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19.12.11

Entscheidungen: Wenn der Impuls trügt - und zögern hilft

Intuition ist eine wichtige Fähigkeit, um Entscheidungen zu treffen. Bloss dem Bauch alleine solltest Du wichtige Fragen doch nicht überlassen. Einige Tipps, wie man auch unter Zeitdruck überlegte Entscheidungen trifft.

Wenn man Entscheidungsratgeber liest, geht es meist darum, Entscheidungen strukturiert Schritt für Schritt anzugehen. Eine Pro- und Contra-Liste aufzustellen ist da noch eine der einfacheren Methoden, die angeboten werden. In der Regel wird empfohlen, Informationen einzuholen, Kriterien aufzustellen und die gewonnen Erkenntnisse gegeneinander abzuwägen - auch rein rechnerisch. Im Endeffekt ist das vielen zu umständlich, es scheint zu mühselig, alle notwendigen Informationen einzuholen.

Eine aktuelle Studie zeigt z.B., dass fehlende Informationen oftmals die Quelle für Fehlentscheidungen sind. Das Forschungsunternehmen Kelton Research befragte 500 Vorstände, Manager und IT-Entscheider aus Deutschland und 16 weiteren Ländern. Die Studie hat untersucht, wie Unternehmen und Entscheider mit der stetigen Zunahme von Daten und Informationen umgehen. Ein Ergebnis: Deutsche Unternehmen, die bereits fehlerhafte Entscheidungen getroffen haben, geben an, dass die Daten veraltet waren (42 Prozent), zu ungenau waren (25 Prozent) oder aus fragwürdigen Quellen stammten (17 Prozent).

Bauchentscheidungen aus dem Kopf heraus

Ich bin kein Feind intuitiver Entscheidungen, im Gegenteil. Aber man muss sich klar machen, dass Bauchentscheidungen dann doch auch mit dem Kopf zu tun haben: Sie laufen nämlich im Prinzip genauso ab wie eine strukturierte Entscheidung – allerdings unbewusst und oft in Sekundenbruchteilen, sodass Du es nicht einmal wahrnimmst: Du hast ein Ziel vor Augen, wägst die Informationen ab – und entscheidest Dich für oder gegen eine Alternative. Wer hier schnell und sicher entscheiden kann, ist im Berufsalltag klar im Vorteil, denn er gilt als entscheidungsfreudig und selbstbewusst.

Doch bergen solche intuitiven Entscheidungen auch Risiken: Entgegen der landläufigen Meinung, nach der die erste, intuitive Entscheidung richtig ist, belegen zahlreiche psychologische Studien, dass es fast immer besser ist, sich umzuentscheiden, statt an der ersten Eingebung festzuhalten. Denn Änderungen machen viel häufiger aus einer falschen eine richtige Antwort als umgekehrt. Daher ist es gar nicht so verkehrt, wenn man gelegentlich eine Neigung zum Zögern verspürt und eine Entscheidung nochmals überdenken will – in der Mehrheit der Fälle zahlt sich das tatsächlich aus (und wer Zeit hat, sollte am besten darüber schlafen).

Fehlentscheidung durch Vereinfachung

Die Erklärung für dieses Phänomen ist simpel, wenn man sich klar macht, dass Menschen eine gewisse Tendenz haben, Sachverhalte zu vereinfachen: So selektiv, wie die menschliche Wahrnehmung ist, läufst Du bei intuitiven Entscheidungen schnell Gefahr, wichtige Informationen zu übersehen. Denn letztendlich fällst Du eine Entscheidung aus dem Gefühl aufgrund bisheriger Erfahrungen, persönlicher Vorlieben und Gewohnheiten, ohne diese Faktoren überhaupt bewusst wahrzunehmen. Eine spontane Entscheidung fühlt sich vielleicht nur deshalb richtig an, weil sie etwas bestätigt, was Du schon kennst. Doch kann sie genauso gut falsch sein.

Ein Tipp für alle, die dennoch schnell entscheiden müssen und sollen: Verschaffe Dir zunächst einen Moment der Klarheit. Nimm Dir Zeit. Allein. Wenigstens fünf Minuten. Diskutiere nicht und verschwende diese Zeit nicht! Mach Dir klar: Du brauchst die Pause, um optimal zu entscheiden. Notiere Dir: Wie entscheidest Du Dich spontan? Entscheidet Dein Kopf oder Dein Bauch? Analysiere rational: Worum geht es bei der Entscheidung konkret, wer und was ist betroffen? Bring Deine spontanen Gefühle mit dem Ergebnis Deiner rationalen Analyse zusammen: Wie entscheidest Du Dich, nachdem Du alles rational durchdacht hast?

(Artikelbild: Jeff Horsager bei flickr.com)

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