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21.05.08

Infoflut oder nicht? Das ist hier die Frage

Florian hat kürzlich auf einen Artikel verwiesen, der sich mit der Infoflut beschäftigt. Wenn man das Stichwort "Informationsflut" bei Google eingibt, erhält man 175'000 Ergebnisse. Schon der Beweis für deren Existenz? Sicher - aber ob das ein Problem darstellt, ist die andere Frage, der wir in diesem Artikel nachgehen wollen.

An sich ist nicht die Infoflut das Problem, sondern wie man an die relevanten Informationen herankommt. Das ist mehr als Wortklauberei: Dass es mehr Informationen gibt, als wir verarbeiten können, ist ein uraltes Phänomen und taucht nicht erst im Internet-Zeitalter auf. Das "Zuviel" mag sich zwar potenziert haben, aber ob ich "nur" viel zu viel oder unendlich zu viel Informationen zur Verfügung habe, spielt keine wesentliche Rolle. Zwar waren die Informationen weniger leicht verfügbar als heute oder nur einem bestimmten Kreis zugänglich (z.B. den Leuten, die lesen konnten), aber zuviel Informationen haben wir seit (mindestens) der Verbreitung des Buchdrucks.

Um wieder auf Dustin Wax und seinen Artikel zurückzukommen: Er unterscheidet zwischen Informationen und Inputs. Informationen können wir gar nie genug haben. Auf reine Inputs hingegen können wir gut verzichtet. Denn Inputs sind oberflächlich und informieren uns nicht, sondern stehlen Zeit und übertünchen die Informationen. Beispiele sind Junk Mails, Reality-Shows oder Viruswarnungen.

Inputs garantieren uns nur, dass wir noch verbunden sind. Das ist an sich nicht mal negativ. Erst wenn es Überhand nimmt, ist eine Veränderung angesagt. Wax nennt als (positives) Beispiel das übliche "Wie geht's?". Damit will man sich ja meistens nicht wirklich nach dem Befinden des Gegenübers erkundigen, sondern einen zwanglosen Einstieg in ein Gespräch finden. Denn antworte auf diese Frage das nächste Mal mit "Sehr schlecht", und Du wirst garantiert auf ein ratloses, verwirrtes Gesicht stoßen. Im Englischen ist dieses Phänomen mit "How are you?" noch verbreiteter: Darauf ist sogar keine Antwort möglich und niemand stört sich daran.

Problematisch wird es erst dann, wenn auf die Verbindung nichts mehr folgt. Das ist beispielsweise oft beim ziellosen Surfen im Internet oder beim Zappen der Fall. Natürlich schauen wir manchmal TV, um uns zu entspannen oder zu unterhalten. Das ist auch gut so, solange man wirklich unterhalten wird. Wenn es aber nur noch darum geht, die Zeit tot zu schlagen oder wenn man nicht mehr davon weg kommt, dann ist es nutzlos und reine Zeitverschwendung.

Das Problem liegt also gar nicht in der Menge an Informationen, sondern darin, Informationen von Inputs zu unterscheiden, die relevanten Informationen heraus zu filtern. Es geht damit einerseits um die richtige Suchtechnik. Andererseits muss man lernen, Informationen so zu beurteilen, dass man das Relevante erkennt.

Dies sind meiner Meinung nach zwei Schlüsselqualifikationen unserer Zeit: Wie komme ich schnell und zuverlässig an relevante Informationen? Und wo ist die Schwelle, bei der ich genug weiß, um handeln zu können? Denn weiter suchen und auch weiter finden kann man immer.

Damit sind wir bei der Anschlussfrage: Was tue ich mit den Informationen? Informationen zur Kenntnis zu nehmen ist zwar nett, aber reiner Konsum. Informationen sollten eine Folge in meinem Tun haben. Das kann eine direkte Veränderung meiner Gewohnheiten oder Handlungen sein oder auch das Vergrößern des Wissensstandes. Ein Beispiel: Ein Student, der Bücher nur durchliest, hat nur konsumiert und wird die Prüfung kaum schaffen. Erst wenn ein Tun auf den Konsum folgt - hier das Verstehen, Speichern und Anwenden -, kann er die Prüfung schaffen.

Sehr schön ist dies auch bei der ganzen Produktivitätsindustrie zu beobachten: Es gibt unzählige Bücher, Blogs, Artikel, Hinweise und Tipps, wie man seine Produktivität erhöhen kann. Aber durch reines Lesen wird man nicht produktiver, im Gegenteil: In der Zeit, in der man immer weiter liest, hätte man seine Aufgaben wahrscheinlich locker geschafft. Erst wenn die Informationen zum Tun führen, wird eine Veränderung stattfinden. Nick Cernis hat dazu einen Aufsehen erregenden Artikel geschrieben. Lifehack.org hat diesen Artikel wiederum diskutiert und bekannt gemacht.

Wenn ich schon dabei bin: Was kannst Du nun mit diesem Artikel tun? Ganz einfach: Setze Dir immer ein Ziel! Vermeide es, ziel- und planlos Dinge zu tun. Damit meine ich nicht, dass man Blogs, Fernsehen oder das Internet nie einfach nur konsumieren darf, aber mach Dir bewusst, weshalb Du das tust. Das Ziel könnte sein: Ich will mich entspannen oder ich will einen guten Film sehen. Wenn Du aber merkst, dass Du nur so zappst, dann hör damit auf. Genau so kannst Du ohne schlechtes Gewissen einen Krimi oder Liebesroman lesen, weil es Dich abschalten lässt, Du Freude an der Sprache hast oder weil Du es einfach gerne tust. Aber ob Du regelmäßig Klatsch lesen musst, und ob Dich das weiter bringt, sei dahin gestellt.

Also: Wisse genau, weshalb Du etwas tust und was Du damit willst. Wenn es den Zweck und Dein Ziel nicht mehr erfüllt, dann lasse es ohne schlechtes Gewissen sein.

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