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20.07.10

Lese-Sommer 2010: Robert Levine, Eine Landkarte der Zeit

Zeit ist die eine Hälfte der Formel für die Arbeitsproduktivität: Ergebnis geteilt durch Arbeitsaufwand. Robert Levine führt durch die Geschichte der Zeit und untersucht sie in verschiedenen Kulturen.

Robert Levine: Eine Landkarte der Zeit

«Eine Landkarte der Zeit» von Robert Levine ist 1997 erschienen. Der Professor für Psychologie der California State University in Fresno beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Zeit. Wer produktiver arbeiten will, setzt sich auch mit der Zeit auseinander - meistens aus der Perspektive eines knappen Gutes. Levines Buch ist spannend und bietet Stoff, sich ein paar Gedanken zu unserer wichtigsten Ressource zu machen.

Krieg um die Cincinnati-Zeit

Häufig vergessen wir, dass unser Verständnis von Zeit sehr jung ist. «Die längste Zeit der menschlichen Zivilisation hindurch gab es keine Möglichkeit, sicherzustellen, dass man pünktlich war, auch wenn man es wollte; und selbst wenn eine Person zur verabredeten Zeit da war, konnte man das nicht überprüfen.» Am Ende des 19. Jahrhunderts brachen durch die Einführung von mechanischen Uhren und standardisierten Zeitzonen regelrechte Zeitkriege aus. Der Publizist Charles Warner schrieb 1884: «Das Zerhacken der Zeit in starre Perioden ist ein Angriff auf die persönliche Freiheit und lässt keine Unterschiede in Temperament und Wahrnehmung zu.» In den USA, die damals noch über 70 Zeitzonen kannten, wehrten sich Distrikte und Counties, die eigene Zeit aufzugeben: Noch bis 1890 gab es gedruckte Eisenbahn-Fahrpläne nach Cincinnati-Zeit mit dem Hinweis: 22 Minuten schneller als Eisenbahnzeit.

Schweizer am schnellsten

Levine hat untersucht, was die persönliche Wahrnehmung von Zeit und Tempo ausmacht. In umfangreichen Studien hat er etwa nach den schnellsten (Schweiz) und den gemächlichsten (Mexiko) Ländern und Städten gesucht. Er legt anschaulich dar, welche Faktoren das Lebenstempo beeinflussen, etwa der Grad der Industrialisierung oder die Größe der Städte. Die unterschiedliche Wahrnehmung von Zeit in verschiedenen Kulturen und Regionen ist ein Steckenpferd Levines. Mit vielen Beispielen erläutert er, wie sich das Zeitempfinden der Japaner von demjenigen der Menschen in Burundi unterscheidet. Das Volk der Kapauku auf Papua ist noch heute überzeugt, dass es nicht gut ist, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu arbeiten.

Lesbar und lesenswert

Der dritte Teil von Levines Buch befasst sich mit dem persönlichen Umgang mit der Zeit. Insbesondere interessiert ihn der Zusammenhang zwischen Zeit und Gesundheit, Glück, Reichtum oder sozialem Engagement. Einige Gedanken am Ende des Buches regen dazu an, sich mit dem Umgang mit der eigenen Zeit auseinanderzusetzen. Das macht aus dem Buch allerdings keinen Ratgeber - dieser Versuchung ist Levin nicht erlegen. Vielmehr ist es eine spannende und mit zahlreichen Beispiele unterlegte Darstellung eines Themas, das uns jeden Tag beschäftigt. Ein Wissenschafter, der sich die Mühe gemacht hat, uns seine Arbeit auf lesbare und lesenswerte Weise näher zu bringen.

Robert Levine: «Eine Landkarte der Zeit» Piper Verlag, November 2009 (15. Auflage)

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