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10.12.18

Arbeitsschutz am Schreibtisch

So beugen Chefs schweren Rückenleiden bei Mitarbeitern vor

Quelle: iStock / Getty Images Plus

Rückenschmerzen betreffen viele Menschen und nehmen ein Stück von deren Lebensqualität. Ein Großteil der Beschwerden wird durch Büroarbeit und falsche Ergonomie am Arbeitsplatz hervorgerufen. Schließlich verbringen viele Arbeitnehmer einen Großteil ihrer Arbeitszeit im Sitzen und haben zu wenig Bewegung. Wirbelsäule und Muskulatur sind dann einer zu einseitigen Belastung ausgesetzt. Meist verstärken sich die Beschwerden noch durch falsch eingestellte Bürostühle oder einen zu niedrigen Schreibtisch. Dabei ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, für den entsprechenden Arbeitsschutz zu sorgen.

Wie genau definieren sich die Rückenschmerzen?

Zunächst muss geklärt werden, ob die Rückenschmerzen durch die Arbeit bedingt sind oder andere Ursachen haben. Meist handelt es sich aber um einen recht unspezifischen Kreuzschmerz und das Gefühl von enormer Belastung. Der Arbeitsplatz ist aber nur Teil der Ursache. Grundsätzlich fehlt den Menschen eine ausreichende Bewegung, die Rumpfmuskulatur ist vielleicht schlecht ausgebildet und ein eventuelles Übergewicht belastet den Rücken zusätzlich. Im Job kommt es zu sehr einseitigen Belastungen durch das lange Sitzen oder durch eine falsche Haltung am Schreibtisch. Hier entstehen Verspannungen, die sich durch den täglichen Stress schnell vermehren können. Derartige Schmerzen führen wieder zur Schonhaltung und bringen noch mehr Verspannungen mit sich.

Achtung: Wer jetzt nichts gegen diese Abwärtsspirale tut, riskiert schwerwiegende gesundheitliche Folgen oder gar ein chronisches Leiden.

Ergonomie am Arbeitsplatz – verstellbare Schreibtische und Stühle

Arbeitgeber sind vom Gesetz her dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern alle erforderlichen Hilfsmittel für einen ergonomischen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen und diese umfassend zu erklären. Schließlich bringt ein verstellbarer Schreibtisch nichts, wenn er vom jeweiligen Arbeitnehmer nicht auf seine Körpergröße angepasst werden kann. Laut arbeitsrechte.de benötigen Menschen mit einer Körpergröße von 165 cm eine Schreibtischhöhe von 67 cm. Bei einer Körpergröße von 185 cm ist sogar ein 75 cm hoher Schreibtisch notwendig. Hintergrund ist der Blick auf den Bildschirm. Bestenfalls soll der Blick vollkommen gerade auf den Bildschirm gerichtet sein, damit der Kopf keine ungewohnte Position einnimmt. Neben dem Rücken brauchen aber auch die Augen Abwechslung zur Bildschirmarbeit.

Darüber hinaus bedarf es einen verstellbaren Bürostuhl für ein dynamisches Sitzen. Nur so kann die einseitige Belastung der Wirbelsäule verhindert werden. Außerdem bringt er die richtige Höhe von Sitzfläche und Armlehnen in Bezug auf den Fußboden mit sich. Die Füßen dürfen nicht in der Luft baumeln und die Arme müssen sich in einem bequemen Winkel ablegen lassen. Folgende Eigenschaften braucht ein ergonomischer Schreibtischstuhl:

  • Standfestigkeit (auf min. 4 Rollen)
  • schwenk- und verstellbare Rückenlehne
  • drehbar und höhenverstellbar
  • gepolsterte Armstützen
  • atmungsaktive Materialien

Viele Arbeitnehmer besitzen zwar einen solchen Stuhl, arretieren ihn aber. Somit ist nicht ausreichend Abwechslung für die Wirbelsäule gegeben. Alternativ lassen sich aber Sitzbälle, Kniestühle oder Stehsitze verwenden, um mehr Dynamik an den Arbeitsplatz zu bringen.

Hinweis: Wer einen höhenverstellbaren Schreibtisch und den passenden Stuhl dazu besitzt, sollte sich die Funktionsweise genau zeigen lassen. Nur so sind individuelle Einstellungen passend zum Körperbau möglich. Manche Arbeitgeber nehmen diese Einstellung für ihre Angestellten vor und kommen damit einem Teil der arbeitsschutzrechtlichen Verpflichtung nach.

Weitere Informationen zum Einrichten eines ergonomischen Arbeitsplatzes und zur richtigen Einstellung des Bürostuhls zeigt folgendes Video:

Ausreichend Pausen und Positionswechsel

Eine ständig gleiche Position schadet auf Dauer dem Rücken. Eine einseitige Belastung kann also nur durch einen Positionswechsel verhindert werden. Bandscheiben und Muskeln sind dann wieder anders beansprucht. Gerade bei einem Computerarbeitsplatz muss die Sitzposition immer mal wieder verändert werden. Außerdem sollte im Job angemessen viel Bewegung vorhanden sein, beispielsweise mit einem längeren Weg zum Kopierer. Bei Routinearbeiten, wie dem Telefonieren oder dem Bearbeiten der Post, sind sogar stehende Positionen möglich.

Pausen bieten eine gelungene Erholung für Körper und Geist. Auch Stress und Leistungsdruck sind bekannte Ursachen für Rückenschmerzen. Die Pausenzeiten sind meist vom Betrieb vorgegeben und sollten sinnvoll genutzt werden. Kleine Entspannungsübungen lassen sich auch am Arbeitsplatz oder in der Kaffeepause durchführen. Derartige Rückenkurse werden über die Krankenkasse bezuschusst und teilweise vom Arbeitgeber übernommen. Fernab der Arbeitszeit bietet sich ein sportlicher Ausgleich an, um die Muskulatur im unteren Rückenbereich zu stärken.

Abhängigkeit vom Berufsfeld

Der erforderliche Arbeitsschutz ist natürlich vom jeweiligen Berufsfeld abhängig. Trotzdem gilt es, die technischen, baulichen und organisatorischen Möglichkeiten der Prävention zu nutzen. In einigen Berufszweigen gibt es spezielle Arbeitskleidung und das passende Schuhwerk, wenn weite Strecken zurückgelegt werden müssen. Auch hier kann der Rücken mit einer ergonomisch geformten Sohle gezielt entlastet werden. 

Manchmal sind Hilfsmittel für ein rückengerechtes Arbeiten notwendig, beispielsweise beim Heben von Patienten in der Pflege. Arbeitnehmer sollten sich alle neuen Handgriffe und die Bedienung derartige Geräte genau zeigen lassen. Der Arbeitgeber ist nämlich auch hier nicht nur zur Bereitstellung, sondern auch zur fachgerechten Erklärung verpflichtet. Letztendlich liegt es am Mitarbeiter selbst, wie gut er die empfohlenen Tipps umsetzt und die Hilfsmittel in Gebrauch hat. Im Sinne der eigenen Gesundheit sind jedoch alle rückenschonenden Möglichkeiten zu nutzen.

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