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18.05.08

Kritisieren - aber richtig!

Kritik ist eine gute Sache, aber man kann die Atmosphäre schnell vergiften, wenn man sie unsensibel und unsachlich äußert. Ein paar Tipps für konstruktives Kritisieren.

Themenvorschlägen von Euch kommen wir immer gerne nach - diesen Beitrag habe ich auf Anregung von Réka geschrieben, der ihn sich in den Kommentaren von «Kritik produktiv nutzen» gewünscht hat. Wie also kritisiert man konstruktiv und richtig?

Grundsätzlich nämlich ist Kritik eine gute Sache, denn sie hilft anderen Menschen, Fehler zu erkennen und etwas besser zu machen. Dass die Kritk dennoch oft nicht gut ankommt, wie man es meinte (das Gegenteil von Gut ist häufig Gut gemeint), liegt an dem Wie. Denn wer kritisiert, gerät schnell in die Rolle des Mächtigeren oder sieht sich so - auch unbewusst. Das drückt er dann oft auch unbewusst aus - etwa indem er verallgemeinert («Jetzt machen Sie das ja schon wieder falsch») oder den Eindruck vermittelt, er könne alles besser («Geben Sie mal her, ich zeige Ihnen, wie das geht»).

 

Wenn Du also andere kritisieren willst, solltest Du gerade bei Kollegen darauf achten, dass Du Dich nicht über sie stellst. Denn so etwas kann nachhaltig die Arbeitsatmosphäre verschlechtern und langfristigen Zwist nach sich ziehen. Rede mit dem betreffenden Kollegen unbedingt alleine, um ihn nicht vor anderen bloß zu stellen. Wenn Du emotional aufgewühlt bist, beruhige Dich erstmal - in der Wut sagst Du schnell Dinge, die Dir später leid tun. Also: Schluck Wasser in den Mund und einmal ums Bürogebäude laufen (oder so). Dann kannst Du sachlich bleiben.

Signalisiert die Körpersprache Deines Kollegen Anspannung, Abwehr oder Abstand? Typisch dafür sind etwa ein erstarrter Gesichtsausdruck, der Überraschung signalisiert, verschränkte Arme über der Brust oder ein Schritt zurück. Dann entspanne die Atmosphäre mit passenden Gesten: Bei ängstlichen Kollegen lächle ein wenig, in hartnäckigen Fällen schaue bewusst ernst. Vermeide jedoch, böse zu schauen oder ebenfalls eine Abwehrhaltung einzunehmen. Wesentlich ist neben den körperlichen Signalen vor allem das Rhetorische: Wie äußerst Du die Kritik?

Rhetorisch geschickt kritisieren:

  • Äußere Deine Kritik auf keinen Fall versteckt: «Wahrscheinlich hatten Sie einen guten Grund, die Präsentation nicht ordentlich vorzubereiten. Aber ein wenig ärgerlich ist das schon ...» Denn es besteht die Gefahr, dass Dein Kollege die Kritik nicht versteht oder sich sogar ärgert. Wenn der Kollege dann den gleichen Fehler begeht, kann es sogar sein, dass Dir dann erst recht der Kragen platzt und es zum Affront kommt.
  • Sprich unangenehme Dinge sofort, direkt, freundlich und offen an. Komm sofort zum Punkt, vermeide Small Talk, das wirkt zweideutig, als hättest Du etwas zu verbergen.
  • Signalisiere Deine guten Absichten: «Ich möchte mit Ihnen sprechen, weil mir Ihre Präsentation, die ja unsere gemeinsame Arbeit vertreten soll, nicht gefallen hat.»
  • Kritisiere nicht nur die Schwächen, sondern hebe auch die Stärken des anderen heraus: Betone auch, was der andere gut gemacht hat und worauf er zukünftig aufbauen kann: «Sie können sehr spontan und flexibel reagieren. Manchmal läuft Ihnen das jedoch aus dem Ruder. Daran könnten Sie noch arbeiten, indem Sie ...» Auf diese Weise bist Du konstruktiv.
  • Vermeide verallgemeinernde Vorwürfe wie «Sie machen immer solche Fehler.» Der andere fühlt sich dadurch als Person angegriffen und reagiert mit Abwehr. Besser: Schildere zunächst den Sachverhalt, der Anlass zur Kritik gegeben hat, so ausführlich und bildhaft wie möglich. Benenne alles beim Namen: Tag, Uhrzeit, Thema, Fehler, Häufigkeit, Verzögerung usw. «Lassen Sie mich ausführen, was ich genau meine: Erstens waren Fehler in Folien, die auch für mich peinlich waren. Die Marktanteile stimmten nicht, und die Auflistung der Wettbewerber enthielt zwei Unternehmen, die lange vom Markt sind. Zweitens haben Sie sich so verzettelt, dass Sie die Übersicht verloren und gar kein Ende gefunden haben. Ich ziehe daraus den Schluss, dass Sie die Präsentation nicht ordentlich vorbereitet haben.»
  • Biete nach Deinem Feedback eine Chance zur Stellungnahme: «Erklären Sie mir bitte, wie Sie sich gestern selbst gesehen haben. Können Sie meiner Einschätzung folgen?»
  • Vergleiche Deine Kollegen nicht miteinander: Jeder Jeck ist anders, und auch jeder Kollege handelt und agiert anders.
  • Sucht gemeinsam nach einer Lösung: «Gibt es einen Grund dafür, dass Sie gestern so viele Fehler gemacht haben? Vielleicht können wir diesen ja gemeinsam aus dem Weg schaffen?» oder «Wie kann ich Sie dabei unterstützen, den Überblick zu bekommen und sich nicht mehr zu verzetteln?» Sei aber nicht enttäuscht, wenn der Kollege ihr Angebot nicht annimmt – er möchte vielleicht alleine seine Ehre retten, wenn er einen Fehler gemacht hat.
  • Verharre nicht zu lange bei der Schilderung der Probleme (kann schnell überheblich oder schadenfroh wirken) und stochere nicht zu lange im «Warum?» herum. Die Frage «Warum haben Sie das so gemacht? Warum sind Sie so so schlecht vorbereitet?» wirkt anklagend. Du willst Deinen Kollegen ja nicht angreifen, sondern gemeinsam ein Problem lösen – also frag konstruktiv: «Wer kann Ihnen die notwendigen Tipps geben, damit Sie mit den Präsentationsmedien besser zurechtkommen?»
  • Erläutere, was Du Dir für die Zukunft wünschst – so konkret wie möglich. Vermeide dabei Appelle wie: «Sie müssen endlich einmal ...», «Sie sollten ...», «Sie dürfen nicht mehr...», denn damit erzeugst Du nur Abwehr. Besser: Leg detailliert fest, wie die weitere Zusammenarbeit aussehen soll, damit sie zukünftig möglichst konfliktfrei verläuft: «Ich wünsche mir, dass wir die Präsentationen vorher gemeinsam durchsprechen» oder «Wenn Sie etwas nicht genau wissen, fragen Sie beim nächsten Mal einfach kurz nach.»

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