, gut in der Hand, ist schnell verstanden und bietet dank flott erreichbarer Tasten und des LCDs einen Überblick über den Flieger. Auf dem Display wird man über Beschleunigung, Flugmodus (Anfänger, Experte), Batteriestatus, Funkempfang oder aktivierte Kamera bzw. eingeschaltetes Licht informiert. Das ist hilfreich, gerade für die ersten Versuche.

In die Luft gehen

Meine letzten Flugstunden mit anderen Drohnen waren schon einige Monate her, entsprechend stellte ich mich bei meinen frühen Versuchen mit der Q 410 an. Nach rund 10 bis 15 Minuten, also spätestens nach der zweiten Akkuladung, ist man mit den Eigenheiten vertraut. Perfekt geradlinig steigt die Q 410 nicht auf, zugleich hat der Quadrocopter ordentlich „Wumms“, also eine angenehme, aber flotte Geschwindigkeit. Wer verinnerlicht, wo vorne (rote Rotoren + Plastikkennzeichnung an Front) und hinten ist, kommt schneller klar. Und dann sind auch die zahlreichen Tasten auf der Fernbedienung von Relevanz: Auf Knopfdruck wird ein Foto geschossen oder eine Videoaufnahme gestartet, in Echtzeit ist auch der Wechsel vom Anfänger- zum Profimodus möglich. Wer sich für die zweitgenannte Option entscheidet, erhält noch mehr Kraft und Tempo. Mit der rechten Schultertaste wiederum kann weißes LED-Licht ein- und ausgeschaltet werden, dieses ist neben der Kamera sowie an Front positioniert. Die roten und blauen LEDs unter den Rotoren dagegen leuchten kontinuierlich - Energieverschwendung, auch wenn’s gut aussieht.

Ferner darf man die Trimmung links, rechts sowie oben und unten justieren sowie einen sogenannten Flip durchführen: Befindet sich die Q 410 in einer ordentlichen Höhe und nicht in Reichweite von Hindernissen, macht sie auf Knopfdruck eine 360-Grad-Drehung. Das ist witzig, aber nüchtern betrachtet kein sensationeller Mehrwert. Erfahrene Flieger können mit der linken Schultertaste einen manuellen Flip versuchen. Ich hab’s nicht hinbekommen. Nunja.

Ärgernisse

Was in meinen Augen nicht überlegt ist: Wieso kann die Q 410 nur mittels des beiliegenden Ladegeräts aufgeladen werden? Hätte sich ACME für reguläre USB-Anschlüsse entschieden, hätte ich mit einer externen Stromquelle unterwegs mal schnell etwas Saft spendieren können. So bin ich auf eine Steckdose angewiesen. Ähnlich verhält es sich mit der fest verbauten Kamera. Wi-Fi oder Bluetooth wären natürlich zu viel erwartet gewesen, aber das Einstöpseln des USB-Kabels ist sehr fummelig. Gleiches gilt für die Anschlüsse für Akku zur Elektronik - es gibt nicht einmal einen Ein-/Ausschalter für die Drohne. Stattdessen trennt man zwei Kabel voneinander. Das ist unschön.

Und wie angedeutet: Subjektiv betrachtet hat man das Gefühl, als würde die Drohne nicht gleichmäßig abheben und manchmal auch nicht ruhig in der Luft (bei Windstille) schweben. Hier hilft zwar das Trimmen weiter und kann diesen Makel weitgehend in den Griff bekommen - aber nicht vollständig. Das setzt voraus, dass man wirklich immer und zu 100 Prozent ein Auge auf seine Q 410 werfen sollte - sonst geht’s mit einem Sturzflug nach unten.

Die Unterseite wirkt nicht gerade wertig und stabil. (Foto: Sven Wernicke) Die Unterseite wirkt nicht gerade wertig und stabil. (Foto: Sven Wernicke)

Wirklich schwach ist so oder so die Kamera: VGA-Auflösung ist für eine Foto- und Videoaufnahme heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Auch bei entspannten Flügen kann man eigentlich das Erstellen eines Screenshots fast immer vergessen: Das Resultat ist verschwommen und lässt das Dargestellte kaum erkennen. Und bei der Videoaufnahme kommt es ganz auf Lichtverhältnisse und einen ruhigen Flug an. Dann kann man schon etwas erkennen und Freude an den Resultaten haben. Bei Dunkelheit kam bei meinen Aufnahmen trotz LED-Licht nichts heraus. Schade. Positiv ist eines: Bei der niedrigen Auflösung dauert es recht lange, bis die 2 GB große microSD-Karte aus dem Lieferumfang voll ist.

Wie ein durchschnittlicher Flug aussieht? Bitteschön. Dieses Video entstand noch in der Lernphase, also während erster Übungsrunden. Egal ob man gut oder schlecht navigiert - die Qualität der Cam ist nicht überzeugend. Ton gibt's gar nicht.

www.youtube.com/watch

Positive Erlebnisse

Genug genörgelt. Der Q 410 ist eine wunderbare Drohne – nämlich für blutige Anfänger, Einsteiger und all diejenigen, die einfach nur ihren kleinen Spaß zwischendurch haben wollen. Als Gag am Baggersee, auf der Terrasse oder im Garten - prima! Und sollte die Drohne bei unsachgemäßer Verwendung doch mal das Zeitliche segnen, ist es bei dem Preis vermutlich eher verschmerzbar, als hätte man die fünffache Summe ausgegeben. Zwischenzeitlich gab es die Q 410 bei Amazon sogar mal für 50 Euro - ein großartiger Preis, bei dem neugierige, potentielle Drohnen-Fans absolut nichts verkehrt machen. Auch für 100 Euro nimmt man erwähnte Makel durchaus in Kauf, zumal diese einen nicht vom Flugvergnügen abhalten. Der Akku genügt für durchschnittlich sieben Minuten (so meine Erfahrung) pausenloses Fliegen, die Videokamera liefert ausreichende Szenen bei ruhigen Flügen und an sonnigen Tagen - das genügt als Gimmick allemal.

Letztlich ist die Zoopa Q 410 Movie von ACME vermutlich ein exemplarisches Beispiel für viele ähnlich geartete Drohnen, die es bei zahllosen Händlern zu kaufen gibt. In der Preisklasse von maximal 100 Euro gibt’s Spaß für die Lüfte. Nicht spektakulär, aber eine launige Sache für große Jungs und Mädchen - die dann gerne auch mal weit über 30 Jahre alt sein können. :-) Ich selbst habe jetzt Blut geleckt und will mehr. Wird meine erste eigene Drohne wieder die Q 410? Oder greife ich zu einem besseren Modell? Ich befürchte, diese Maschine ist eine neue Einstiegsdroge. Bekommt sie euch, habt ihr vermutlich bald ein neues Hobby. Und wenn nicht, war der Versuch gar nicht mal so teuer...

Details zur ACME Zoopa Q 410 Movie gibt's auf der offiziellen Webseite. Kaufen könnt ihr sie zum Beispiel hier bei Amazon.

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