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21.03.07

Im Test: Highrise

Die übliche Software für Customer Relationship Management (CRM) sei

"1. Too complex, 2. Too confusing, 3. Overkill, 4. Detached from the real experience of a small business (aka too ?enterprisey?), and 5. Ugly",


erklärte Jason Fried im Dezember 2005 im Blog seiner Firma 37Signals. Und kündigte "Sunrise" an, ein CRM-Tool, das schick, einfach und funktional werde, so schick, einfach und funktional wie die anderen Produkte aus dem Hause 37Signals, die vor allem im Web-2.0-Umfeld loyale Fans haben. Sunrise heißt mittlerweile Highrise, und seit gestern ist es online. Schauen wir mal, was es kann:

screen highrise big

  • * Kontakte verwalten. Kontakte können händisch angelegt, als vCard oder aus dem Schwesterprodukt Basecamp importiert werden. Jedem können Aufgaben, Notizen und Anhänge wie E-Mails oder andere Dokumente zugeordnet werden, viel Wert wird auf "weiche Infos" gelegt: Ich kann per Notiz also nicht nur festhalten, wann ich den Kunden zuletzt angerufen habe, sondern auch, welchen Rotwein er gerne trinkt, welches Handicap er beim Golf hat, wann seine Frau Geburtstag hat. Kontakte können nach Firmen gruppiert, außerdem mit Tags versehen und sortiert werden.
  • * Aufgaben verwalten. Eine simple To-Do-List ist integriert. Die "Tasks" können Kategorien zugeordnet werden, das wird die GTDler freuen. Nicht rechtzeitig erledigte Aufgaben rücken rot markiert an die oberste Stelle der Liste. Da freut sich dann niemand mehr.
  • * "Cases" verwalten. Ein Case ist eine Art Projektordner, in dem man projektbezogene Kontakte, Notizen und Aufgaben zusammenfassen kann.
  • * Zugriffsrechte verwalten. Es lassen sich Gruppen anlegen, deren Mitgliedern man bestimmte Daten exklusiv zugänglich machen kann.

Konsequent werden RSS-Feeds eingesetzt, mit denen man sich über alle neuen Einträge oder auch nur Änderungen bei einem einzelnen Kontakt auf dem Laufenden halten kann. Und das zeigt, dass Highrise erst richtig interessant wird, wenn man es im Team nutzt - wenn mehrere Mitarbeiter mit einem Kunden zu tun haben, Telefonate, Meetings, Mails in Highrise einpflegen und so jederzeit für Überblick sorgen. Für den selbständigen Freiberufler oder Privatnutzer ist dieser Aufwand längst nicht so sinnvoll - und die Preise zu hoch. Im kostenlosen "Free Plan" kann man lächerliche 25 Kontakte verwalten, die nächste Stufe bietet 250 Kontakte, kostet aber bereits 12 Dollar pro Monat.

screen highrise2 big

Gemeinsames Kundenmanagement also, Mitgliederverwaltung von Vereinen - das sind die Bereiche, in denen Highrise helfen soll. Da sehe ich allerdings Probleme:

  • * Die Aufgabenverwaltung steht ziemlich einsam da - ohne Anbindung an iCal oder Outlook.
  • * Ich finde auch nichts über die Synchronisation mit Gmail oder Apples Adressbuch, und es ist mir nicht gelungen, mehrere Kontakte auf einmal zu importieren. Armer Praktikant der Firma, der die 6000 Kundenkontakte einzeln hochladen muss. [Update aus den Kommentaren: Johannes Kleske hat gesehen, was ich nicht gesehen habe: Es gibt die Möglichkeit, "multi-person vCards" zu importieren. Zumindest mit Apples Adressbuch geht das auch sehr einfach, mehr dazu hier]
  • * E-Mails lassen sich zwar sehr schön einpflegen, indem man sie an eine eigens eingerichtete "Dropbox"-E-Mail-Adresse weiterleitet (der entsprechende Kontakt wird ggf. automatisch angelegt), aber dennoch: Warum einzelne Mails dort einsortieren, wenn ich alle anderen bequem in meinem Mailprogramm durchsuchen kann?

Mich stört außerdem, dass ich meine Highrise-Seiten nicht vollständig anpassen kann, wie es mir gefällt. Ein paar Farbthemen stellt 37Signals zur Verfügung, aber wenn ich so ein Tool täglich nutzen und zwischen 150 und 1800 Dollar im Jahr dafür bezahlen soll, möchte ich auch die Reiter umbenennen können, "Büro" statt "Work" hinter einer Telefonnummer stehen haben, entscheiden, ob ich im Dashboard alle jüngsten Änderungen angezeigt bekomme oder nur bestimmte "Cases", etcetera.

Fazit: Smart ist Highrise ohne Frage, wie üblich intuitiv bedienbar und schick. Aber überzeugt bin ich wirklich nicht. Oder fehlt mir dafür einfach die Erfahrung, mehr als zehn Kunden gleichzeitig verwalten zu müssen? Wie findet Ihr das Ding?

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