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31.05.12

Smartphones: Macht Android produktiver?

Android ist in Deutschland inzwischen das meist genutzte Betriebssystem für Smartphones. Wie lässt sich damit arbeiten? Ein Selbsttest.

Nach vier Jahren iPhone war es vor einigen Wochen soweit: Ich habe mir ein Android Smartphone zugelegt, das HTC One X - hier bei neuerdings.com vorgestellt. Ausschlaggebend war das grössere Display. Ich hatte Smartphones mit Displays über vier Zoll in den Händen - sowas wollte ich auch. Als imgriff.com-Autor interessiert mich bei solchen Geräten immer die Frage: Macht es produktiver? Hier einige Erkenntnisse aus den ersten Wochen.

Lesen von Feeds und Websites

Ich habe rund 150 RSS Feeds abonniert, die ich regelmässig lese; die meiste Zeit nutze ich dafür mein Smartphone. Und klar: Mit einem 4.7 Zoll-Display macht das einfach mehr Spass (hier der Grössenvergleich zum aktuellen iPhone). Wie viele Menschen «scanne» ich Inhalte im Web - lese also nicht von oben nach unten, sondern meine Augen verschaffen sich «hüpfend» eine Übersicht der Seite und ich entscheide dann, ob ich in den Text «einsteige». Da ist mehr Bildschirm schlicht besser - was allerdings kein Android-, sondern ein Gerätevorteil ist. Aber da es keine iOS-Geräte in der Grösse gibt, muss man das OS wechseln, wenn man davon profitieren will.

Das Teilen von Inhalten via Facebook, Twitter & Co.

Die Entwickler von Apps und Software geniessen bei Android mehr Freiheiten als bei iOS. Offenbar führt das zu einer grösseren Vielfalt an Lösungen. Genial finde ich das Sharing-Feature von Android bzw. dem HTC-Derivat Sense: Jeder Sharing-Dienst ist an allen Orten in einer Liste vorhanden. Wer schon mal versucht hat, ein Social Media Tool wie Hootsuit oder einen Bookmarking-Dienst wie Instapaper in den iOS-Workflow zu integrieren, weiss, wovon ich rede. Das ist bei Android um Welten einfacher.

Homescreens und Widgets

Klarer Punkt für Android: Auf den Homescreens kann ich Widgets verwenden - kleine App-ähnliche Programme, die verschiedene Funktionen übernehmen. Das Kalenderwidget etwa zeigt mir den Kalender direkt auf dem Homescreen an. Für die Steuerung meines Smartphones kann ich Switcher Widgets installieren; kleine Knöpfe, um WiFi, USB oder meinen Hotspot direkt vom Homescreen einzustellen. Widgets erlauben mir, mein Smartphone wirklich individuell zu gestalten. Und ganz ehrlich - ich habe nie verstanden, wieso Apple Widgets auf iOS nicht zulässt.

Notizen auf dem Homescreen

Natürlich gibt es - wie für iOS - auch für Android unzählige Notizen-Apps und Programme für Post it-Zettelchen. Aber auf Android kann ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen: Post it-Zettelchen direkt auf dem Homescreen anzeigen lassen. Meine Tages-To Do-Liste sitzt nun prominent auf dem ersten Homescreen; jedes Mal, wenn ich auf das Display gucke, leuchten mir die fünf Aufgaben von heute entgegen. Mir hilft das beim Fokussieren auf die anstehenden Aufgaben - und macht die Papierzettelchen überflüssig. Sehr genial.

Der Micro USB-Anschluss

Das HTC verfügt über einen Micro USB-Anschluss. Für Apple-Nutzer: Das ist ein so genannter Industriestandard, also ein Anschluss, den ganz viele Firmen für ganz viele Geräte verwenden. Plötzlich passt das Ladekabel meines Telefons auch für den Kindl oder das Headset. Ich trage nur noch ein Kabel mit mir rum. Auch schön.

Was fehlt: Omnifocus

Omnifocus ist mein Task Manager, den ich für die Verwaltung aller Aufgaben und Projekte einsetze. Und Omnifocus ist Mac-Software, sowohl auf dem Desktop wie auf dem mobilen Endgerät (hier ein Tipp von Gregor dazu) nur für Betriebssysteme aus Cupertino erhältlich. Da ich Omnifocus weiter einsetze, bleibt mir nur ein Workaround, und zwar unterwegs neue Aufgaben in einer kleinen Notiz zu speichern. Ich habe Omnifocus auf iOS relativ wenig verwendet, deshalb schmerzt es nicht, ist aber unschön.

Android vs iOS - gibt es einen Produktivitätssieger?

Nein, natürlich nicht. Es kommt darauf an, wäre wohl die so langweilige wie korrekte Antwort: Ich lese beruflich viele Blogs und News-Sites mit dem Smartphone, deshalb ist ein Gerät mit grösserem Display für mich die bessere Lösung. In den vergangenen Wochen hat es sogar mein iPad zu Hause abgelöst - leichter, immer dabei und trotzdem genügend Bildschirm. Die Möglichkeit, mein Smartphone stärker zu individualisieren finde ich praktisch - ob ich damit um Welten produktiver werde, bezweifle ich.

Zurück zum iPhone? Nein, danke.

Gewöhne ich mich an ein neues OS auf dem Smartphone oder werde ich es nur mühsam finden? Die Antwort kam für mich sehr überraschend: Nach etwa einer Woche wollte ich das HTC nicht mehr missen. Ich sehe keinen Grund, zurück zum iPhone zu wechseln. Und kann nun etwas amüsiert die Gerüchteküche um das erwartete iPhone 5 verfolgen. Das scheint zu bedeuten, dass ich a) doch noch nicht so veränderunsgresistent bin und b) die Android-Leute schon einiges richtig machen.

Android-Logo von Google (CC BY 3.0)

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