<< Themensammlung Organisieren

13.11.12

Wie man verhindert, dass einem Zeit gestohlen wird I/II: Der Zeitdieb profitiert von Deiner Höflichkeit

Wer kennt das nicht: Ständig wollen alle was von uns und stehlen uns kostbare Zeit. Verhindern kann das nur, wer auf Tunnelblick umstellt und uninteressante Anfragen radikal abblockt. Auch wenn einem dadurch auch mal eine spannende Gelegenheit oder sogar ein Auftrag entgehen kann.

Wir hatten es hier im Blog schon öfters davon, wie man mit zeitfressenden E-Mails umgeht (zum Beispiel hier, hier und hier). Darüber, welches Problem eigentlich dahinter steckt, wird hingegen selten gesprochen. Denn das Problem am Computer sitzt ja bekanntlich zwischen Rückenlehne und Tastatur, also im Kopf des Menschen, der da kommuniziert. Und das betrifft eben nicht nur E-Mails, sondern die gesamte Kommunikation.

Telefonate ohne Ziel und Zweck?

Ich muss nur daran denken, wie oft ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Blogger um ein Telefonat gebeten werde, wofür es in der Regel keinen Grund gibt – außer dass mein Gegenüber glaubt, es könne mich am Telefon noch besser von seinem Standpunkt überzeugen. Vielleicht ist den Leuten auch gar nicht klar, was sie nun wirklich wollen, und sie tun sich dementsprechend schwer damit, ihr Anliegen kurz und prägnant in Worte zu fassen.Oder der Fall, als mich jemand bei Xing bezüglich einer Kooperation anschrieb und unverschämt-penetrant immer wieder um einen Telefontermin bat. Wie sich später herausstellte, ist besagter Mensch pleite und einschlägig für seine Aufdringlichkeit bekannt. Zum Glück hatte ich mich nie darauf eingelassen. Und kürzlich wurde ich von einer großen deutschen Jobbörse behelligt, deren Mitarbeiter durch erschreckende Unkenntnis ihres Fachgebietes auffielen und die sich am Ende noch wünschten, dass ich mir die Zeit für ein ausführliches Feedback nehme – unentgeltlich, versteht sich.

Der gesellschaftliche Konsens wird ausgenutzt

Solche Menschen nutzen einen bestehenden gesellschaftlichen Konsens in der Kommunikation für sich aus: Nämlich den des höflichen Umgangs miteinander. Denn selbst wenn man schon ahnt, dass der Dialog eigentlich zu keinem Ergebnis führen wird, will man ja doch kein Unmensch sein und die Leute nicht gleich abwimmeln: Erstmal hören was der andere zu sagen hat, denkt man – und merkt dann früher oder später, dass diese Höflichkeit ein Fehler war.

Denn wenn die Zeitdiebe erstmal den Fuß in der Tür haben, lassen sie so schnell nicht mehr locker. Aus Erfahrung sozusagen klug geworden, wimmle ich daher schon instinktiv jede Anfrage ab, die irgendwie nicht ganz klar und eindeutig daher kommt. Im vergangenen Jahr hätte mich diese Abwehrtaktik beinahe einen gut bezahlten Auftrag gekostet, ganz zu schweigen von den vielen interessanten Menschen, die ich auf diese Weise niemals treffe – Tunnelblick statt Serendipität sozusagen. Auch Menschen als Zeitfresser zu titulieren, ist sicher nicht die feine englische Art. Und doch erscheint mir diese Methode die einzig mögliche, um mit den Zeitdieben aus Fleisch und Blut fertig zu werden.

Nun bin ich selbständig und habe das Glück, unabhängig von der Wut eines Chefs agieren und mir meine Kollegen und Kunden quasi aussuchen zu können. (Die Wut mancher möchtegern-Kunden oder Kooperationspartner ist mir indes sicher). Was aber tun Arbeitnehmer, die sich ja in gewisser Weise mit solch problematischen Kollegen oder gar einem Chef, der einem die Zeit stiehlt, abfinden müssen? Für sie habe ich in Teil zwei dieses Artikels ein paar Tipps parat.

 

Bild: Yung Tsai bei flickr.com (CC BY 2.0)

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer