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25.05.12

Aussenwirkung und Authenzität: Echt sein oder nur so wirken?

Stehen wir auf Facebook und Twitter nackt in der Öffentlichkeit? Oder sind Social Media-Auftritte reine Selbstinszenierungen?

Transparenz, Offenheit und Authenzität sind die Schlagworte der Internet- und Social-Media-Kommunikation. Denn da jeder kleine Fehler sofort entdeckt werden kann, bleibt einem gar nichts mehr anderes übrig, als offen und ehrlich mit den eigenen Schwächen umzugehen. Genau das aber stellt uns vor neue Herausforderungen: Denn wo früher die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Auftreten klar waren, verschwimmen diese heute immer mehr. So sagt etwa Robindro Ullah, bei der DB Services, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, verantwortlich für den Bereich Zusatzservices, im Interview :

«Für mich stand schnell fest: Eine strikte Trennung zwischen beruflichen und privaten Themen ist gar nicht möglich. Im Gegenteil: Vermischung führt zu engeren sozialen Kontakten, stärkt das Netzwerk unter den Mitarbeitern.»

Authentisch heißt nicht hemmungslos ehrlich

Das Problem dabei: Mehr Offenheit und Transparenz bedeutet längst nicht, dass nun jeder nur noch so ist, wie er ist. Vielmehr werden die Grenzen nun nicht mehr durch gesellschaftliche Konventionen, sondern durch jeden selbst definiert. Und das bringt entsprechende Risiken mit sich, wie Managementberater Olaf Hinz warnt:

«…aber auch das Thema 'authentisch' wird oft übertrieben. Was es braucht ist ein stimmiges Auftreten bzw. eine stimmige Inzenierung. Und gerade Inszenierung hat auch die Rollenbilder / -erwartungen der Mitarbeiter, Kollegen oder des Publikums im Blick. Denn wer hoch persönlich authentisch und 'ehrlich' daher kommt, wird von seinem professionellen Umfeld schnell als 'zu nah' und 'zu privat' empfunden. Ich denke, es braucht ein professionelles Auftreten, dass durch das 'Waage halten' zwischen Authentizität und Rollenausübung weder angepasst noch zu privat daherkommt: eine stimmige Inszenierung eben….»

Gefakte Echtheit oder erlernte Überzeugungskraft?

Es geht also nicht einfach darum, ganz sich selbst zu sein, sondern einen authentischen Eindruck zu hinterlassen. Mit diesem Widerspruch der «gefakten» Echtheit haben viele Schwierigkeiten. So schreibt Berater Stephan Stockhausen:

«professionell authentisch wirken – O weiah, diese Wortkombination macht mir echte Bauchschmerzen. Entweder ich bin etwas oder ich wirke so..»

Dabei geht es laut Präsentations- und Wirkungsexperte Michael Moesslang , Autor des Buches «Professionelle Authentizität» gar nicht darum, sich zu verbiegen. Laut Moesslang ist vielmehr Glaubwürdigkeit das Ziel eines authentischen Auftretens:

«Je souveräner und selbstsicherer eine Person auftritt, desto stärker steigen Attribute wie Überzeugungskraft und Respekt – was beides viel miteinander zu tun hat... Echt zu sein ist alleine kein Grund als souverän und glaubwürdig zu gelten. Jemand, der immer schon mit hängenden Schultern oder ausweichendem Blickkontakt durchs Leben geht, ist auch echt.»

Authenzität - reine Übungssache?

Und Glaubwürdigkeit durch sicheres und souveränes Auftreten wird laut Moesslang eben nicht dadurch erreicht, dass man einfach sich selbst ist und bleibt - sondern viel mehr, indem man bereit ist, dazu zu lernen, sich zu verändern und weiterzuentwickeln - und indem man sein sicheres Auftreten auch übt und lernt. Genau die Widerstände, die dabei entstehen, müssen laut Moesslang überwunden werden.

Authenzität - am Ende des Tages also nur reine Übungssache?

Bild: borkur.net bei flickr.com (CC BY 2.0)

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