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26.10.11

Networking: Was bringt eigentlich Speed-Dating?

Speed-Dating ist nichts anrüchiges: Als Methode bei Konferenzen und Business-Events ist es eine einfache und effiziente Art, neue Kontakte zu knüpfen.

Speed-Dating kennt man eigentlich vom Flirten. Die Idee dahinter ist simpel: In der Regel entscheidet sich in wenigen Sekunden, ob wir unser gegenüber sympathisch finden oder nicht. Wenn die Chemie stimmt, kann man sich ja für ein weiteres Treffen verabreden. Wenn nicht, kann man sich nach kurzer Zeit dezent verabschieden, ohne unhöflich zu wirken oder den ganzen Abend lang ein nerviges Date zu ertragen.

Das Konzept klingt so einleuchtend, dass es mittlerweile auch im Arbeitsalltag Einzug gehalten hat: Die Deutsche Bahn beispielsweise nutzt Company-Speed-Dating, um potentielle Mitarbeiter zu rekrutieren: In 5 bis 8 Runden pro Veranstaltung haben Personaler und Bewerber jeweils 8 Minuten Zeit, sich zu beschnuppern. Wenn die Chemie nicht stimmt, lässt man es halt sein.

Aber kann man das überhaupt klappen mit dem Speed-Dating, also kann man in nur ein paar Minuten überhaupt einen vernünftigen Eindruck von seinem Gesprächspartner bekommen? Ich war zugegebenermassen skeptisch - bis ich selbst an einer Business-Speed-Dating teilgenommen habe: Und zwar nicht bei der Deutschen Bahn, sondern auf einer Medienkonferenz der Kanadischen Tourismus-Kommission in Edmonton/Alberta. Die Zielsetzung dort war in etwa ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, wie die verantwortliche DB-Mitarbeiterin Sonja Ostermann berichtet:

Für die DB-Vertreter heißt das, fünf bis acht potentielle neue Mitarbeiter in je acht Minuten für die DB zu begeistern, in dem er von eigenen Aufgaben und spannenden Projekten berichtet sowie die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten im DB-Konzern skizziert. Für die potentiellen Bewerber heißt das, dem zukünftigen Chef/ der zukünftigen Chefin von bereits gemeisterten Herausforderungen zu berichten und die Fragen zu stellen, die man schon immer über den Arbeitgeber DB stellen wollte.

Während es bei der Deutschen Bahn 8 Runden zu je  5-8 Minuten Zeit gibt, war die Veranstaltung in Edmonton etwas grosszügiger angelegt: Ein riesiger Raum, mehr als 1000 Tourismus-Unternehmen und Journalisten und für jedes Gespräch 15 Minuten Zeit. Zwischen den einzelnen Gesprächen 5 Minuten, um zu seinem neuen Gesprächspartner zu kommen, was allein durch die Größe des Raums in regelrechten Stress ausarten konnte.

Beim traditionellen Speed-Dating in kleiner Runde wechseln die Teilnehmer ja reihum, in Edmonton war das aufgrund der Grösse schlicht und einfach nicht möglich. Daher hatten sowohl Medienvertreter als auch Tourismus-Manager vorab aus einem Pool von potentiellen Gesprächspartnern die interessantesten herausgepickt und die Treffen wurden fein säuberlich in einem Ablaufplan festgehalten. Pro Person waren das ungefähr 30 Treffen. Am Ende jeden Gesprächs ertönte ein Gong als Signal zum Aufbruch. Der kam oft viel zur früh, weil die Gespräche so interessant gewesen waren und manchmal erstaunlicherweise auch viel zu spät, weil sich mein Gegenüber in nichtssagendem Marketing-Gewäsch verlor. Oder wie mein englischer Kollege Jools Stone so treffend beschreibt :

As with ordinary speed dating, sometimes it’s obvious the chemistry just isn’t there. Your folder will tellingly reflect this. Some pages of mine are almost entirely obscured by my messy scrawl, some are blank.

Was aber bringt Speed-Dating nun im Business-Bereich? Die Antwort: Viel mehr als ich geglaubt hätte. Ich habe eine Menge interessante Kontakte geknüpft und in der Kürze der Zeit einige spannenden Story-Ideen entwickelt. Vermutlich sind die Treffen, die zwar kurz sind, aber zwischen nur zwei Gesprächspartnern stattfinden, deutlich effizienter als Gruppen-Meetings oder Vorträge, bei denen einzelne ihren Ideen im Auditorium präsentieren. Denn der Vorteil beim Speed-Dating liegt darin, dass man nichtmal zwischendurch eindösen kann, wenn es langweilig wird: Man muss sich voll und ganz auf sein Gegenüber konzentrieren, Ausreden gibt es nicht. Das ist aber natürlich gleichzeitig ein Nachteil: Die Schnell-Dates sind aufgrund der erhöhten Konzentration auch gleichzeitig viel stressiger - das habe nicht nur ich gemerkt, sondern das wurde mir von verschiedenen Gesprächspartnern, die ich nach ihrer Meinung fragte, auch so bestätigt. Und auch für die Organsiation ist so ein Speed-Dating-Event natürlich viel aufwändiger als einfach einen Raum mit Referent zu «mieten».

Dennoch finde ich so eine Veranstaltung deutlich besser geeignet, um Informationen auszutauschen. Ich persönlich würde es begrüssen, wenn mehr Veranstaltung als strukturierte Speed-Dating organisiert würden. Was ist Eure Meinung dazu?

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