<< Themensammlung Organisieren

22.09.11

Selbstoptimierung: Lifetracking Tool mit ifttt, selbstgemacht.

Sich das eigene Verhalten bewusst zu machen, kann helfen, Gewohnheiten zu ändern - etwa ein Tagebuch zu führen. Nach drei Tagen lässt mein Elan aber häufig nach. Mit dem neuen Webservice von ifttt lasse ich nun «das Internet für mich arbeiten».

Hertzsprung-Russel-Diagramm (Bild: Anders Sandberg bei flickr.com, CC BY 2.0)Lifetracking oder die Quantified Self-Bewegung liegen im Trend: Wir sammeln Daten über uns selbst, um unser Verhalten zu ändern und unsere Lebensweise zu verbessern. Das ist nichts Neues - ein Zeittagebuch etwa wird seit jeher als Ausgangspunkt für verbessertes Zeitmanagement empfohlen.

Neu ist die Technologie: Mit dem Smartphone erfasse ich beim Essen die Kalorien. Runtastic zeichnet die gejoggten Kilometer auf und archiviert sie.

Sanfter Tritt in den Hintern per E-Mail

Mir gefallen die E-Mail-unterstützten Webservices: OhLife, The Birdy oder iDoneThis haben wir schon vorgestellt: Jeden Tag erhalte ich z.B. von The Birdy ein Mail mit der Aufforderung, meine Tagesausgaben als Antwort zurückzusenden. The Birdy speichert die Daten und erstellt eine grafische Auswertung. Das tägliche E-Mail kann verhindern, dass ich mein neues Vorhaben nicht schon nach drei Tagen wieder «vergesse».

Die berechtigte Kritik an diesen Services: Vielfach gibt es keine Exportmöglichkeiten, meine Daten bleiben eingeschlossen. Ausserdem muss ich darauf vertrauen, dass der Anbieter meine Tagebucheinträge tatsächlich nicht an ein Boulevard-Blatt verkauft. Ein vor wenigen Tagen gelaunchter Webservice könnte hier aushelfen: ifttt Auftritt ifttt: Das Beste seit langem

ifttt bietet mir die Möglichkeit, ein Lifetracking-Tool selbst zu basteln - und die Kontrolle über die eigenen Daten weitgehend zu behalten. Kollege Martin ist begeistert (Das Beste seit langem) und hat die Funktionsweise beschrieben:

Der vollständige Name der Site «if this, then that» (= ifttt, zu Deutsch “Wenn dies, dann das”) trifft es da eigentlich schon ganz gut: Nutzer können einzelne Applikationen und Prozesse verbinden und auf vielseitige Weise miteinander interagieren lassen, um sich ihren Internetalltag zu erleichtern und effizienter zu gestalten. Ein «Task» genannter Vorgang besteht dabei immer aus einem «Trigger» (Auslöser) und einer «Action» (Aktion).

Rund 35 Applikationen können miteinander verknüpft werden, Facebook, Twitter, Evernote, Mail oder der Google Kalender gehören dazu. Ein einfacher Task etwa wäre, ein neues Bookmark in Delicious automatisch als Tweet zu versenden. Oder ein Foto von Facebook, in dem ich getaggt wurde, in meiner Dropbox abzulegen. Das Tolle daran: Als Laie benötige ich etwa zwei Minuten, um einen solchen Task in ifttt aufzusetzen.

Prozessketten mit ifttt

Spannend wird es, wenn ich verschiedene Tasks zusammenhänge und eigentliche Prozessketten aufbaue. Zum Beispiel eben ein E-Mail-basiertes Lifetracking-Tool, um damit Dienste wie OhLife zu imitieren:

     

  1. Ich kreiere einen Task, der mir montags um 18 Uhr eine E-Mail schickt. Darin ist die Aufforderung enthalten, mein Tagesgewicht anzugeben.
  2. Dieses Mail schicke ich mit der entsprechenden Zahl an ifttt zurück.
  3. ifttt schickt das Mail an meinen Google Kalender und trägt dort mein Tagesgewicht ein.

Das gleiche funktioniert auch mit herkömmlichen Tagebucheinträgen, dafür aber lasse ich im dritten Schritt die E-Mail-Antwort an Evernote schicken. ifttt legt es automatisch in ein von mir definiertes Notizbuch ab.

Mein Leben in einer Nussschale. Oder in Evernote.

Ich habe die Idee weitergesponnen und mir ein nahezu vollständiges Lifetracking-Tool gebastelt:

  • Die erwähnten Tagebucheinträge mache ich mit den Task «E-Mail zusenden» und »Antwort in Evernote ablegen».
  • Meine Gewichtsstatistik lasse ich auch an Evernote schicken.
  • Ortsbasierte Infos bzw. meine Foursquare-Check-Ins archiviere ich ebenfalls per ifttt in Evernote.
  • Das Foto des Tages, das ich mit Instagram aufgenommen habe, geht ebenso via ifttt an mein Notiztool.
  • Wichtige Events in meinem Google Kalender kan ich mit einem Keyword versehen, die ebenfalls einen ifttt-Task auslösen - die Ablage in Evernote.
  • Dasselbe funktioniert mit dem Wetter: Jeden Tag um 18 Uhr lasse ich den aktuellen Wetterstand via ifttt in meinem Evernote archivieren.

Betrachte ich um Mitternacht mein Notizbuch in Evernote, habe ich meinen Tag in einer Nussschale vor mir: Meine Gedanken, meine Bilder, wichtige Treffen, besuchte Orte, meine Gewichtskurven, wie das Wetter war - was immer mir aufbewahrungswürdig scheint. Sei es, um aus den gesammelten Daten passende Massnahmen abzuleiten («Rotwein zum Essen wird für zwei Wochen ausgesetzt») oder mein Evernote-Notizbuch in ein paar Jahren mit meinen Grosskindern durchzublättern.

Schon cool, dieses Internet.

(Bild: Hertzsprung-Russel-Diagramm, Anders Sandberg bei flickr.com, CC BY 2.0)

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer