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30.05.07

Berühmte Schreibtische

Wie arbeiten Schriftsteller? Der Guardian hat einige besucht und ihre Studierstuben fotografiert. Vom Papierstapel-Chaos bis zum Sagrotan-Schreibtisch ist alles dabei.

Aus Anschauung wird man klug, und Voyeure sind wir hier ja wie neulich bewiesen ohnehin. Was kann einem da (via netbib-Weblog) Besseres unterkommen als die Fotoserie "Writer's Rooms" des britischen Guardian?

Da wäre zum Beispiel Hanif Kureishi, in dessen Arbeitszimmer mich schon die Tapete so kirre machen würde, dass ich keine Zeile mehr zu Papier brächte. Ganz abgesehen von der Masse an CDs, die gehört werden wollen, und dem prominent plazierten Foto von Kate Moss. Kureishi empfiehlt jedem Autoren, ein Foto von Kate Moss an seinem Arbeitsplatz zu haben - das sei gut für die Inspiration.

 

Ganz anders macht es Andrew O'Hagan: Sein Studierzimmer ist peinlichst sauber, er beherrscht außerdem bestens die Opt-Out-Strategie: Sein Laptop ist niemals online, weil er nicht von "langweiligen E-Mails" beim Schreiben unterbrochen werden möchte. Man beachte auf dem Foto übrigens die Kreidetafel an der Zimmertür: Darauf notiert O'Hagan jeden Morgen die zwei, drei wichtigsten Aufgaben und wischt sie am Ende des Tages wieder ab - übrigens auch, wenn sie nicht erledigt sind. So kann man das natürlich auch machen.

Esther Freud kann offenbar in beiden Zuständen arbeiten - bevor sie ihr Büro mit Blick in den Garten bezog, schrieb sie in einem angemieteten Raum, in dem nichts außer einem Tisch und einem Bett stand. Der Blick fiel da nur auf die leere Wand. Die ist bei Will Self kaum mehr zu sehen: Bei ihm sind die Wände bis unter den Stuckansatz mit Post-It-Klebezetteln bedeckt, auf denen er Details zu seinen Charakteren, Dialoge und Ideen notiert.

Spannend ist es ohnehin, wie Schriftsteller fiktionale Stoffe bearbeiten: Hilary Mantel etwa arbeitet mit Einzelszenen auf Postkarten, die sie an einer Pinnwand verrücken kann, um die chronologisch korrekte Abfolge des Stoffes immer im Griff zu haben. Viele der Autoren, die der Guardian besucht hat, schreiben erstmal alles auf Papier, bevor sie es mit dem Laptop nochmal abtippen. Hanif Kureishi begründet das unter anderem damit, dass Computer bloß Bücher fördern würden, die zu lange sind.

Fast alle vorgestellten Autoren haben übrigens sehr schöne Schreibtische, da begnügt sich kaum einer mit einem Tapezierertisch. Und den allerschönsten hat David Hare. Ich glaube, den baue ich mir irgendwann mal nach.

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