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06.12.17

Unternehmenserfolg

Pleiten, Pech und Pannen: “Ich verlor 9 Millionen Dollar an einem Tag”

Menschen hassen es, zu scheitern. Besonders von Unternehmern wird geradliniger Erfolg erwartet. Umso revolutionärer erschien der Ansatz von admittingfailure.org: Im Jahr 2010 gegründet, sollte die Website zum “Wikipedia des beruflichen Scheiterns” werden und Entrepreneure weltweit dazu ermutigen, ihre professionellen Fehlschläge öffentlich zu machen.

Rund 7 Jahre später finden sich allerdings nur eine handvoll austauschbare Geschichten auf der Seite. Und dennoch gibt es sie: Unternehmer, die große Niederlagen einstecken mussten und letztlich trotzdem erfolgreich wurden:

Kathryn Minshew: Setzte auf die falschen Partner

Kathryn Minshew ist Mitgründerin und CEO des Karriereportals „The Muse“. Nach ersten Arbeitserfahrungen bei McKinsey und der Clinton Health Access Initiative gründete 2011 sie mit drei weiteren Partnern ihr erstes Unternehmen PYP Media, ein Netzwerkportal für berufstätige Frauen. Nach einem Streit zwischen den Gründern wurde Minshew und ihrem Team über Nacht der Zugang zur eigenen Website entzogen: „Eines Morgens stellte ich fest, das mein Website-Zugang, genau wie der von Alex und unserem gesamten Team, gesperrt worden war. Ich fühlte mich vollkommen gedemütigt, als hätte ich meinem Team und mir selbst gegenüber versagt. Ich verlor schließlich auch meine gesamten Ersparnisse, die ich in die Firma gesteckt hatte – ungefähr 20.000 Dollar.”

Klagen oder Neuanfang wagen: Minshew entschied sich für Letzteres. Ihr neues Projekt “The Muse” verzeichnete schon im ersten Monat mehr Besucher als PYP Media seit seiner Gründung. Kurz nach den Usern wurden auch namhafte Investoren auf das Karriereportal aufmerksam: „Wir bauten ein viel stärkeres Produkt auf, eilten mit Zielstrebigkeit vorwärts und wurde einige Monate später in den Y Combinator aufgenommen. Bis zum heutigen Tag erhielten wir über 2 Millionen Dollar in Beteiligungs- und Angelinvestor-Kapital und haben über 15 Millionen Menschen erreicht.“

John Rampton: Musste sich gegen einen Erpresser wehren

Der US-Amerikaner John Rampton ist ein echtes Multitalent: Als Experte für Pay Per Click-Werbung gründet er Unternehmen in Serie und ist Autor für renommierte Magazine wie Forbes, Inc. und Time Magazine. Seinen heutigen Erfolg hat er dabei auch einem kriminell veranlagten Computer-Genie zu verdanken: “Als ich mein Unternehmen ganz frisch gegründet hatte, arbeiteten wir 3 Monate lang daran, das Produkt aufzubauen. Als wir 6 Monate im Geschäft waren, mit über 15.000 Kunden, geschah das Unvorstellbare: wir wurden gehackt. Der Hacker schickte mir eine Liste mit jeder einzelnen E-Mail-Adresse in unserem System. Ich fand heraus, dass der gleiche Typ in der Vergangenheit schon dreimal PayPal gehackt hatte.”

Für  Rampton schien sich seine Erfolgsgeschichte mit einem Mal in Luft aufzulösen. Jeder andere hätte vermutlich sofort die Polizei alarmiert und den Hacker angezeigt. Doch Rampton ging einen anderen Weg: “Er wollte ein Kopfgeld. Ich sagte, wir haben keines, aber bot ihm eine Belohnung von 1.000 Dollar dafür an, dass er eine Lücke in unserem System gefunden hatte. Freundlicherweise nahm er das Angebot an, löschte alle Aufzeichnungen und half uns dabei, ein klaffendes Loch in unserem System zu schließen. Seither flickt er alle Lücken in unserem System und überprüft alles doppelt und dreimal. Als das passierte, war er gerade mal 14 Jahre alt.”

Bernd Storm van’s Gravesande: Arbeitete an den Bedürfnissen seiner Kunden vorbei

Bernd Storm ist erfolgreicher Gründer der Plattform aboalarm.de und leitet zudem die weltweit bekannte Unternehmer-Konferenz „Bits and Pretzels“ in München. Seine Karriere hatte er as Unternehmensberater begonnen. Mit der Online-Suchmaschine andUNITE wollte er sich schließlich unabhängig machen. Die Idee: Durch das integrierte soziale Netzwerk sollten sich Nutzer über ihre Suchanfragen unterhalten und gegenseitig Tipps geben. Was Storm Bernd als glänzende Idee erachtete, erwies sich in der Praxis allerdings als Flop: “Leider war die Nutzung minimal, weil wir kein wirkliches Problem lösten. Im Gegenteil, wir schufen sogar einige für unsere Nutzer (z.B. Welche Suchanfrage teile ich mit anderen und wann möchte ich lieber anonym suchen?). Dieses Scheitern zu erkennen und das Geld der Investoren zu verlieren, war sehr hart.“

Doch tatsächlich war diese Erfahrung ein Wendepunkt auf dem Weg zum erfolgreichen Entrepreneur. Denn Bernd Storm zog Lehren aus dem Projekt: „Du musst mit deinem Produkt oder deinem Service ein Problem deiner Nutzergruppe lösen. Es muss einfach zu verstehen und zu nutzen sein und den Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten.“ So hat er es dann auch erfolgreich mit seinem nächsten Unternehmen “Aboalarm” umgesetzt.

James Altucher: Arbeitete nur fürs Geld

James Altucher ist US-amerikanischer Hedge Fund Manager, Wagniskapitalgeber und Entrepreneur. Über seine beruflichen Erfahrungen schreibt und erzählt er zudem als Autor und Podcaster. Zu erzählen hat er einiges, von seinen über 20 Unternehmen sind immerhin 17 gescheitert. Doch keine Pleite ist ihm so in Erinnerung geblieben wie der Tag, an dem er neun Millionen Dollar verlor: “Ich war gerade auf dem Set einer meiner liebsten TV-Serien. Dann bekam ich eine SMS: ‚Vorstandssitzung in 15 Minuten.‘ Gleich zu Beginn sagte der CEO, ‚Ich habe schlechte Neuigkeiten.‘ Der größte Aktionär schuldete 90 Millionen Dollar in Steuernachforderungen und das hatte er dem Unternehmen vorenthalten. Die Bank, die dem Unternehmen Geld lieh, behauptete, dieses Vorenthalten von Informationen stelle einen Verstoß gegen die Finanzierungsvereinbarung dar. Innerhalb eines Tages nahmen sie alles Kapital des Unternehmens und verteilten es beinahe kostenlos an andere Kunden.”

Und genau an dieser Stelle hatte James eine Erkenntnis. Alles, was er bis dahin für das Unternehmen geleistet hatte, war  von Geldgier motiviert: “Ich kannte die anderen Vorstandsmitglieder nicht einmal wirklich. Alles, was ich bis dahin mit diesem Unternehmen unternommen hatte, war motiviert von Geldgier. Ich mochte keinen von ihnen. Nun weiß ich: Mache nur Geschäfte mit Menschen, die du magst und respektierst.”

“Also folgte ich meinem eigenen Rat: Kümmerte ich mich um mein körperliches Wohlergehen? Ja. Umgab ich mich mit Menschen, die mir wichtig waren und denen ich wichtig war? Ja – nicht im Vorstand, aber mit Familie und Freunden. War ich jeden Tag kreativ? Ja. Kümmerte ich mich um mein seelisches Wohlergehen? Ja. All das bedeutet: Ich war am Leben. Dann kann ich es auch genießen. Dann kann ich es auch lieben. Dann kann ich es auch annehmen.”

Michael Hyatt: Unterschätzte das Wachstum seines Startups

Michael Hyatt ist ein erfolgreicher Speaker und Mentor für Führungskräfte. Als Blogger teilt er sein Wissen zudem mit einer stetig wachsenden Online-Community. 1991 erlebte er gemeinsam mit einem Geschäftspartner erlebte er den für ihn prägendsten Misserfolg: “Wir hatten einen erfolgreichen Verlag aufgebaut, doch unser Wachstum überstieg unser verfügbares Kapital. Uns ging einfach das Geld aus. Obwohl wir nicht offiziell bankrott gingen, wurden wir vom Großhändler gewissermaßen aufgekündigt und er übernahm unsere Vermögenswerte. Es war für mich persönlich eine sehr schwierige Zeit.”

„Zunächst gab ich dem Großhändler die Schuld, nicht mehr verkauft zu haben, doch schließlich blickte ich in den Spiegel und musste zugeben, dass ich mich nicht weiterentwickeln konnte, ohne von dieser Erfahrung zu lernen.“ Hyatt zählt dieses Erlebnis heute zu den wichtigsten seines Lebens. Seither nimmt er alle Misserfolge an und sucht nicht bei anderen nach der Ursache, sondern übernimmt Verantwortung für seine Fehler, um aus diesen zu lernen.

Brad Burton: Vergaß die wichtigsten Stützen in seinem Leben

Brad Burton ist Gründer des Businessnetzwerks 4networking.biz und gefragter Speaker auf internationalen Konferenzen. Zudem ist der britische Entrepreneur vielfacher Bestsellerautor und wird immer wieder als Interviewpartner in Sendungen der BBC eingeladen. Allerdings hat Burton durch genau diesen Erfolg fast seine Familie verloren: „Manchmal fokussierst du dich so sehr auf deine Arbeit, dass du alles andere um dich herum vernachlässigst. In meinem Fall war dieses Verhalten so schädlich, dass ich beinahe alles verloren hätte: mich selbst, meine Gesundheit, meine Familie. Ich vergaß, was wirklich wichtig in meinem Leben war und ist. Ich leitete ein erfolgreiches Multi-Millionen-Pfund-Unternehmen und verlor doch fast meine Frau und meine Kinder.“

Diese Erkenntnis habe schließlich dazu geführt, dass er seine gesamte Lebensweise in Frage stellte. Der Fokus lag fortan auf seiner Familie und seiner Gesundheit. Sein Fazit: „Je glücklicher du bist, umso erfolgreicher bist du auch. Viele Unternehmer glauben, dass es genau anders herum ist und das ist ein großer Irrtum.“

Keine Angst vor dem Scheitern. Es kann der Beginn einer erfolgreichen Geschäftsidee sein

All diese Beispiele zeigen, dass berufliches Scheitern nicht nur eine bestimmte Menschengruppe ereilt. Selbst erfolgreiche Unternehmer mussten schon auf existenzbedrohende Probleme reagieren. Genau damit konnten sie jedoch auch entscheidende Schwachstellen in ihren Unternehmen oder ihrem eigenen Verhalten aufdecken – und letztlich daran zu wachsen.

Autor: Antonia Zimmerlich

Antonia ist Content Manager im Berliner Büro von 99designs. Sie sorgt für spannende Inhalte auf allen Kanälen. Wenn sie nicht gerade einem inspirierenden Design-Thema auf der Spur ist, durchkämmt sie Berlin nach den besten Cafés und Restaurants, die die Stadt zu bieten hat.
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Antonia Zimmerlich

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