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04.06.10

Brainstorming (Teil II): Vor- und Nachteile von Brainstorming

Im ersten Teil dieses Artikels zur Technik des Brainstormings ging es um die konkrete Durchführung. Nun möchte ich Vor- und Nachteile von Brainstormings zeigen und erklären, was wir daraus für den Ablauf von Brainstormings lernen können.

Vorteile von Brainstormings

Sinn und Zweck eines Brainstormings ist, Ideen zu generieren - und zwar so viele wie möglich. Gerade die vielfältigen und abweichenden Erfahrungen und Kenntnisse aller Teilnehmer am Brainstorming tragen dazu bei, möglichst viele divergente und bisweilen sogar bizarre Ideen zu finden. Umso mehr Ideen die Gruppe hat, umso eher triggern die Ideen eines Teilnehmers weitere Ideen bei anderen Teilnehmern - ein sich selbst verstärkender Prozess. Wenn die Gruppe so ihren optimalen Brainstorming-Modus findet, erhöht das die Vielfalt, Flexibilität und Originalität der Ideen (diese drei Kategorien machen die Kreativität eines Brainstormings in bestimmten Umfang messbar).

Ein weiterer Vorteil ist das den Teilnehmern gemeinsame Gedankenmodell des Brainstormings: Ideen werden nicht kritisiert. Es geht ja gerade darum, möglichst viele und besonders gern auch bizarre Ideen zu generieren. Dieser Grundgedanke ist leicht zu lernen und «kostet» wenig beim Implementieren. Akzeptieren alle Teilnehmer, dass dies Bestandteil des Brainstormings ist, erzeugt die Gruppe im Brainstorming-Modus mehr Ideen. Wenn Kultur und Klima in der Gruppe stimmen, sind die Teilnehmer künftig immer schneller in der Lage, auf Anforderung zu brainstormen.

 

Nachteile von Brainstormings

Brainstormings haben aber auch Nachteile. Der Erfolg eines Brainstormings hängt von der individuellen Kreativität aller Teilnehmer ab. Sind sie wenig kreativ, sei es wegen fehlender Motivation, Eignung oder firmenpolitischer Machtspielchen, werden sie auch als Gruppe nicht zu einem kreativen Brainstorming gelangen. Wichtig ist also die Auswahl geeigneter Teilnehmer im Hinblick auf ihre kreativen Fähigkeiten und geistigen Hintergründe, aber auch mit Rücksicht auf ihre Motivation und ihre Einstellung zum Problem. Motivation und Einstellung kann man übrigens beeinflussen, die kreativen Fähigkeiten ausbilden. Das ist Aufgabe des Moderators.

Brainstorming ist als Kreativ-Methode sehr schlecht dafür geeignet, Teilnehmer dazu zu bringen, die Perspektive zu wechseln und lateral zu denken. Die originellsten und oft nützlichsten Ideen entstehen aber gerade dann, wenn wir als Gruppe lateral denken und unsere Denkmuster verlassen. So braucht man für ein gutes Brainstorming einen sehr guten Moderator. Ohne richtige Moderation, die das Denken der Gruppe steuert, fällt ein produktives Brainstorming schwer.

Das größte Problem jedoch ist das sogenannte Production Blocking: Einer redet, alle hören zu und sind geistig beansprucht. Ein Vortragender blockiert das Denken der gesamten Gruppe. Das ist der größte Nachteil, aber eben auch ein wichtiger Bestandteil eines Brainstormings: Wenn nicht alle von allen anderen alle Ideen zu hören bekommen, können diese Ideen keine neuen Ideen triggern. Dann bräuchte man auch kein Brainstorming machen, sondern könnte gleich individuelle Hausaufgaben verteilen. Wie in den Kommentaren zu unserem ersten Artikel über Brainstorming von mehreren Lesern angemerkt wurde, ist das konzentrierte individuelle Arbeiten keine schlechte Idee:

  • Einige Dich mit den anderen Teilnehmern auf die Aufgabe.
  • Alle Teilnehmer brainstormen individuell für sich etwa 5 Minuten lang.
  • Die Ergebnisse werden zusammengetragen und auf die Tafel gebracht (idealerweise jeder Teilnehmer abwechselnd nacheinander jeweils eine Idee).

Diese Technik nennt sich Nominale Gruppentechnik (NGT). Durch das Vortragen und Sammeln der Ideen im Kreis profitiert die Gruppe wieder vom Triggern weiterer Ideen. NGT ist besonders ratsam, wenn

  • einige Teilnehmer andere dominieren und selten zu Wort kommen lassen
  • einige Teilnehmer besser denken, wenn sie alleine arbeiten
  • es den Anschein hat, dass nicht alle mitarbeiten
  • die Gruppe Probleme hat, besonders viele Ideen zu entwickeln
  • viele Teilnehmer neu in der Gruppe sind
  • die Aufgabe polarisiert

Blitzen lenkt den Fokus

Um den Fokus eines Brainstormings zu verbessern, kann man «Blitzen» versuchen. Der englische Begriff kommt aus dem American Football und hat seinen Ursprung im Begriff Blitzkrieg. Gute Brainstorming-Moderatoren nutzen das Blitzen, um die Kreativität aller Teilnehmer temporär auf einen bestimmten Fokus zu konzentrieren. So kann die Gruppe ihren Fokus bewusst wechseln und ihre Perspektive ändern. Blitzen kann auch benutzt werden, um als Gruppe konzentriert Feedback zu einer Idee zu erzeugen. Und natürlich ist es besonders nützlich, um ein Klima zu entwickeln, in dem neue und ungewöhnliche Ideen gewürdigt werden.

Vermeidung von Production Blocking durch Online-Brainstormings

Um das Production Blocking zu umgehen, aber trotzdem an den Ideen anderer teilzuhaben, damit eigene, neue Ideen ausgelöst werden, empfiehlt es sich, das Brainstorming elektronisch durchzuführen. Das geht mit speziell entwickelten Brainstorming-Tools, die Kollaboration ermöglichen - im einfachsten Fall ist das ein Wiki, das parallel bearbeitet werden kann (Vorsicht: Nicht alle Wikis erfüllen diese Voraussetzung!) oder ein Google-Dokument oder eine Google Wave, woran alle gleichzeitig arbeiten. So ist die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe nicht damit beschäftigt, der einen Idee eines Vortragenden zu folgen und diese aufzuzeichnen, sondern jeder kann - wenn die Ideen fließen - einfach drauflos arbeiten und trotzdem im Gesamtdokument mitverfolgen und lesen, welche Ideen die anderen hatten. Gemeinsam Ideen generieren, neue Ideen bei anderen triggern, und das ohne Production Blocking, das ist es, was Alex Osborne im Sinn hatte, als er Brainstorming erfand!

Auf diese Art und Weise lassen sich Brainstormings sogar zeitlich entzerren oder Brainstormings durchführen, bei denen nicht alle Teilnehmer am selben Ort sind:

  • Alle greifen von ihren Rechnern auf das gemeinsam zu bearbeitende Dokument zu.
  • Jeder schreibt seine Ideen auf oder verfolgt, was die anderen für Ideen aufzeichnen.
  • Es gibt ein zeitliches oder quantitatives Ziel.

Arbeiten die Leute zeitversetzt, ist es hilfreich, wenn alle Teilnehmer sich das gesamte Dokument mehrmals zu verschiedenen Zeiten anschauen. Nur so profitieren alle immer von den Ideen der anderen.

Reverse Brainstorming

Ganz wichtig ist es, bei dieser und auch jeder anderen Art von Brainstorming, vorher genau das Problem zu definieren. Auch hier bewährt sich ein Moderator, der die Diskussion leitet und alle Teilnehmer gleichermaßen einbezieht. Damit alle Teilnehmer das Problem genau verstehen, hat sich «Reverse Brainstorming» bewährt. Anstatt nach der Lösung eines Problems zu suchen, fragt sich die Gruppe, wie sie das Problem verursachen kann. Die gefundenen Ideen tragen sehr viel zum Verständnis der Ursachen des Problems bei - und lassen sich natürlich umkehren, um das ursprüngliche Problem in den Griff zu bekommen. Reverse Brainstorming hilft oft besonders gut, wenn direkte Lösungen für ein Problem schwer zu erkennen sind.

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