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22.09.14

Motivation unter extremen Bedingungen: Reinhold Messner im Interview

Im August habe ich auf Schloss Sigmundskron in Bozen, Südtirol, den Extrembergsteiger Reinhold Messner interviewt – hier gibt es auch ein Video-Interview mit Reinhold Messner. Der Südtiroler bestieg als erster alle 14 Achttausender und durchquerte die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi zu Fuß. Zudem ist er ehemaliger Politiker, Buchautor und Redner bei Manager-Seminaren.

Reinhold MessnerWas motiviert Menschen zu extremen Leistungen?

Man kann anderen Menschen Motivation nicht aufzwingen, z.B. durch Geld. Die ganzen Motivationsgurus und Motivationsseminare sind daher rausgeschmissenes Geld. Motivation steckt viel mehr in uns, man kann sie nur wecken und dann staunen.

Ich bin grundsätzlich nur mit Leuten losgegangen, die dieselbe Motivation haben wie ich selbst. Beispiel Antarktis-Durchquerung: Wenn meine Mitstreiter nur durch Geld motiviert worden wären, hätten sie wohl möglich nach einer Woche aufgegeben. Das wäre schlicht unmöglich gewesen.Kann ein guter Leader motivieren?

Führung funktioniert in einer archaischen Welt ganz anders als in unserem Verständnis: Der Leader wird von der Gruppe gewählt, die sich gemeinsam und instinktiv für die stärkste Persönlichkeit entscheidet. Ein Machtgerangel gibt es nur, wenn die Stärke der führenden Person einen Einbruch erleidet.

Der gegenseitige Austausch ist ein Aspekt, der oft nicht beachtet wird: Der Leader bekommt die Energie der gesamten Gruppe. Wenn er allerdings seine Führungsrolle abgibt, muss er die Energie auch wieder zurückgeben. Daher wird er oft zum schwächsten Glied der Gruppe.

Wie motiviert man sich selbst?

Ich habe immer die höchsten Ansprüche an mich selbst gehabt. Widerstände muss man annehmen und überwinden: Mit Steinen, die einem jemand in den Weg legt, kann man Großes bauen. Erfolg bedeutet, einen völlig neuen Zugang zu einem Problem und alternative Lösungen zu finden. Wenn ich die nicht finde, kann ich etwas nicht machen. Das gilt für meine Expeditionen genauso wie für meine unternehmerischen Aktivitäten.

Allerdings muss immer Leidenschaft dabei sein: Jeder sollte in seinem Job Leidenschaft verspüren und tun, was er gerne macht. Nur dann ist er wirklich gut. Schwierig und sozial ungerecht ist, dass das nicht allen möglich ist.

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