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08.10.09

Produktivitätskiller für Freelancer

Eigentlich hat man es als Freelancer oder Solopreneur verdammt gut: Man kann prinzipiell arbeiten wann und wo und wie man will. Eigentlich! Denn oft bringen die Kunden den Traum des selbstbestimmten und selbstorganisierten Arbeitens schnell zum Platzen, da sie es nicht gewohnt sind, verteilte Teams zu managen – und teilweise mit vorsintflutlicher Infrastruktur arbeiten.

Als Freelancer mit dem Kunden durch die Hölle Als Freelancer mit dem Kunden durch die Hölle

Ob Texter oder Cutter, Fotograf, Grafikdesigner oder Webentwickler – viele Freelancer in der Kreativ-, IT- oder Unterhaltungsbranche arbeiten in verschiedenen Projekten gleichzeitig. Hier mal einen Pitch für eine Agentur mitmachen; da mal ein Projekt für einen mittelständisches Unternehmen dazwischenschieben; und natürlich immer für die Stammkundschaft auf Abruf bereit stehen. Vielleicht treibt man in auftragsfreien Zeiten obendrein noch ein eigenes Projekt voran.

Dabei wird häufig in verteilten Teams gearbeitet. Vielleicht sitzt ein Projektmanager vor Ort beim Kunden in Nord-Deutschland, ein Entwickler-Team arbeitet in einem Coworking-Space im Süden und der Spezialist für User Experience verweilt in seinem Berliner Home Office.

Schlecht organisiert zu sein, können sich Freelancer nicht leisten

Viele Freelancer sind es gewohnt, auf diese Weise zu arbeiten und organisieren sich entsprechend. Denn schlechte Organisation frisst Zeit – und Zeit bedeutet für Freelancer in den allermeisten Fällen Geld. Wer länger als Freelancer arbeitet, für den ist es unerlässlich, sein Solo-Unternehmen professionell zu managen und sich eine Infrastruktur für effektives Arbeiten zu schaffen.

Briefings oder Meetings mittels Skype oder Google Hangout gehören zum Alltag. Ein funktionierendes Dateimanagement inklusive Backup Routine, eine Terminplanung, eine gepflegte Zeiterfassung, ein strukturiertes E-Mail-Management sind essentiell – die meisten Freelancer werden zudem Tools zum Wissens- und Projektmanagement, zum kollaborativen Arbeiten und zum Datenaustausch verwenden. Meist liegt alles in der Cloud, um von unterwegs, im Urlaub oder aus dem Home Office jederzeit Zugriff zu haben.

Natürlich hat jeder Freelancer so seine eigenen Vorlieben und Tools – aber arbeitet man mit Auftraggebern zusammen, die es gewohnt sind in verteilten Teams zu arbeiten, einigt man sich schnell auf eine gemeinsame Infrastruktur. Probleme gibt es meist dann, wenn Auftraggeber – meist mittelständische Unternehmen bzw. mittelalterliche Agenturen aber auch sogenannte Global Player – genau diese Art zu arbeiten, nicht gewohnt sind. Da wird man als Freelancer oft gezwungen, sich mit den veralteten Strukturen der Auftraggeber auseinanderzusetzen.

Kunden aus der Hölle haben Handlungsbedarf

Dropbox? Nie gehört, schicken Sie das auf CD. Springloops? Nie gehört, aber das muss auf Windows 98 laufen. Asana? Brauchen wir nicht. Wir richten Ihnen eine offizielle Firmen-E-Mail-Adresse ein – die können Sie über den Outlook-Webmailer nutzen, sobald Sie sich über den VPN-Client angemeldet haben. Zeiterfassung? Excel!

Kunden aus der Hölle gibt es nicht nur auf der gleichnamigen Website, sondern auch in Wirklichkeit. Gehen die Arbeitskulturen derart auseinander und muss man sich als Freelancer gleichzeitig in verschiedenen ungewohnt umständlichen Infrastrukturen zurechtfinden, ist das ein echter Produktivitätskiller.

Vor dem Hintergrund, dass es – zumindest in einigen Branchen – einen echten Trend zur Selbstständigkeit oder sogar digitalem Nomadentum gibt – und auch immer mehr Arbeitnehmer (gerade der jüngeren Generation) zwecks besserer Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie im Home Office arbeiten, besteht Handlungsbedarf: Projekte mit verteilten Teams erfolgreich zu managen und entsprechende zeitgemäße Infrastrukturen zu schaffen (und zu erhalten) – vor diesen Herausforderungen steht vor allem der deutsche Mittelstand, wie eine aktuelle Studie der Telekom zeigt. Aber auch Agenturen müssen sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

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