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02.08.12

3DS XL: Nintendos große 3D-Handheldkonsole im Test

Erstaunlich groß ist der 3DS XL. (Foto: Sven Wernicke)

Rund anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung der Handheldkonsole 3DS schiebt Nintendo eine deutlich größere Variante nach. Der 3DS XL ist wirklich „Extra Large“. Aber ist er auch eine Bereicherung für Spieler?

Erstaunlich groß ist der 3DS XL. (Foto: Sven Wernicke)So unscheinbar die Verpackung des 3DS XL, so groß die Überraschung. Ungewöhnlich schwer ist er, was wohl an den unzähligen Handbüchern mit Sicherheitshinweisen liegen dürfte. Denn nötiges Zubehör liegt dem Konsolen-Update nicht bei.

Ein Ladekabel oder gar die Ladestation vom Vorgänger? Auf die verzichtete Nintendo, ein kleiner Schriftzug auf dem Cover weist unauffällig darauf hin. Wer also das 200 Euro teure Gerät erwirbt und ein Netzteil vergisst, wird nach den ersten Stunden mit dem XL wieder zu einem Elektromarkt pilgern dürfen. Nintendo selbst gibt sogar offen an, dass man auf das Netzteil unter anderem aus Kostengründen verzichtete und davon ausgeht, viele „Umsteiger“ anzusprechen. Wer einen DS(i) oder den ersten 3DS besitzt, kann deren Netzteile verwenden. Und wer nicht - der zahlt zwischen 15 und 25 Euro drauf. Das ist wirklich ärgerlich und unverständlich, kostet der XL doch schon deutlich mehr als die normale Version des 3DS.

Ist der erste Schock verflogen, folgt die Überraschung. In der Tat ist die 3DS XL Handheldkonsole ausgesprochen wuchtig, groß und verhältnismäßig schwer (336 g statt 235 g). Gegenüber dem ersten Modell wuchsen beide Displays um 90 Prozent, somit ist der 3D-Bildschirm nunmehr 4,88 Zoll groß (3DS: 3,53 Zoll), der Touchscreen 4,18 Zoll (3DS: 3 Zoll).

Geblieben sind dagegen die Bildauflösungen von 800 x 240 Pixel (zweimal 400 x 240 für stereoskopische Bilder) beziehungsweise 320 x 240 Pixel. Auf gewisse Weise werden Spiele also hochskaliert, was sich bei 3DS-Titeln keinesfalls negativ bemerkbar macht. Durch die beeindruckenden Screens kommt der räumliche Tiefeneffekt besser zur Geltung, und bei Spielen wie "Super Mario 3D Land", "Kid Icarus Uprising" oder "Resident Evil: Revelations" beeindruckt der 3DS XL in jedem Fall.

Anders sieht es bei Nintendo-DS-Spielen oder gar Retro-Games aus dem eShop (Virtual Console) aus. Diese wirken teils unscharf oder verpixelt - unschön, aber offensichtlich technisch bedingt. Gleiches gilt für die nicht mehr ganz so deutliche Lichtintensität der Bildschirme: Gerade im Direktvergleich scheint der 3DS eine minimal stärkere Hintergrundbeleuchtung zu besitzen. In der Praxis, also beim Spielen, ist das glücklicherweise nicht von Relevanz.

Weitere Veränderungen

Das Design des 3DS XL wurde an etlichen Stellen optimiert oder komplett verändert. Beispielsweise ist das Gehäuse nun abgerundet und verzichtet auf Hochglanz-Lack, auf dem man jeden Fingerabdruck erkennen konnte. Jetzt dominiert der matte Look, um die Displays herum hinterlässt das Plastik sogar fast einen billigen Eindruck.

Aber es gibt auch positive Aspekte zu berichten: Die Tasten für Select, Home und Start wurden endlich durch vollwertige Buttons ersetzt, die vier Aktions-Knöpfe (X, Y, B, X) sitzen stabiler und quietschen nicht mehr. Und der Klappmechanismus der Konsole ist jetzt nicht mehr so wackelig wie beim Vorgänger.

Wegrationalisiert wurde die kleine blaue LED, die neben dem 3D-Regler platziert war. Löblich ist, dass der vollwertige Stylus jetzt auf der rechten Seite unterhalb angebracht ist. Vorher musste der Stift umständlich neben dem Modulschacht herausgefriemelt und dann ausgefahren werden.

Alles in allem gefallen die dezenten Anpassungen. Der 3DS XL sieht keinesfalls wertlos aus, er ist sichtlich sehr robust und liegt fein in der Hand. Trotz der größeren Abmaße wird das Halten des Gerätes nicht unangenehm – ganz im Gegenteil. Fein: Die Displays wurden besser entspiegelt, das Spielen bei stärkerer Sonneneinstrahlung fällt somit sehr viel leichter.

Unveränderte Nachteile

Technisch hat Nintendo keine ernstzunehmenden Anpassungen vorgenommen. Unverändert ist der Blickwinkel bei der 3D-Darstellung sehr gering. Schwenkt man den 3DS XL ein wenig nach links oder rechts, ist es vorbei mit dem Effekt. Man muss also unverändert in der richtigen Position vor der Handheld-Maschine sitzen. Einige Nintendo-Freunde beklagen auch die Abwesenheit eines zweiten Circle-Pads, was wie bei dem 3DS erst durch ein separates Zubehör nachgeliefert wird. Es ist in dem Fall eine Krux: Da auch der XL über keine zweite Analogstick-Scheibe verfügt, dürften die Spieleentwickler nicht motiviert sein, die optionale Peripherie intensiv zu unterstützen, weil niemand davon ausgehen kann, dass sich alle Spieler diese für noch einmal 15 Euro kaufen. Und da bisher nur vier Spiele Gebrauch vom zweiten Circle Pad machen, sah wohl niemand bei Nintendo die Notwendigkeit, diesen in den XL zu integrieren. Nüchtern betrachtet wird er so oder so nicht zwingend benötigt, obwohl er perspektivisch sicherlich eine Bereicherung für die Spielesteuerung hätte sein können.

Ein Problem des 3DS hat Nintendo versucht, in den Griff zu bekommen. Der kurzen Standby- und Spielzeit begegnet man mit einem stärkeren Akku, der sogar etwas bringt. Im besten Fall und bei Standard-Einstellungen (mittlerer 3D-Effekt, Stromsparmodus und durchschnittliche Display-Helligkeit) kann man durchaus bis zu zwei Stunden länger spielen, was freilich nur begrenzt Sinn macht. Nintendo empfiehlt schließlich selbst, regelmäßige Pausen beim Gebrauch von 3D zu machen. So oder so hat man am Stück bis zu sechs Stunden, bei NDS-Spielen sogar über sieben Stunden seine Freude, ohne dass der 3DS XL wieder Energie einfordert. Minimal verlängert hat sich die Standbyzeit, wobei hier die PlayStation Vita mit ihren zwei, drei Wochen natürlich unerreicht ist. Wenn der 3DS XL ihre vier Tage schafft, kann man schon zufrieden sein.

Das war’s?

Es ist sicherlich deutlich geworden: Nintendo hat hier und da ein wenig nachgebessert, weitgehend aber bleibt alles wie gehabt. Sämtliche Menüs sind identisch, das Gerät nutzt die gleiche Oberfläche und Funktionen. Auch die verbauten Kameras erhielten nicht mehr Megapixel, und echtes Multitasking ist für den 3DS XL sowie ein Fremdwort. Hart genommen ist der „Neue“ also genau die gleiche Konsole in größer. Mehr sollte hier niemand erwarten. Für Umsteiger sei verraten: Mittels der Datentransfer-Funktion (Optionen) kann man alle Inhalte von der alten 3DS-Konsole auf den XL übertragen, ohne dass etwas verloren geht. Daten von der Ursprungsplattform werden dann aber gelöscht. Gut, dass es dieses Feature gibt.

Fazit

Das Fazit dürfte Kenner und Besitzer des 3DS kaum überraschen: Wer mit der bisherigen Handheldkonsole zufrieden ist und keine größeren Bildschirme benötigt, muss gar nicht erst darüber nachdenken, ob sich ein Kauf womöglich lohnt – tut er nämlich nicht. Wer seine 3DS-Spielesammlung auf den größeren Displays erleben möchte, hat dagegen keine andere Wahl. Es ist sicherlich ernüchternd, dass dem 3DS XL gewünschte Funktionen nach wie vor fehlen und moderne Aspekte wie zum Beispiel ein HDMI-Ausgang komplett ignoriert werden. Das ändert nichts an der von Nintendo gewohnten Qualität, der intuitiven Bedienung und dem einsteigerfreundlichen Konzept der Plattform.

Besitzt man dagegen noch gar keinen 3DS, steht man vor der Qual der Wahl: Der 3DS XL ist größer, aber auch mindestens 30 Euro teurer. Und ihr liegt kein Netzteil bei, das weitere 15 Euro kostet. Damit ist das „alte“ Modell rund 50 Euro günstiger. Für diese Summe würde man ohne weiteres noch ein Spiel und das Circle Pad als Zubehör oder eine Schutzhülle bekommen. Letztlich nehmen sich die beiden Modelle nicht viel und stellen Spieler in jedem Fall mehr als zufrieden. Eine Voraussetzung muss aber erfüllt werden und gilt für Normal und XL gleichermaßen: Das Spieleangebot muss einem gefallen. Wer mit diesem glücklich ist, kann getrost zur XL-Version greifen, wenn er einen schön großen 3DS haben möchte.

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