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07.02.12

Inbox Management: E-Mails machen dumm - aber was ist die Alternative?

Die Ratgeber zur E-Mail-Flut ist inzwischen fast gleich gross wie die Anzahl versendeter E-Mails. Pragmatisches Vorgehen ist gefragt.

@ Zeichen im Museum of Modern Art, New YorkE-Mails machen dumm, arm und krank ist ein Buch der österreichischen Digital-Therapeutin (!) Anitra Eggler . Eggler hat nach eigenen Angaben gefühlte 3'716'796 E-Mails bearbeitet, eineinhalb Lebensjahre vermailt und zweieinhalb Lebensjahre im Internet versurft. Und in ihrem Buch und ihren Vorträgen verrät sie, wie sie «vom Burnout-Boarderliner zur effizienten Digital-Domina mit XL-Freizeit und Privatleben wurde.»

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E-Mail macht dümmer als kiffen

Eggler berichtet darin von einer Studie des britischen King’s College, nach der bekiffte Menschen IQ-Tests besser lösen als Menschen, die durch E-Mails abgelenkt werden: E-Mails verminderten den gemessenen IQ-Wert um 10 % - doppelt so stark als bei den Kiffern. Oder dass 60 Prozent aller US-Amerikaner E-Mails via Handy morgens im Bett lesen und zehn Prozent rund um die Uhr. Und die New Yorker Beraterfirma Basex hat bereits 2008 herausgefunden, dass Angestellte durch Ablenkung im Schnitt 2,1 Arbeitsstunden am Tag verplempern - 28 Milliarden Arbeitsstunden im Jahr. Das wurde als gesamtwirtschaftlicher Schaden von 588 Milliarden US-Dollar beziffert.Die Tipps, die Eggler dazu gibt, klingen soweit sehr vernünftig: Zum Beispiel, dass man den Tag offline beginnt und seine E-Mails nicht schon im Bett oder auf der Toilette checkt. Oder ein E-Mail-Budget für Unternehmen: Jeder Mitarbeiter darf am Tag nur 21 E-Mails senden. Drei fest definierte Internet-Surf-Zeiten pro Tag oder ein maximales Surf-Zeiten-Budget. Oder einfach aufzuhören, aus geistiger Erschöpfung, unersättlichem Recherche-Zwang, purer Langeweile oder innerer Leere zwanghaft Ablenkungsheil im Web zu suchen

Manche Tipps klingen vernünftig, vor allem, weil sie die eigenen Handlungen im Web bewusst machen. Die Zeit genau zu beschränken halte ich für nicht zielführend. Überhaupt ist vieles eine Frage der Betrachtungsweise: Natürlich macht man sich durch Smartphones und Co. allseits verfügbar - aber mir persönlich sparen sie auch eine Menge Zeit, weil ich in Leerzeiten unterwegs E-Mails und Tweets lesen und beantworten kann.

Eine Frage des richtigen Kanals

Interessanter finde ich die Idee, seine Kommunikationspartner auf bestimmte Kanäle zu beschränken, die für die jeweilige Kommunikation besser geeignet sind, wie IBM-Manager Luis Suarez das heute schon tut. Thomas hat in dem Beitrag sehr schön beschrieben, dass die Zukunft des Internet vermutlich nicht weg vom Internet sondern noch mehr ins Internet hinein führen wird - und auf entsprechend effizienteren Kanälen als E-Mail stattfinden wird.

Denn was beim Schimpfen auf die E-Mail-Flut gerne vergessen wird: Wie hat denn Kommunikation in der Vor-E-Mail-Zeit stattgefunden? Natürlich auch per Post, die aus Kostengründen sicher nicht in solchen Massen ins Haus kam wie E-Mails. Aber eben auch per Telefon. Wenn ich mir nur vorstelle, dass ich am Tag nur halb so viel Anrufe erhalte wie E-Mails - dann würde ich schier verrückt werden bei dem ständigen Geklingele. Interessant ist aber, dass es zahlreiche Studien zu Überforderung und Stress durch Soziale Netzwerke, E-Mails und Internet gibt - aber eben kaum zum Telefon.

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