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09.09.13

Das Dilemma mit dem Entrümpeln: Nur nicht den Überblick verlieren!

Marcel Widmers Beitrag «Warum das Aufbewahren nur ganz selten schlau ist» hat mich an einen ganz besonders stressigen Tag erinnert: Meinen letzten Umzug. Zwar war damals nicht der überschüssige e-Plunder das Problem, sondern jede Menge andere Dinge, vor allem Unmengen an Büchern.

Quinn Dombrowski bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)Die Sache war die: Ich hatte mich glatt in der Menge der umzuziehenden Gegenstände verschätzt. Und da das ganze Zeug auf einmal mit dem Umzugswagen die Reise von Bonn nach Berlin antreten sollte, wäre das um ein Haar schief gegangen.

Der Reihe nach. Marcel benennt als erste Maßnahme das Ausmisten von besonders heimtückischen Verstecken:

«Zuerst werde ich die Sachen aus allen e-Gerümpel-Kisten zusammentragen und in weiteren heimtückischen Verstecken wie Schreibtischschubladen oder Fotoschrank nach weiteren Dingen suchen, die ich entweder bewusst aufbewahren oder als Ballast loswerden will.»

Genau diese heimtückischen Verstecke waren es, die mir zum Verhängnis wurden. Oder anders ausgedrückt: Ich hatte meinen Kram einfach zu gut wegorganisiert. Die Bücher standen z.B. im Regal zweireihig. Dadurch wurde der Platz voll und effizient ausgenutzt - denn irgendwie sind Bücherregale ja immer tiefer als die Bücher. Diese Anordnung war auch kein Problem, denn dank Internet musste ich meine Bücher auch selten hervorkramen. Auch die Abstellkammer war bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgenutzt.

Mein größtes Dilemma aber war der Keller. Dort hatte ich greifbar alle Sachen deponiert, die ich nicht so häufig brauchte, auch z.B. meine Winterjacken im Sommer (und umgekehrt). Oder meine alten Unterlagen von der Uni. Und ich war der festen Überzeugung, dass ich die nicht mehr notwendigen Sachen jederzeit mit nur einem Handgriff entrümpeln könnte. Aber bis dahin könnte man die Sachen ja noch aufheben - man weiß ja nie... Ihr ahnt schon, dass die Geschichte nicht gut ausging.

Wie man den Überblick verliert

Patrick hat als Kommentar auf Marcels Beitrag folgende Geschichte erzählt:

«Ich habe mal die Story eines Paars gelesen, die nach dem [Umzug] alles (!) im Keller deponiert haben. Wenn sie etwas brauchten, gingen sie es holen und dann erhielt es einen Platz in der Wohnung. Was nach x Monaten immer noch im Keller stand, warfen sie kompromisslos weg.»

Ich selbst kenne eine andere Geschichte, bei der das gesamte Geschirr im Keller deponiert wurde - falls mal Gäste kamen. In der Wohnung waren nur zwei Gläser, Teller und Besteck-Sets, die nach jedem Essen immer wieder gespült wurden. Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein System für Ordnung in der Küche sorgt.

Das Deponieren von Dingen im Keller jedoch hatte bei mir leider den gegenteiligen Effekt: Ich verlor den Überblick über mein Hab und Gut. Meine Wohnung wirkte ja stets nett und auch nicht besonders vollgestopft. Und so hatte ich keine Ahnung, wie viele Sachen ich wirklich hatte. Um es kurz zu machen: Die Sache endete in einem ziemlichen Chaos, aber am Ende hat es dann doch irgendwie geklappt. Ich aber habe mir geschworen: So etwas mache ich nie wieder.

Stauraum vermeiden hilft

Bestimmte Fehler begehe ich in der neuen Wohnung erst gar nicht (dafür sicher andere). Zu den Maßnahmen, die ich ergriffen habe, damit ich beim nächsten Umzug nicht wieder das gleiche Problem habe, gehören:

  • Stauraum vermeiden: Wo Platz ist, da sammelt sich auch etwas an. Ich habe also ganz bewusst keine Schränke oder ähnliches gekauft, besitze nur Regale, eine Kommode - und die unvermeidliche Abstellkammer, die diesmal aber deutlich leerer ist.
  • Der Keller bleibt leer: Im Keller befinden sich nur noch meine Fahrräder und Dinge aus der Wohnung, die meinem Vermieter gehören. Denn nach meiner Erfahrung verliert man im Keller am ehesten den Überblick.
  • Die Bücher-Regale nur noch einreihig: Was für eine Platzverschwendung - das halbe Regal ist quasi unbenutzt. Aber das Ergebnis ist, dass ich stets alle Bücher im Blick habe und mir dadurch immer mal wieder eines auffällt, das ich definitiv nicht mehr brauche. Das verkaufe ich dann entweder via Amazon oder lege es auf der Bücherbank bei mir gegenüber ab.
  • Gelegentliches Entrümpeln ist besser als Hauruck-Aktionen: Meine vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass ich auf diese Weise immer mal wieder Kleinigkeiten praktisch nebenbei entrümple, aber nie alles auf einmal. Dadurch ist es viel weniger stressig. Zum Beispiel bringe ich die Bücher oder auch alte Kleidungsstücke auf dem Weg zur U-Bahn weg. Die Gefahr bei großen Entrümplungs-Aktionen ist, dass man unterwegs stecken bleibt.

Warum aufheben wirklich nichts bringt

Was durch Marcels Artikel auch mir mal wieder eindringlich klar geworden ist: Viele Dinge hebt man jahrelang sorgsam auf, weil man denkt, dass man sie irgendwann nochmals brauchen könnte. Dahinter steckt die pure Angst bzw. der Geiz, dass man das Geld dann wieder ausgeben muss. Was mir allerdings schon sehr oft passiert ist: Wenn ich die Sache dann gesucht habe, habe ich sie nicht gefunden. Und ich musste sie trotzdem nochmals besorgen. Aufheben bringt als tatsächlich so gut wie gar nichts, wenn man es nicht schafft, die Sachen mit einem Handgriff zu finden.

 

Bild: Quinn Dombrowski bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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