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24.06.09

Haruki Murakami: Wie der Autor läuft und arbeitet

Der japanische Autor Haruki Murakami hat ein Buch über das Laufen geschrieben - auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick handelt es sich um Betrachtungen seiner Arbeit, seines Schreibens und Lebens.

Haruki Murakami hat einen Produktivitäts-Ratgeber verfasst. Obwohl sich der japanische Literat ("Wilde Schafsjagd", "Kafka am Strand") vermutlich gegen diese Bezeichnung wehren würde.

What I talk about when I talk about running sind seine Memoiren als Läufer; Murakami betreibt den Sport seit 30 Jahren, hat 25 Marathons hinter sich. Ein Jahr lang, 2005/2006, hat er seine Gedanken zum Laufen aufgeschrieben.

Einordnen lässt sich dieses Lauftagebuch nicht: Eine Biographie ist es nicht, weil es nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem Leben darstellt. Eine "Lauffibel" kann es auch nicht sein, dazu fehlen die Grundlagen, Trainingspläne oder medizinisches Wissen. Und ein herkömmlicher Produktivitäts-Ratgeber ist es – ehrlich gesagt – auch nicht: Der Autor gibt uns keine Checklisten, keine Tools, keine Take-aways und keine "In sieben Schritten zu ..."-Versprechen.

Murakami plaudert in neun Aufsätzen darüber, was er sich beim Laufen denkt. Das beginnt mit der Musik, die er beim Laufen mit seinem MiniDisc-Player (im Jahr 2006 ein deutliches Statement zu Gadgets) hört. "Altersgerecht" stehen Eric Clapton, Creedence Clearwater Revival und Carla Thomas auf seiner Playlist. Häufig folgen Beschreibungen der aktuellen Trainingseinheiten, der geplanten Rennen oder der Schmerzen, die sich nach dem letzten Marathon bemerkbar machen.

Zum Produktivitäts-Ratgeber wird das Buch jedoch, wenn Murakami beschreibt, wie das Laufen seine Arbeit als Schriftsteller geformt und beeinflusst hat. Er beendet sein Training immer an dem Punkt, an dem er noch gut weiter rennen könne. Das gleiche, so Murakami, gelte für das Schreiben bzw. die Arbeit: Er schreibe jeden Tag nur soviel, dass er am nächsten Tag mit Lust und Energie weiter arbeiten kann. Nur so ließen sich langfristige und lange Projekte erfolgreich realisieren.

Er beschäftigt sich auch mit dem Setzen von Zielen und dem Bestreben, besser zu werden: Der einzige Gegner, den man schlagen muss, ist man selbst. Das gelte für Läufer, die die Zeit ihres letzten Rennens verbessern wollen, aber auch beim Schreiben hält er es so: Er könne nur sein eigenes, selbstgesetztes Ziel verbessern. "Externe" Ziele, von anderen Leuten vorgegeben, können ihn langfristig nicht motivieren. So beschreibt Murakami auf 180 Seiten seine Einsichten zu seiner Arbeit, seinem Talent, zur Tagesplanung, Prioritäten oder zu der Frage, wie man am besten Reden auswendig lernt. Selbst Marketing ist ein Thema: Seine Jazzbar in Tokio versuchte Murakami so zu führen, dass sie einzigartig ist. Sein Ziel war es, jeden zehnten Besucher als Stammgast zu gewinnen. Denn jedem gefallen konnte er nicht; aber um erfolgreich zu sein, brauchte er auch nicht jeden. Aus jedem Zehnten einen echten Fan zu machen, war ihm genug.

Murakamis Ideen und Einsichten sind nicht neu. Aber sie werden erfrischend und pragmatisch präsentiert. Seth Godin brauchte immerhin ein ganzes Buch, um seine What I talk about when I talk about running zu präsentieren; Murakamis Jazzbar-Beispiel schafft dasselbe auf einer halben Seite. Und die Gedanken des Japaners sind originell im Sinne des Wortes: Es sind seine Einsichten, keine (pseudo-)wissenschaftlichen Konzepte und Leitfäden. Es sind Erkenntnisse aus einem reichen Arbeitsleben, das angesichts der "Jobbeschreibung" eines Schriftstellers einiges an Motivation, Struktur und systematischem Vorgehen verlangt. Er präsentiert seine Gedanken in leichter Form, mit Beispielen aus seinem Leben, mit Humor und ohne die Absicht, den Leser bekehren zu wollen. Das macht die Lektüre zu einem Lesevergnügen und motiviert.

Und deshalb empfehlen wir in diesem Sommer das Buch für jeden Strandkoffer – zum puren Vergnügen oder um die Pause zu nutzen, eigene Ziele und Pläne zu überdenken. Damit man auch das zweite Halbjahr 2009 mit Kraft und Spaß angehen kann. In diesem Sinne sei noch erwähnt, was Haruki Murakami gerne auf seinem Grabstein stehen hätte; auch eine Art, sich Ziele zu setzen:

Haruki Murakami

1949 – 20**

Writer (and Runner)

At least he never walked

What I talk about when I talk about running

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