<< Themensammlung Organisieren

24.01.12

Geld oder Leben: Wie man sich eine Weltreise finanziert

Drei Jahre Weltreise - «geht nicht!» wird wohl die Reaktion der meisten von uns sein. «Geht wohl», meinte Lisa Lubin.

Dass Reisen nicht nur eine schöne und bereichernde Erfahrung ist, sondern dass man dabei auch fürs Leben lernt, darüber habe ich bereits in diesem Beitrag berichtet. Die Sache mit dem Reisen stellt jedoch viele Menschen vor ein organisatorisches Dilemma dar: Die meisten, die in einen festen Arbeitsrhythmus eingebunden sind, verdienen zwar genügend Geld zum Reisen, haben dann aber häufig nicht die nötige Zeit. Menschen hingegen, die über genügend Zeit verfügen, z.B. weil sie Freelancer sind, haben wiederum das nötige Geld nicht. Übrigens ein Dilemma, dass ich in vielen Bereichen unserer Gesellschaft sehe: Die einen haben kein Geld, aber Zeit; die anderen Geld, aber keine Zeit.

Minimalisten wider das Dilemma

Was tun gegen dieses Dilemma? Die Antwort ist einfach: Mutig sein, eingefahrene Gewohnheiten überdenken, Neues wagen und kreative Ideen entwickeln. Ryan Klarhölter berichtet in seinem Artikel über Digitale Minimalisten und Tech Nomaden, die auf einen Großteil ihres Besitzes verzichten. Zum Teil verzichten sie dabei auch auf einen festen Wohnsitz und reisen um die Welt. Übrigens gibt es das nicht nur im Tech-Bereich: Im vergangenen Frühjahr traf ich in der Provence Ballonflieger Max, der temporär da arbeitet, wo der Wind in hinträgt.

Nun kann ich der Sache mit dem Minimalismus tatsächlich viel abgewinnen, er könnte sogar ein Zukunftstrend werden. Zukunftsforscher Matthias Horx prognostiziert ja schon lange, dass nach der «Konsumorientierten Industrialisierungs-Phase» eine Zeit kommt, wo wieder mehr innere Einkehr herrscht und Erlebnisse, Erfahrungen und auch persönlichen Dienstleistungen immer wichtiger werden und wir eher bereit sind, dafür Geld auszugeben als für materiellen Besitz.

Die Angst, loszulassen

Und dennoch: Der Gedanke, keinen festen Wohnsitz zu haben, macht vielen Menschen Angst. Dahinter steckt die Angst, Dinge loszulassen. Wohl auch völlig normal und menschlich. Und vielleicht doch mal überdenkenswert. Genau deshalb fand ich den Bericht der Medienschaffenden Lisa Lubin aus Chicago so spannend, die für ihre Weltreise ihren Job als TV-Producerin gekündigt hatte. Die Philosophie, die dahinter steht, beschreibt Lisa folgendermassen:

I’ve managed to avoid the other American dream - to be a sucker for marketing and feel the need to run out and buy the latest iPhone, Plasma screen TV, DVD or even the latest latte.  I am simply not much of a shopper…especially when it comes to clothes and shoes. I like cute stuff, but don’t need name brands and don’t need a million pairs of shoes.

In ihrem Blogpost How could you afford to travel around the world? beschreibt sie ziemlich detailliert, wie sie es geschafft hat, sich ihre dreijährige Weltreise zu finanzieren - ausgehend von der Frage, die ihr offenkundig sehr oft gestellt wurde: «Wie konntest du so einen Trip bezahlen. Bist du reich?» Und Lisa gibt interessante Antworten.

     

  1. Reisen spart Geld: Lisa hat bei ihrer Weltreise etwa 2000 Euro im Monat ausgegeben und sogar Geld gespart. Denn zu Hause in Chicago hätte sie Geld für Miete, Nebenkosten, und Auto ausgegeben, inkl. diverser Reparaturen und Kleinigkeiten des Alltags, etwa Toilettenpapier. Wobei ich sagen muss, einige der Kosten, die Lisa aufzählt, etwa Internet oder Versicherungen, hätte ich trotzdem. Aber dennoch eine interessante Überlegung.
  2. Sie musste sich nicht mit unnötigem Ballast rumschlagen und sparte auch Zeit, z.B. bei der Klamottenauswahl. Oder wie Lisa simple feststellt: «No stuff - no worries»
  3. Organisation ist alles: Lisa gibt zu, dass Reisen teuer sein kann - wenn man nicht entsprechend plant. Ohnehin sei der teuerste Teil der Reise der Transport und hier könne man manchmal richtig gute Deals und Ermässigungen finden.
  4. Geld auf dem Konto dient nur dem subjektiven Sicherheitsempfinden: Lisa hat, wie sie sagt, auch viel gearbeitet und Geld gespart. Das allerdings habe vor allem praktische Gründe gehabt - mit dem Geld hat sie sich subjektiv etwas sicherer gefühlt. Am Ende sagt sie: «So, don’t let anyone scare you.»

Artikelbild: Das undatierte Bild zeigt Passagiere im Club-Wagen von «Henry Flagler's Florida Keys Over-Sea Railroad». Am 22. Januar 2012 wurde das hundertjährige Jubiläum der ersten Zugseinfahrt auf Key West, Florida, gefeiert. (AP Photo/Monroe County Library via the Florida Keys News Bureau)

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer